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Konjunktur Ifo-Geschäftsklimaindex sinkt im Juni überraschend

25.06.2004 ·  Die Stimmung in der Wirtschaft hat sich im Juni überraschend verschlechtert. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank von 96,0 auf 94,6 Punkte. Experten hatten einen Anstieg erwartet.

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Die Hoffnungen auf einen kräftigen Aufschwung der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr haben einen gehörigen Dämpfer erhalten.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex brach im Juni überraschend von 96,0 auf 94,6 Punkte ein. „Der Aufschwung ist zwar da, aber er ist relativ blutlos“, sagte ifo-Chefvolkswirt Gernot Nerb am Freitag in München. Vor allem die Verbraucher und kleinere Unternehmen seien weiterhin verunsichert. Zudem sei am Arbeitsmarkt keine echte Entspannung in Sicht. Nach Bekanntgabe der Juni-Werte drehte der Deutsche Aktienindex Dax ins Minus.

Die befragten Unternehmen bewerteten quer durch die Branchen sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Geschäftsaussichten schlechter als vor einem Monat. „Die neuen Umfrageergebnisse sprechen dafür, daß die konjunkturelle Aufwärtsentwicklung noch immer nicht durchgreifend gefestigt ist", erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Die nach wie vor positiven Exporterwartungen belegten zwar, daß Deutschlands Exportindustrie dem stürmischen weltweiten Konjunkturaufschwung folge. „Die Binnennachfrage stagniert aber noch, weil die Beschäftigung sich immer mehr von der Produktion abkoppelt", erklärte Sinn. Unter den vier untersuchten Bereichen - Verarbeitendes Gewerbe, Bau, Groß- und Einzelhandel - sei die Eintrübung im Einzel- und im Großhandel besonders ausgeprägt. Bernd Weidensteiner von der DZ Bank sagte: „In Deutschland hat sich ein tiefgreifender Pessimismus festgefressen.“

„Wir brauchen stärkere Impulse aus dem Inland“

„Wir brauchen stärkere Impulse aus dem Inland“, sagte Nerb. Der überraschende Rückgang des Geschäftsklimaindex im Juni gehe vor allem auf die ausbleibende Nachfrage im Inland zurück. Im Vergleich mit früheren Konjukturzyklen dauere es derzeit bedeutend länger bis “der Funke vom Export auf die Inlandsnachfrage überspringt“.

Volkswirte hatten im Schnitt mit einem leichten Anstieg des Index auf 96,4 Zähler gerechnet. Der Teilindex zur Lageeinschätzung fiel auf 93,2 von 94,4 Punkten, wie das Ifo weiter mitteilte. Der Teilindex zu den Geschäftserwartungen fiel auf 96,0 von revidiert 97,7 Punkten.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) drehte nach den Ifo-Daten ins Minus. Der Dax fiel 0,3 Prozent ins Minus auf 3996 Punkte; vor der Veröffentlichung hatte er noch 0,3 Prozent im Plus gelegen. Die Rentenkurse zogen dagegen an. So drehte der richtungweisende Bund-Future ins Plus und gewann elf Ticks auf 113,31 Punkte.

Zwischen Furcht und Erkenntnis

Volkswirte sagten, der Ifo-Index im Juni mahne zur Vorsicht, was die weitere konjunkturelle Entwicklung angehe. Andreas Rees von der Hypo-Vereinsbank sagte, entscheidend sei die Frage, was sich aus dem Ifo-Index für das Wachstum im zweiten und dritten Quartal ableiten lasse. „Trotz des Rückgangs der Erwartungskomponente beim Ifo deutet diese weiter darauf hin, daß die deutsche Wirtschaft weiter ziemlich stark wächst.“ Im zweiten Quartal sei jetzt von Stagnation bis zu einem Wachstum von 0,6 Prozent alles möglich.

Jörg Krämer von Invesco Asset Management sagte, auch der Anfang der Woche veröffentlichte ZEW-Index sende ein klares Abschwungsignal aus, was zusammen mit dem Ifo zur Vorsicht mahne. Nach einer Ifo-Faustregel würde ein Rückgang im Juli eine Trendwende ankündigen, nachdem der Ifo bereits im Mai gesunken war. „Hintergrund der Entwicklung ist die Furcht, daß der Boom der Weltwirtschaft bald den Höhepunkt erreicht hat und die Erkenntnis, daß die Binnennachfrage in Deutschland wegen des
Reformstaus viel zu schwach ist, um das ausgleichen zu können", sagte Krämer.

Sinn sieht indes noch keinen Grund für einen übertriebenen Konjunktur-Pessimismus. Er sei leicht optimistisch, was das deutsche Wirtschaftswachstum 2004 angehe, sagte Sinn dem Sender CNBC. Sinn sagte, er sehe noch keinen unmittelbaren Handlungszwang für die Europäische Zentralbank (EZB), die Zinsen zu senken. Er würde noch einen weiteren Monat abwarten, bevor er der EZB einen solchen Schritt nahelegen würde.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters dpa und vwd/DowJones
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