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Konjunktur Ifo-Institut hebt Wachstumsprognose

22.06.2004 ·  Nach den Kieler Wirtschaftsforschern hat auch das Münchener Ifo-Institut seine Konjunkturprognose für Deutschland erhöht. Aufgrund des starken Exports rechnet das Ifo-Institut in diesem Jahr mit einem Wachstum um 1,7 Prozent.

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Das Wirtschaftswachstum in Deutschland wird nach Einschätzung des Münchener Ifo-Instituts im laufenden Jahr vor allem von der kräftig expandierenden Weltwirtschaft profitieren. Vor diesem Hintergrund erhöhte das Institut die Wachstumsprognose für Deutschland für das laufende wie das kommende Jahr um 0,2 Prozentpunkte auf jeweils 1,7 Prozent.

Der Präsident des Instituts, Hans-Werner Sinn, betonte bei der Vorstellung der Konjunkturprognose am Dienstag jedoch, Deutschland befinde sich weiterhin im “langen Schlepptau“ des weltweiten konjunkturellen Trends. Gegenwärtig kämen zu viele strukturelle Probleme zusammen, um in dem Ausmaß wie andere Länder an der weltwirtschaftlichen Erholung teilzunehmen.

Sinn führte hier einerseits Faktoren an, wie den Verlust des Zinsvorteils deutscher Unternehmen durch die Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung und den Verlust des relativen Vorteils aus einem größeren eigenen Binnenmarkt. Zum anderen seien innerdeutsche Faktoren für die Wachstumsschwäche verantwortlich, etwa die finanziellen Kosten der Wiedervereinigung und die „bekannten Fehler im deutschen Arbeits- und Sozialsystem“. Immerhin seien Produktion und Auftragseingang in den ersten Monaten des Jahres aufwärts gerichtet gewesen. Zugleich müsse aber berücksichtigt werden, daß im laufenden Jahr 0,5 Prozentpunkte des Wachstums auf die größere Zahl an Arbeitstagen zurückzuführen seien.

Als erstes der sechs führenden Forschungsinstitute hatte in der vergangenen Woche das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) seine Wachstumsprognose für Deutschland wegen der kräftigen Exportnachfrage etwas erhöht. In ihrem Frühjahrsgutachten waren Institute im April für 2004 und 2005 noch Wachstumsraten von jeweils 1,5 Prozent ausgegangen.

Allein der Export treibt die Wirtschaft an

Bislang wird die deutsche Konjunktur nach Einschätzung von Sinn allein vom Export getrieben, während eigene Antriebskräfte noch fehlen. Allerdings schienen die Ausrüstungsinvestitionen nun allmählich Tritt zu fassen. Als „Spätfolge“ der konjunkturellen Belebung in diesem Jahr könne 2005 auch der private Konsum wieder etwas stärker anziehen. Hier prognostiziert das Institut einen Zuwachs von 0,5 Prozent im laufenden und 1,0 Prozent im kommenden Jahr.

Die Teuerung sei in Deutschland “nach wie vor kein Thema“. Der Euro habe “nicht zu viel, sondern eher zu wenig Inflation gebracht“. So beziffert das Institut den erwarteten Anstieg der Verbraucherpreise 2004 auf 1,6 Prozent und 2005 auf 1,4 Prozent.

Situation auf dem Arbeitsmarkt weiter „desolat“

Dagegen werde die Lage auf dem Arbeitsmarkt „desolat“ bleiben. Die Erwerbslosenquote veranschlagt die Ifo-Schätzung über den gesamten Prognosehorizont auf 10,3 Prozent, die Zahl der Arbeitslosen wird bei rund 4,37 Millionen bzw 4,38 Millionen im kommenden Jahr gesehen.

Die Geschäftslage der Unternehmen werde immer mehr vom Arbeitsmarkt abgekoppelt, die hohen deutschen Lohnkosten veranlaßten die Unternehmen zu „exzessiver Rationalisierung und übermäßigem Outsourcing“. Der jüngste Rückgang der Arbeitslosenzahl sei in erster Linie en ergriffenen Maßnahmen zur Statistikbereinigung zuzuschreiben, echte ökonomische Effekte mithin nicht erkennbar.

Ifo-Präsident Sinn kritisiert Verschuldung des Bundes

Mit scharfen Worten ging Sinn auch mit der deutschen Finanzpolitik ins Gericht. Die Entwicklung der Staatsfinanzen sei angesichts des aus strukturellen Gründen mageren Wirtschaftswachstums schlicht als „bedrohlich“ einzustufen.

Die Defizitgrenze des Maastricht-Vertrags werde 2004 wie 2005 mit 3,6 Prozent bzw 3,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts überschritten werden. Damit sei auch die der EU-Kommission gegebene Zusage, die Defizitquote um 0,6 Prozentpunkte zurückzuführen, nicht einzuhalten, und auch für 2005 sei keine nachhaltige Besserung in Sicht.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Dow Jones-VWD
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