14.05.2003 · Der Abwärtstrend der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands ist ungebrochen. Das ergibt sich aus dem "World Competitiveness Yearbook 2003". Schwachpunkte sind der Arbeitsmarkt und die Steuern.
Der Abwärtstrend der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands ist ungebrochen. Das ergibt sich aus dem "World Competitiveness Yearbook 2003" des International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne. In dessen - neuerdings nach großen und kleinen Ländern differenzierten - Gesamtwertung rutscht das "große" Deutschland jetzt auf Rang 5. In dieser neuen Gruppeneinteilung belegte Deutschland vor einem Jahr noch Platz 4, ebenso wie 2001. Die Erholung des Standorts aus den Jahren 1998, 1999 und 2000 ist damit längst Vergangenheit.
Die Ursache für den deutschen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit erkennen die Lausanner Wissenschaftler ausschließlich in einer verfehlten Politik. Von den vier Hauptindikatoren, die in die Rangliste einfließen, hat nur das Maß der "Regierungseffizienz" seinen rasanten Einbruch fortgesetzt: Nach Rang 8 im Vorjahr und Platz 4 im Jahr 2001 steht Deutschland nur noch auf Rang 12 und damit im oberen Mittelfeld seiner Ländergruppe.
In diesem Teilindikator werden der Zustand der öffentlichen Finanzen, die Fiskalpolitik, der institutionelle Rahmen, die für Unternehmen relevante Gesetzgebung (Außenwirtschaft, Wettbewerb, Arbeitsmarkt, Kapitalmarkt) beleuchtet. Den ersten Platz in der Gruppe der großen Länder (mehr als 20 Millionen Einwohner) in dieser Rubrik belegt Australien, vor den Vereinigten Staaten. Bei den kleinen Ländern (weniger als 20 Millionen Einwohner) ist Finnland führend, vor Singapur.
Die größten Schwachpunkte Deutschland sind der Arbeitsmarkt sowie die Steuer- und Abgabenlast. Es gebe immer noch nicht genügend Anreize für Arbeitslose, eine Beschäftigung anzunehmen, heißt es im Jahrbuch. Auch das Engagement von Stelleninhabern werde durch die übermäßige persönliche Steuerlast gebremst, und die Regulierung des Arbeitsmarkts biete nicht genug Flexibilität. Die Sozialabgaben zählen zu den höchsten auf der Welt. Die Gewinnbesteuerung der Unternehmen sei ebenfalls zu hoch. Zudem passe die Regierung ihre Politik nicht schnell genug an neue Herausforderungen an, die öffentliche Haushaltslage dürfte sich weiter verschlechtern, und die jüngsten politischen Maßnahmen deuteten auf eine weiter abnehmende Wettbewerbsfähigkeit hin.
Der Teilindikator der "wirtschaftlichen Leistung" indes, der die wichtigsten makroökonomischen Daten zusammenfaßt, scheint sich gefangen zu haben. Wie im Vorjahr und 1999 belegt Deutschland hier Rang 3, nach Rang 5 im Jahr 2000 und dem vierten Platz 2001. Den ersten Rang nehmen in der Gruppe der großen Länder die Vereinigten Staaten ein, vor Festland-China. Bei den kleinen Ländern liegt Belgien vorn, vor den Niederlanden.
Die Wirtschaft selbst braucht sich in Deutschland keine Vorwürfe zu machen. Der Teilindikator der "geschäftlichen Effizienz" liegt wie im Vorjahr auf Platz 6, einen Rang höher als in den Jahren 1999 bis 2001. Hier wird die Produktivität, die Ergiebigkeit des Arbeitsmarkt, die Leistungsfähigkeit von Banken und Börsen, Managementpraktiken und Wertvorstellungen berücksichtigt. Führend sind in der Gruppe der großen Länder wieder die Vereinigten Staaten (Rang 1) und Australien (Rang 2), bei den kleinen Ländern sind es Finnland (1) und Hongkong (2).
Gut steht Deutschland mit Rang 4 wie im Vorjahr auch mit Blick auf die Infrastruktur (Verkehr, Technik, Wissenschaft, Gesundheit, Umwelt, Bildung) da, nach den Vereinigten Staaten (1), Australien (2) und China (3). In der Gruppe der kleinen Länder liegt nach einem Rückschritt in den vergangenen beiden Jahren traditionsgemäß wieder die Schweiz vorn, vor Finnland und Schweden.
Mit Blick auf die globale Entwicklung kommentierte Stéphane Garelli, Leiter des "World Competitiveness Project" am IMD: "Die gute Nachricht ist, daß die Weltwirtschaft nicht in einer Rezession steckt." Von den 59 untersuchten Ländern und Regionen hätten 2002 nur vier einen Rückgang ihres Bruttoinlandsprodukts erlebt. Doch zur Entwarnung sei es zu früh: "Die schlechte Nachricht ist, daß niemand daran glaubt." Statt von Rezession müsse man von "wirtschaftlicher Anämie" sprechen.
Das IMD arbeitet zur Berechnung seines Index mit Partnerinstitutionen zusammen; in Deutschland ist dies der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Der Index bündelt mehr als 300 Kriterien. Dabei werden die aus statistischen Fakten gewonnenen Indikatoren durch Umfragen unter mehr als 4000 Führungskräften ergänzt. Die Ergebnisse ähneln der jüngsten Rangliste des "World Economic Forum" (F.A.Z. vom 13. November), wo Deutschland sich nur deshalb um drei Plätze verbessern konnte, weil die hohe Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen die schlechte Politik ausglich. (http://www02.imd.ch/wcy)
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.319,85 | −3,26% |
| Dow Jones | 12.118,60 | −2,22% |
| EUR/USD | 1,2433 | +0,58% |
| Rohöl Brent Crude | 98,82 $ | −2,76% |
| Gold | 1.606,00 $ | +3,08% |
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