25.10.2005 · Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Oktober überraschend verbessert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte von 96,0 auf 98,7 Punkte und lag damit deutlich über den Erwartungen der Analysten.
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Oktober überraschend deutlich aufgehellt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sprang auf 98,7 von 96 Zählern im September, wie das Münchner Ifo-Institut am Dienstag mitteilte. Damit erreichte der Index den höchsten Stand seit genau fünf Jahren.
„Die konjunkturelle Erholung scheint sich damit zu festigen“, erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Dabei bewerteten die rund 7000 befragten Firmen sowohl ihre aktuellen Geschäfte als auch ihre Aussichten weit besser als noch im Vormonat: Der Lage-Index legte auf 98,9 von revidiert 96,5 Punkten zu, der Erwartungsindex kletterte auf 98,5 von 95,5 Zählern. Analysten hatten nur mit einem minimalen Anstieg des Gesamtindex gerechnet und dabei in erster Linie auf eine etwas zuversichtlichere Zukunftseinschätzung der Betriebe gesetzt.
Analysten und Politiker werteten den völlig unerwarteten Ifo-Wert als Beleg der Konjunkturerholung. „Aber wir müssen noch abwarten, ob dies nachhaltig ist und in einen Aufschwung mündet“, mahnte Jörg Lüschow von der WestLB. CDU-Wirtschaftsexperte Ronald Pofalla sprach von einem Lichtblick, der zugleich Mahnung für die Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD sei: „Das Vertrauen der Wirtschaft in die Politik muß gefestigt werden.“ An den Finanzmärkten reagierten die Anleihen mit Kursverlusten, der Euro legte zu. Solch starke Konjunkturdaten rückten die Möglichkeit einer schnelleren Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank (EZB) in den Fokus, erläuterte Devisenstratege Bilal Hafeez von der Deutschen Bank.
Inlandsnachfrage zieht an
Die konjunkturelle Erholung in Deutschland stützt sich nach den Worten von Ifo-Volkswirt Gernot Nerb zunehmend auch auf die Inlandsnachfrage. Nicht nur der starke Export trage zur besseren Stimmung bei, auch die Inlandsnachfrage komme zunehmend in Gang, sagte Nerb am Dienstag. Der deutlich über den Erwartungen liegende Ifo-Geschäftsklimaindex sei für das Ifo aber noch kein Anlaß, seine Wachstumsprognose zu ändern.
Die Aufhellung ist nach Nerbs Einschätzung in erster Linie auf eine Erholung in der Industrie zurückzuführen. „Gerade im industriellen Bereich ist es sehr gut gelaufen.“ Der Auftragseingang habe in den vergangenen zwei Monaten spürbar angezogen und auch der Euro-Wechselkurs könnte sich positiv ausgewirkt haben. Auch die etwas niedrigeren Ölpreise hätten vermutlich zur verbesserten Lage- als auch Zukunftseinschätzung beigetragen. Dagegen hätten die laufenden Koalitionsverhandlungen und die Debatte um eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) derzeit kaum einen Einfluß auf die Stimmung der Wirtschaft.
In der Industrie verbesserte sich dem Ifo-Institut zufolge sowohl die aktuelle Lage als auch die Zukunftseinschätzung. „Nochmals spürbar besser bewerteten die Industrieunternehmen ihre Exportchancen“, erklärte das Institut. Auch in den anderen Bereichen - Einzel- und Großhandel sowie Bauwirtschaft bewerteten die Unternehmen sowohl ihre aktuellen Geschäfte als auch ihre Zukunft positiver.
Aufschwung? BDI skeptisch
Trotz einer leichten Beschleunigung des Wirtschaftswachstums im kommenden Jahr bleibt nach Ansicht des BDI ein echter Investitionsaufschwung fraglich. „Wenn ein immer geringerer Teil der Exporte durch inländische Wertschöpfung erstellt wird, steigt auch die Auslastung der Betriebe nicht wie gewohnt. Folglich wird auch nicht so viel investiert“, erklärte am Dienstag der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann. Das Investitionsverhalten deutscher Firmen habe sich geändert, da sie immer mehr im Ausland investierten und auch von dort Vorleistungen einkaufen.
Jüngste Wirtschaftsindikatoren deuteten eine allmähliche Belebung der Ausrüstungsinvestitionen an, erklärte Thumann. Der BDI bekräftigte seine Erwartung, daß die Wirtschaft 2006 um bis zu 1,5 Prozent wächst nach 0,8 Prozent in diesem Jahr. Der BDI forderte die neue Regierung zu einer Unternehmensteuerreform und einer Lockerung des Kündigungsschutzes auf, um das Wachstum zu stärken. Die erwartete konjunkturelle Belebung reiche nicht aus, um die dringendsten Probleme wie Staatsverschuldung, Massenarbeitslosigkeit und die Sanierung der Sozialsysteme zu lösen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.393,92 | +1,25% |
| Dow Jones | 12.552,80 | +0,79% |
| EUR/USD | 1,2547 | +0,05% |
| Rohöl Brent Crude | 107,57 $ | +0,29% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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