08.09.2004 · Notenbankchef Alan Greenspan hat sich verhalten optimistisch über die amerikanische Konjunktur geäußert. Finanzmarktexperten erwarten nun, daß die Fed die Leitzinsen demnächst wieder anheben wird.
Die amerikanische Konjunktur hat nach der leichten “Delle“ im zweiten Quartal nach Einschätzung von Fed-Chairman Alan Greenspan wieder an Fahrt gewonnen. “Die US-Wirtschaft ist wieder in der Spur“, sagte Greenspan am Mittwoch anläßlich einer Anhörung vor dem Haushaltsausschuß des Repräsentantenhauses.
Die Äußerungen des Fed-Chairmans dürften stark darauf hindeuten, daß die Notenbank die Leitzinsen am 21. September ein weiteres Mal anheben wird. Im Gegensatz zu seinen anderen Reden aus der jüngeren Zeit sprach Greenspan allerdings nicht mehr explizit davon, daß die Fed am Kurs der “maßvollen“ Zinsanhebungen festhalten wird.
Inflationserwartung geringer
Greenspan verwies allerdings darauf, daß sich zuletzt sowohl die Inflation wie auch die Inflationserwartungen trotz der höheren Ölpreise wieder reduziert hätten. Die weitere Entwicklung der Ölpreise sei allerdings mit Unsicherheit behaftet, betonte der Fed-Chairman. Positiv bewertete er die jüngste Entwicklung des privaten Verbrauchs und der Baubeginne. Zudem seien die Unternehmensinvestitionen “auf einem soliden Aufwärtstrend“ und der Arbeitsmarkt habe im August wieder Stärke gezeigt.
Mit Blick auf die Inflationsentwicklung sprach Greenspan zwar auch von zuletzt gestiegenen Lohnstückkosten, auf der anderen Seite hätte es jedoch von anderen Faktoren einen dämpfenden Einfluß gegeben. Die künftige Entwicklung der Ölpreise bezeichnete der Fed-Chairman vor allem deshalb als unsicher, “weil es wachsende Zweifel“ über das langfristige Öl-Angebot in Verbindung mit einer steigenden Nachfrage aus Volkswirtschaften wie China und Indien gebe.
Sorge über Staatsdefizit
Greenspan betonte zudem seine Sorge über die längerfristige Entwicklung des Staatshaushalts. Daran ändere sich auch nichts, wenn im kommenden Jahr das Haushaltsdefizit der Regierung wieder sinken sollte. Greenspan warnte vor allem vor den künftig in die Höhe steigenden Ausgaben für die Gesundheitsversorgung der “in die Jahre gekommenen Baby Boomer-Generation.“ Der Fed-Chef wiederholte Zweifel daran, daß die Sozial- und Sicherheitssysteme in ihrer jetzigen Form erhalten werden könnten. Er forderte politische Regeln und Disziplin für die künftige Haushaltspolitik.
Beobachter erwarten weithin, daß die Federal Reserve am 21. September zum dritten Mal in diesem Jahr den Leitzins um einen viertel Prozentpunkt anheben wird. Gegenwärtig steht der Zielsatz für die Fed Funds Rate bei 1,50 Prozent. Die amerikanische Wirtschaft war im zweiten Quartal um annualisiert 2,8 Prozent gewachsen, nachdem im ersten Quartal noch ein Wachstum von 4,5 Prozent verzeichnet worden war. Bankvolkswirte gehen allerdings ebenso wie der Fed-Chairman davon aus, daß die Wirtschaft im Zeitraum Juli bis September wieder an Dynamik gewonnen hat.
Devisenmärkte enttäuscht
Der Dollar hatte in Erwartung einer optimistischen Prognose Greenspans im Vorfeld an den Devisenmärkten zugelegt. Direkt im Anschluß gab die amerikanische Währung allerdings nach. Die Devisenmärkte hätten mit noch deutlicheren positiven Worten Greenspans gerechnet, sagten Analysten der Agentur Bloomberg. Unmittelbar nach Greenspans Auftritt im Kongress gab der Dollar in New York zum Euro auf 1,2124 Dollar nach, nach 1,2109 Dollar am Vortag. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,2039 (Dienstag: 1,2079) Dollar festgesetzt.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.395,65 | +1,37% |
| Dow Jones | 12.566,70 | +0,90% |
| EUR/USD | 1,2541 | 0,00% |
| Rohöl Brent Crude | 107,63 $ | +0,34% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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