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Konjunktur Deutsche Wirtschaft 2004 schwächer als erwartet

15.02.2005 ·  Die deutsche Wirtschaft ist 2004 überraschend langsamer gewachsen als erwartet - nach Stagnation im dritten und einem Rückgang im vierten Quartal. Volkswirte sprechen aber von einem besseren Start ins neue Jahr.

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Die deutsche Wirtschaft ist zum Jahresende 2004 völlig überraschend geschrumpft. Die Flaute in der Binnenwirtschaft machte dabei den positiven Impuls vom Export zunichte. Wegen der Konjunkturflaute am Jahresende kündigten einige Institute an, ihre Wachstumsprognosen für das Jahr 2005 möglicherweise senken zu müssen. Dagegen sagte der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz, der Sachverständigenrat gehe trotz des Rückschlags weiter von einem Wachstum von 1,4 Prozent im Gesamtjahr aus, auch wenn die Risiken zugenommen hätten. Volkswirte sehen die Wirtschaft deutlich besser ins neue Jahr gestartet.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sank im letzten Vierteljahr 2004 im Vergleich zum Sommer inflationsbereinigt (real) um 0,2 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Im Sommer legte die Wirtschaft zudem nicht wie zunächst gemeldet um 0,1 Prozent zu, sondern stagnierte. Das Statistikamt korrigierte zudem seine erste Berechnung des Wirtschaftswachstums im Gesamtjahr 2004 auf 1,6 von zuvor 1,7 Prozent.

Weniger Wachstum im Euro-Raum

Mittelfristige Konjunkturerwartungen von Analysten und institutionellen Investoren für Deutschland sind im Februar im Vergleich zum Vormonat abermals gestiegen. Nach der am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhöhte sich der Index der Konjunkturerwartungen auf 35,9 Punkte, nach 26,9 im Januar und 14,4 im Dezember 2004 (Finanzmarkt zuversichtlich: ZEW-Indikator steigt ).

Auch im Euro-Raum hat sich das Wirtschaftswachstum im vierten Quartal 2004 überraschend verlangsamt und wird nach den Prognosen der EU-Kommission auch in den nächsten Monaten nicht spürbar an Fahrt gewinnen. Nach den am Dienstag veröffentlichten vorläufigen Berechnungen des Europäischen Statistikamts Eurostat legte das BIP im Währungsraum zum Vorquartal um 0,2 Prozent zu. Im dritten Quartal hatte das Wachstum noch 0,3 Prozent betragen. Zum Vorjahr ergab sich ein BIP-Plus von 1,6 Prozent nach 1,8 Prozent im Vorquartal. Im Gesamtjahr 2004 wuchs die Wirtschaft der Euro-Zone um 2,0 Prozent.

Volkswirte geschockt

Volkswirte zeigten sich nach den Meldungen aus Wiesbaden geschockt. „Das ist eine wirklich böse Überraschung. Deutschland hat es im vierten Quartal einfach wieder nicht geschafft, etwas aus dem Export und der starken Weltwirtschaft zu machen", sagte Andreas Rees von der Hypo-Vereinsbank. Das Statistikamt korrigierte zudem seine erste Berechnung des Wirtschaftswachstums im Gesamtjahr 2004 auf 1,6 von zuvor 1,7 Prozent.

„Die im Vergleich zum Vorquartal geringere Wirtschaftsleistung im vierten Quartal 2004 war gekennzeichnet durch einen Rückgang der inländischen Verwendung, der durch die Zunahme des Exportüberschusses (Außenbeitrag) nur zum Teil kompensiert wurde", erklärten die Statistiker. Kein einziger Volkswirt hatte einen Rückgang des BIP prognostiziert. Das Statistikamt selbst hatte erst im Januar mitgeteilt, die Wirtschaft habe sich am Jahresende etwas besser entwickelt als im Sommer.

Selbst Statistiker überrascht

Offenbar waren die Statistiker von den schlechten Wirtschaftsdaten vom Jahresende überrascht worden. So hatte sich im Einzelhandel das vielerorts prognostizierte gute Weihnachtsgeschäft als Reinfall erwiesen. "Die wirtschaftliche Belebung der ersten beiden Quartale 2004 hat sich damit in der zweiten Jahreshälfte nicht fortgesetzt." Im Vergleich zum Vorjahr war die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal um 1,5 Prozent höher, stieg ohne den Effekt zusätzlicher Arbeitstage jedoch nur um 0,6 Prozent. Details zur wirtschaftlichen Entwicklung am Jahresende wird das Statistikamt erst in der kommenden Woche veröffentlichen.

Rees vermutete, das die schlechte Stimmung im Land für den BIP-Rückgang verantwortlich ist: „Der Hauptschuldige ist für mich die Diskussion um Stellenabbau, zum Beispiel bei Opel und Karstadt-Quelle. Das hat die Menschen sehr verunsichert und den privaten Konsum belastet.“ Die meisten Experten hatten erwartet, daß der private Verbrauch am Jahresende zum Wachstum beigetragen hat.

Keine Rezession zu befürchten

Der Sachverständigenrat der Bundesregierung erwartet trotz des Schrumpfens der deutschen Wirtschaft im Schlußquartal 2004 keine Rezession. „Die Gefahr einer Rezession sehen wir nicht", sagte der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz am Dienstag. Das sehen auch andere Volkswirte so: „Eine Rezession kann man ausschließen. Der Einstieg in 2005 sollte besser gelaufen sein. Es gibt einige ermutigende Zeichen, daß die Inlandsnachfrage nach endlosem Gestottere an Schwung gewinnt", sagte Rees. Auch Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank sagte: „Wir sind nicht in einer Rezession, sondern in einer Stagnation. Wir erwarten ein leicht beschleunigtes BIP im ersten Quartal 2005.“

Frühindikatoren wie das Ifo-Geschäftsklima und die Einkaufsmanagerindizes signalisieren, daß die deutsche Wirtschaft am Jahresanfang etwas kräftiger zulegt als Ende 2004. Auch der Auftragseingang der Industrie zeigte am Jahresende nach oben. Die meisten Experten setzen darauf, daß der Impuls vom starken Export 2005 zunehmend auch in der lahmen Binnenwirtschaft ankommt, indem Firmen mehr investieren und Verbraucher mehr Geld ausgeben. Noch bleibt jedoch fraglich, ob eine erstarkende Binnennachfrage die erwartete Abschwächung des Exportbooms ausgleichen kann. Auch ein steigender Ölpreis oder ein neuer Euro-Höhenflug könnten dem deutschen Aufschwung schnell gefährlich werden.

Prognosen hinfällig

In jedem Fall startet die Wirtschaft wegen des Rückschlags am Jahresende mit einer Belastung ins neue Jahr. „Die Prognosen sind damit hinfällig geworden", sagte Carsten-Patrick Meier vom Institut für Weltwirtschaft (IfW). Auch Wolfgang Nierhaus vom Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) sagte: „Unsere Prognose (von 1,2 Prozent Wachstum im Gesamtjahr 2005) ist jetzt außerordentlich ehrgeizig geworden.“ Die Hypovereinsbank senkte ihre Wachstumsprognose auf 0,8 von zuvor 1,2 Prozent. Die meisten Experten setzen darauf, daß der Impuls vom starken Export 2005 zunehmend auch in der lahmen Binnenwirtschaft ankommt, indem Firmen mehr investieren und Verbraucher mehr Geld ausgeben. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat nach eigenen Angaben Signale, daß die Binnenkonjunktur langsam anzieht und die Firmen wieder mehr investieren werden.

Quelle: @tor mit Material von Reuters
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