Das Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel (IfW) hat seine Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum deutlich nach unten revidiert. Das IfW erwartet nun für 2002 ein reales Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,4 Prozent und für 2003 um 1,8 Prozent. Bislang war das Institut für dieses Jahr von einem BIP-Wachstum um 1,2 Prozent und für das kommende Jahr von einem Plus von 2,5 Prozent ausgegangen.
Die Frühindikatoren deuteten im dritten Quartal nach unten. Zudem bestünden negative Auswirkungen der Aktienkursturbulenzen, der Ölpreise und der Flutkatastrophe, sagte der Leiter der IfW-Abteilung Konjunktur, Joachim Scheide. Auch die Gewinnlage der Unternehmen habe sich nicht entscheidend verbessert. „Der Aufschwung geht auch im dritten Quartal noch nicht richtig los“, prognostizierte Scheide.
Regierung hält an Prognose fest
Für die Eurozone sieht das Institut 2002 ein BIP-Wachstum um 0,8 Prozent und 2003 um 2,3 Prozent sowie einen Verbraucherpreisanstieg 2002 um 2,1 Prozent und 2003 um 1,6 Prozent.
Die Zahlen für Deutschland sind Teil der am Donnerstag veröffentlichten aktuellen Konjunkturprognose des IfW für die Eurozone. Offiziell will das Institut seine Prognose für Deutschland in der kommenden Woche bekannt geben.
In den vergangenen Wochen hatten mehrere Institute ihre Prognosen zurückgeschraubt. Im Schnitt erwarten die Wirtschaftsforscher nun ein Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent. Die Bundesregierung hält hingegen an ihrer Prognose von 0,75 Prozent BIP-Plus in diesem Jahr fest. Das unterstrich am Mittwoch nochmal Bundeskanzler Gerhard Schröder. In ihrem Frühjahrsgutachten hatten die fünf wichtigsten Forschungsinstitute, zu denen auch das IfW zählt, noch ein Wachstum von 0,9 Prozent in 2002 vorausgesagt.
Im zweiten Quartal war das deutsche BIP wie im ersten Vierteljahr um 0,3 Prozent gewachsen.