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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Konjunktur Die Industrie sorgt sich um ihr Geschäft

 ·  In Europa tobt die Schuldenkrise, in China lässt das Wachstum nach. Die deutschen Unternehmen spüren im Tagesgeschäft kaum etwas davon. Aber ihre Zuversicht schwindet spürbar. Der Ifo-Index fällt auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren.

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Im Juni ist der wichtige Ifo-Konjunkturindex, für den rund 7000 Unternehmen befragt werden, zum zweiten Mal in Folge deutlich gefallen, diesmal von 106,9 auf nun 105,3 Punkte. Er sank damit auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Während sich die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage sogar leicht von 113,2 auf 113,9 Zähler verbesserte, haben sich die Erwartungen für das kommende halbe Jahr deutlich von 100,8 auf 97,3 Punkte eingetrübt.

„Die deutsche Wirtschaft befürchtet zunehmende Beeinträchtigungen durch die Eurokrise“, sagte Hans-Werner Sinn, der Präsident des Ifo-Instituts. Die Unternehmen bekämen die Nachfrageschwäche aus vielen europäischen Staaten zunehmend zu spüren, urteilten die Chefvolkswirte mehrerer Banken. „Lange Zeit schien die sich wieder verschärfende Staatsschuldenkrise der deutschen Wirtschaft nichts anhaben zu können. Nun zeigt sich aber mehr und mehr, dass auch Deutschland keine Teflon-Wirtschaft ist“, erklärten die Konjunkturforscher der Commerzbank.

© F.A.Z.

Dieser jüngste Rückgang des Ifo-Barometers fügt sich in die Reihe weiterer Konjunktursignale ein, die für die deutsche Wirtschaft schwerere Zeiten vorhersagen. So blieb der europäische Einkaufsmanagerindex Markit im Juni mit 46 Punkten unverändert auf einem Stand, der eine Rezession in vielen Ländern signalisiert. Der Auftragseingang der deutschen Industrie sank im letzten Berichtsmonat April wegen fehlender Großaufträge um 1,9 Prozent - und die Konjunkturerwartungen der deutschen Börsianer verschlechtern sich gar in einem Tempo wie zuletzt vor 14 Jahren. In wichtigen Exportländern wie China oder Brasilien hat sich das Wachstumstempo inzwischen deutlich verringert, in Amerika hat die Notenbank (Fed) ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr auf ein Plus von 1,9 bis 2,4 Prozent gesenkt, bisher ging die Fed noch von einem Zuwachs von 2,4 bis 2,9 Prozent aus.

Die Industrie zögert mit Neuinvestitionen

Und obwohl viele deutsche Unternehmen unverändert volle Auftragsbücher haben und von guten Geschäften gerade in den Schwellenstaaten berichten, sind sie mit Neuinvestitionen inzwischen zögerlich geworden. Nach Angaben der staatlichen Förderbank KfW sind die Unternehmensinvestitionen im ersten Quartal um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal gesunken. Für das Gesamtjahr erwarten die KfW-Forscher nur noch ein mageres Plus der Investitionen um 1,6 Prozent. Im vergangenen Jahr hatten die Unternehmen ihre Investitionsausgaben noch um 7,6 Prozent erhöht. „Aber die abnehmende Exportdynamik und die Verunsicherung durch die Eurokrise wirken sich stärker als erwartet dämpfend aus“, sagte KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch.

Allerdings gebe es derzeit keinen Grund für Kassandra-Rufe, zumal einige Entwicklungen der deutschen Wirtschaft auch in die Hände spielten, betonten mehrere Forscher. Insbesondere der stark gesunkene Ölpreis, der den Einkauf vieler Rohmaterialien und Vorprodukte verbilligt, sowie der im Vergleich zum vergangenen Herbst schwächere Eurokurs von weniger als 1,30 Dollar je Euro sollten sich als wichtige Stützen für die hiesigen Betriebe erweisen, hieß es. „Es wird eine Zeit dauern, bis die volle Wirkung davon fühlbar wird, aber es wird die negative Entwicklung zumindest teilweise abfedern“, urteilten die Forscher der Bank Unicredit. Auf eine drohende Rezession in Deutschland könne daher noch nicht geschlossen werden, hieß es von den Konjunkturanalysten der Allianz.

Zumindest die deutschen elektrotechnischen Betriebe verbuchten zuletzt sogar steigende Exporte. Im April seien Produkte und Dienstleistungen für 12,1 Milliarden ausgeführt worden, rund 3 Prozent mehr als im Vorjahr, teilte de Fachverband ZVEI mit. Zwischen April und Januar seien die Ausfuhren mit 51,4 Milliarden Euro rund 3 Prozent höher gewesen als 2011. „Der Export bleibt ein stabiles Standbein der deutschen Elektroindustrie“, lautete das Fazit.

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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