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Konjunktur Das Ende der Krise

14.11.2009 ·  Es ist beinahe so etwas wie ein Wunder. Deutschland berappelt sich, verlässt schneller als gedacht das tiefe Tal der schlimmsten Wirtschaftskrise seit 60 Jahren. Die Hilfe des Staates hat Optimismus erzeugt. Ein Risiko bleibt der Arbeitsmarkt.

Von Lisa Nienhaus
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Es ist beinahe so etwas wie ein Wunder. Deutschland berappelt sich, verlässt schneller als gedacht das tiefe Tal der schlimmsten Wirtschaftskrise seit 60 Jahren. Vier Quartale in Folge ist unsere Wirtschaft geschrumpft, so lange wie selten zuvor und so rasant wie noch nie in der Bundesrepublik. Doch das ist seit mehr als einem halben Jahr vorbei. Im zweiten und dritten Quartal 2009 ist die Wirtschaft wieder gewachsen - zwar so langsam, dass man es eher ein Kriechen nennen kann, und ausgehend von einem deutlich niedrigeren Niveau als im Vorjahr, aber immerhin geht es aufwärts. Wer hätte das gedacht?

Die Politik zumindest glaubt noch nicht daran. Angela Merkel forderte noch am gestrigen Samstag die Bürger zu mehr Krisenbewusstsein auf. „Die Kenntnis der Lage schafft Verständnis dafür, dass diese Regierung anders vorgehen muss, als es die vorherige im Jahr 2005 konnte“, sagte sie der F.A.Z. Bundeskanzlerin Merkel im Gespräch: „Das Land muss endlich die Dimension der Krise begreifen“

Entlassungswelle ist bisher ausgeblieben

Dabei ist die Lage doch eigentlich wieder ganz gut. Auch wenn die Deutschen mit den derzeit mauen Wachstumsraten noch mindestens bis 2013 bräuchten, bis sie wieder auf dem Produktionsniveau von 2008 wären - die gefühlte Krise ist vorbei. Die großen Banken stehen nicht mehr auf der Kippe. Über die Vermögensverluste des Börsenabsturzes sind die Tränen längst vergossen. Und auch der Angsttreiber der Arbeiter und Angestellten, die Kurzarbeit, geht zurück.

Bei vielen Deutschen ist die gefühlte Krise sogar nie richtig angekommen. Denn die oft beschworene Entlassungswelle ist bisher ausgeblieben. Damit steht Deutschland im internationalen Vergleich alleine da. Es ist eines der Länder, in denen die Rezession am härtesten zugeschlagen hat, und trotzdem das Land, in der sie sich bisher am wenigsten am Arbeitsmarkt zeigt. Noch so ein Wunder.

Zurück bleibt ein Grummeln im Bauch, das in Form eines raunenden „Vorsicht, Falle!“ durchs Land geistert. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hat dafür ein schönes Bild gefunden. Unser Land gleiche einem Infarktpatienten, der soeben aus dem Krankenhaus entlassen sei, sagt er. „Die akute Krise ist vorbei, doch er ist noch sehr schwach. Ein Rückfall ist nicht ausgeschlossen.“

Ein Risiko bleibt der Arbeitsmarkt. Hier war es Deutschlands Glück, dass gerade die Branchen von der Krise getroffen wurden, die zuvor über Fachkräftemangel geklagt hatten. Sie reagierten trotzig und horteten ihre Arbeitskräfte - mit kräftiger Unterstützung des Staates. Der Effekt: Die Deutschen arbeiteten drei Prozent weniger, und ihre Produktivität ging so stark zurück wie in keinem anderen Abschwung seit den siebziger Jahren.

Das kann nicht so weitergehen. Der Aufschwung kommt derzeit zu langsam, als dass Arbeitszeit und Produktivität in kürzester Zeit wieder auf das alte Niveau ansteigen könnten. Es wird Entlassungen geben, wenn auch weniger als einst befürchtet. Ein zweites Risiko geht vom Staat aus. Wie groß sein Anteil am derzeitigen Aufschwung ist, hat noch kein Wirtschaftsweiser berechnet. Er dürfte beträchtlich sein. Was passiert, wenn er sich zurückzieht?, fragen die Ökonomen ängstlich.

Vergleich zu 1929 nicht länger angebracht

Dabei sollte es endlich einmal jemand aussprechen: Der Vergleich dieser Krise mit 1929 ist nicht länger angebracht. Damals schrumpfte die amerikanische Wirtschaft drei Jahre hintereinander um insgesamt mehr als ein Drittel. Das ist nicht mehr in Sicht. Die Hilfe des Staates hat Optimismus erzeugt. Der Patient hat die Klinik verlassen.

Jetzt ist es Zeit, dass er wieder lernt, allein zurechtzukommen. Dabei sollte man ihn beobachten und einen Notfallkoffer bereithalten. Ihn mit Milliarden zu ummuttern ist nicht mehr nötig.

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Jahrgang 1979, Redakteurin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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