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Konjunktur Heiter bis wolkig

23.02.2012 ·  Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Februar zum vierten Mal in Folge verbessert. In anderen Ländern der Eurozone sieht es aber düster aus. Das Abgleiten der Euro-Zone mache eine Aufstockung des Rettungsschirms für Krisenländer umso dringlicher, meint EU-Währungskommissar Olli Rehn.

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© obs Die deutsche Industrie bewertet ihre Aussichten wieder besser

Trotz Schuldenkrise und globaler Konjunkturflaute ist die Stimmung der deutschen Firmenchefs im Februar den vierten Monat in Folge gestiegen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex kletterte nach Angaben des Münchner Ifo-Instituts auf 109,6 von 108,3 Punkten im Vormonat. Es ist der beste Wert des wichtigsten deutschen Konjunkturbarometers seit Juli 2011. „Die deutsche Konjunktur wird derzeit von binnenwirtschaftlichen Auftriebskräften getragen“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Firmenchefs blickten optimistisch auf die kommenden sechs Monate.

Wesentlich schlechter sieht es für viele Länder im Rest der Eurozone aus: Laut einer ebenfalls am Donnerstag vorgestellten Konjunkturprognose der EU-Kommission rutscht die Eurozone in eine Rezession. Den Berechnungen zufolge schrumpft die Wirtschaft in den 17 Euroländern im laufenden Jahr um 0,3 Prozent. Die Brüsseler Experten korrigierten ihren Ausblick deutlich nach unten. Im Herbst hatten sie noch mit einem Minimalwachstum von 0,5 Prozent für 2012 gerechnet.

Es sind vor allem Griechenland und Portugal, die die Währungsunion in die Rezession ziehen. Für Hellas prognostiziert die EU ein Minus von 4,4 Prozent, nach einem Einbruch von 6,8 Prozent 2011. In Lissabon verschärft sich die Lage: Nach einem Minus von 1,5 Prozent rechnet die Kommission für das laufende Jahr mit einem Negativwachstum von 3,3 Prozent. Immerhin erreicht Irland - neben Portugal und Griechenland der dritte Staat am Eurotropf - ein schwaches Wachstum von 0,5 Prozent in diesem Jahr.

Düster ist auch die Entwicklung in Italien, dort kippt die Konjunktur von plus 0,2 Prozent im vergangenen auf minus 1,3 Prozent im laufenden Jahr. Die gleiche Tendenz in Spanien: Dort rauscht die Konjunktur mit einem Prozent ins Minus.

Für einen Kurswechsel sieht EU-Währungskommissar Olli Rehn aber keinen Anlass. Man habe im Kreis der Euro-Finanzminister den Kurs der Haushaltskonsolidierung bestätigt, sagte er. „Und die Länder, die ein Hilfsprogramm haben, sollten sich an den Plan halten.“ Ob Spanien wegen des Konjunktureinbruchs mehr Zeit bekommen soll, um seine Defizitziele zu erreichen, sei noch nicht entschieden, sagte Rehn. Ohne Aufschub könnten Madrid Sanktionen drohen. Für den Fall, dass sich die Schuldenkrise wieder zuspitze, drohe eine „tiefe und lange Rezession“, warnt die Kommission.

Rehn dringt auf Vergrößerung des Euro-Rettungsschirms

Nach Ansicht von Olli Rehn macht das Abgleiten der Euro-Zone in die Rezession die Verstärkung der Rettungsfonds für Euro-Krisenländer umso dringlicher. Dies sei Teil des Gesamtpakets aus strikterer Haushaltskontrolle und engerer Koordination der Wirtschaftspolitik, die mit dem neuen Fiskalpakt und dem verschärften Stabilitätspakt erreicht werde. Bei der akuten Krisenabwehr gebe es noch nicht genug Fortschritt. Rehn hatte sich schon nach dem Treffen der Euro-Finanzminister dafür ausgesprochen, die verbleibende Kreditkapazität von rund 250 Milliarden Euro aus dem EFSF auf das ab Mitte 2012 geplante Volumen des ESM von 500 Milliarden Euro draufzusatteln. Die Bundesregierung hatte daraufhin ihr Nein zu einer Ausweitung der Rettungsfonds bekräftigt.

Die Prognose der EU-Kommission für Deutschland klingt auch etwas pessimistischer als die Prognose des Ifo-Instituts. Deutschland wird der EU-Prognose zufolge seine Rolle als Konjunkturlokomotive nicht mehr so stark spielen können, weil sich das Wachstum von drei Prozent auf 0,6 Prozent stark verlangsamt. Allerdings weisen in der Eurozone nur die Slowakei und Estland mit 1,2 Prozent im laufenden Jahr ein größeres Wachstum als Deutschland auf.

Die Bundesregierung rechnet fürs Gesamtjahr in Deutschland mit einem Wachstum von 0,7 Prozent, das sich 2013 auf 1,6 Prozent mehr als verdoppeln dürfte.

EU-Prognose: Die Konjunkturdaten der Euro-Sorgenkinder und Deutschlands

Griechenland
Wirtschaftswachstum: -6,8 Prozent (2011); -4,4 Prozent (2012)
Inflation: 3,1 Prozent (2011); -0,5 Prozent (2012)

Portugal
Wirtschaftswachstum: -1,5 Prozent (2011); -3,3 Prozent (2012)
Inflation: 3,6 Prozent (2011); 3,3 Prozent (2012)

Irland
Wirtschaftswachstum: 0,9 Prozent (2011); 0,5 Prozent (2012)
Inflation: 1,2 Prozent (2011); 1,6 Prozent (2012)

Spanien
Wirtschaftswachstum: 0,7 Prozent (2011); -1,0 Prozent (2012)
Inflation: 3,1 Prozent (2011); 1,3 Prozent (2012)

Italien
Wirtschaftswachstum: 0,2 Prozent (2011); -1,3 Prozent (2012)
Inflation: 2,9 Prozent (2011); 2,9 Prozent (2012)

Deutschland
Wirtschaftswachstum: 3,0 Prozent (2011); 0,6 Prozent (2012)
Inflation: 2,5 Prozent (2011); 1,9 Prozent (2012)

 


 

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