11.09.2008 · Die deutsche Wirtschaft tritt in eine Schwächephase ein. Ob daraus eine tiefe Rezession folgen wird, ist offen. Wer heute zu behaupten vorgibt, er wisse genau, was passieren werde, ist ein Scharlatan.
Von Gerald BraunbergerDie Daten, die aus der Wirtschaft eingehen, sind so widersprüchlich, dass sie sehr gegensätzliche Prognosen zulassen. So ist es möglich, ein Bild so finster zu malen wie ein schwarzes Loch: Es sieht die Weltwirtschaft in eine lange Depression abgleiten, als deren Folge das Wirtschaftswachstum für lange Zeit einbricht, Arbeitslosenquoten und Staatsdefizite stark steigen und die Preise für Vermögensgüter wie Aktien und Immobilien weiter nachgeben. Es ist aber ebenso gut möglich, dass sich an eine vorübergehende Schwächephase im kommenden Jahr eine wirtschaftliche Erholung anschließt und die Preise für Vermögensgüter wieder steigen. Wer heute zu behaupten vorgibt, er wisse genau, was passieren werde, ist ein Scharlatan.
In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit ist der Rat von Ökonomen besonders gefragt. Doch die Zukunft können auch Ökonomen nicht sicher vorhersagen, weil das Wirtschaftsgeschehen keinem strengen formalen Modell folgt, sondern von den nicht immer prognostizierbaren Verhaltensweisen der Leute beeinflusst wird. Einigermaßen sicher scheint zu sein, dass die deutsche Wirtschaft in eine Schwächephase eintritt, weil die Konjunktur in wichtigen Exportmärkten lahmt und die Binnennachfrage keinen Ausgleich schafft. Ob daraus eine tiefe Rezession folgen wird, ist offen.
Die beste Nachricht seit langer Zeit: Der Ölpreis sinkt
Der Blick auf die Datenlage stimmt zuversichtlich und pessimistisch zugleich. Die beste Nachricht seit langer Zeit ist der deutliche Fall der Preise an den Märkten für Rohstoffe, darunter für Öl und zahlreiche Nahrungsmittel. Das dürfte sich mit einiger Verzögerung in einem Rückgang der Inflationsrate niederschlagen. Positiv ist ebenfalls die Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar zu bewerten, da sie der europäischen Exportwirtschaft das Geschäft erleichtert. Auf der Passivseite steht vor allem die Unsicherheit über die wirtschaftliche Entwicklung in Amerika.
Die Verstaatlichung der großen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac sowie die Milliardenverluste der Investmentbank Lehman Brothers belegen, dass von einem Ende der Finanzmarktkrise noch keine Rede sein kann. Im eigenen Land lassen die absurd hohen Lohnforderungen der IG Metall jede ökonomische Vernunft vermissen. Der die Wirtschaft belastende Wechsel guter und schlechter Daten scheint noch nicht zu Ende.
Ökonomische Vernunft und Lohnforderungen
Werner Kastor (wkastor)
- 11.09.2008, 11:50 Uhr
Evolutionsprozess- und Chaosphysik auf den Exodus- und Ordnungsübergang anwenden
Rüdiger Kalupner (RuedigerKalupner)
- 11.09.2008, 13:46 Uhr
Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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