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Konjunktur Frühlingserwachen der Wirtschaftsforscher

 ·  Mit einer Wachstumsprognose von 1,2 Prozent gehört das Institut für Weltwirtschaft zu den Optimisten. Doch die Zuversicht wächst auch insgesamt.

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Mit jeder positiven Konjunkturmeldung aus den Vereinigten Staaten scheint sich die Stimmung der deutschen Wirtschaftsexperten weiter aufzuhellen. Nachdem das Institut für Wirtschaft in Halle in der vergangenen Woche bereits eine vorsichtige Erhöhung der Wachstumsprognose für dieses Jahr andeutete, setzt das Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) noch mal eins drauf.

Das IfW erwartet einen Zuwachs des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,2 Prozent in diesem Jahr und dürfte damit das bislang optimistischste Institut sein. Für das kommende Jahr rechnen die Kieler mit einem Wachstumssprung um 2,7 Prozent.

Amerika als Motor der weltweiten Erholung

Im Laufe des Jahres werde es weltweit zu einer „kräftigen Beschleunigung des Produktionsanstiegs“ kommen, so die Experten. Motor des Konjunkturaufschwungs dürfte erneut die US-Wirtschaft sein, für die das IfW ein Wachstum des BIP um 2,3 Prozent 2002 und von vier Prozent 2003 vorhersagt. Für Westeuropa gehen die Kieler Experten davon aus, dass die Konjunktur “im Frühjahr Tritt fasst“ und im laufenden Jahr der BIP-Anstieg bei 1,7 Prozent und 2003 bei drei Prozent liegen werde.

Das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle, das seine neueste Konjunkturschätzung am Mittwoch abgeben will, wird seine Deutschland-Prognose vermutlich ebenfalls anheben. In einem Zeitungsbericht, den das Institut als „in der Tendenz“ richtig bezeichnet hatte, war kürzlich bereits von einer Anhebung der Wachstumsschätzung für 2002 von 0,6 Prozent auf 0,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) die Rede gewesen. Die Bundesregierung rechnet derzeit mit rund 0,75 Prozent Wirtschaftswachstum in diesem Jahr und einer deutlichen Beschleunigung 2003.

DIW bleibt zurückhaltend

Nicht ganz so optimistisch wie das IfW äußerte sich der Konjunkturexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Gustav Horn. Er rechne weiterhin mit einem Zuwachs von 0,6 Prozent in diesem Jahr und einem Plus von 2,1 Prozent im nächsten Jahr. Beide Institute bestätigten mit den genannten Wachstumszahlen Schätzungen, die sie schon vor wenigen Monaten abgegeben hatten. „Für eine deutliche Anhebung halte ich es noch zu früh", sagte Horn.

Auch Jürgen Donges, bis März Vorsitzender der Wirtschaftsweisen, warnte vor allzu großer Zuversicht. „Meine Prognose bleibt, dass wir frühestens ab der Jahresmitte eine deutlichere Aufwärtsbewegung erleben werden“, sagte Donges im Gespräch mit FAZ.NET. Im Jahresdurchschnitt erwartet der Kölner Professor ein Wachstum „von unter einem Prozent“.

Tiefpunkt überwunden

Einig sind sich die Experten in der Analyse, dass der Tiefpunkt der deutschen Konjunkturentwicklung im ersten Quartal dieses Jahres durchschritten sein dürfte und es nunmehr wieder aufwärts gehen sollte. „Wir stehen am Beginn einer maßvollen Aufwärtsentwicklung", sagte Horn. Dabei rechne er damit, dass die Beschleunigung in den kommenden Quartalen anhalten und gegen Ende 2003 ihren Höhepunkt erreichen werde. Dagegen erwartet das IfW nach einer Verbesserung in den nächsten Monaten im kommenden Jahr wieder, dass der Aufschwung an Fahrt verlieren wird.

Kaum Entspannung am Arbeitsmarkt

Für den Arbeitsmarkt wird der Konjunkturaufschwung nach IfW-Schätzungen nur wenig Entspannung bringen. Die Arbeitslosenzahl werde im laufenden Jahr auf 3,983 Millionen im Jahresdurchschnitt ansteigen und im kommmenden Jahr nur leicht auf 3,886 Millionen sinken, sagten die Experten voraus. Der Verbraucherpreisanstieg sollte mit 1,4 Prozent in diesem Jahr und 1,6 Prozent für 2003 deutlich unterhalb der von der Europäischen Zentralbank (EZB) formulierten Schwelle von zwei Prozent bleiben.

Defizit im Limit

DIW und IfW rechnen übereinstimmend damit, dass das deutsche Staatsdefizit in diesem und im nächsten Jahr unterhalb des in der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion geltenden Grenzwertes von drei Prozent des BIP bleibt. Das IfW erwartet für dieses Jahr eine Defizitquote von 2,5 und für nächstes Jahr von 2,0 Prozent. Horn rechnet nach eigenen Worten mit etwas höheren Werten, ohne dass aber die Marke von drei Prozent überschritten werde.

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