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Konjunktur Chinesische Wirtschaft wächst stärker als erwartet

15.04.2004 ·  Die chinesische Wirtschaft ist im ersten Quartal 9,7 Prozent und damit stärker als erwartet gewachsen. Daher steigt die Wahrscheinlichkeit, daß die Zentralbank die Zinsen erhöht, um eine Überhitzung zu vermeiden.

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Chinas Wachstumsgeschwindigkeit wird mehr und mehr zum Problem. Im ersten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 9,7 Prozent zu - der von Peking angestrebte Wachstumswert liegt dagegen bei 7 Prozent. Es ist das dritte Quartal in Folge mit einem BIP-Wachstum von mehr als 9 Prozent. Im vergangenen Jahr war Chinas Wirtschaft um 9,1 Prozent gewachsen, 2002 um 8,0 Prozent.

Nach der am Donnerstag veröffentlichten Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist China nur dann in der Lage, seine starken Wachstumsraten aufrecht zu erhalten, wenn es weitreichenden strukturelle Reformen umsetzt. Die Analysten von JP Morgan Chase haben ihre Wachstumsvorhersage für das Gesamtjahr nun auf 11,3 Prozent angehoben.

Analysten rechnen mit Investitionsbeschränkungen

Die Anlageinvestitionen stiegen im März um 43,5 (2003: 26,7) Prozent gegenüber dem Vergleichsmonat des Vorjahres. Analysten erwarten nun eine weitere Einschränkung der Kreditvergabe und vielleicht sogar Investitionsbeschränkungen für Sektoren wie Zement, Stahl, Immobilien und Automobilbau. „Das Wachstum in Anlageinvestitionen bleibt zu hoch. Das blinde Investieren in Nachbauten vorhandener Projekte konnte in einigen Industriebereichen nicht wirksam kontrollierte werden“, räumte Zheng Jingping, Generaldirektor des staatlichen Büros für Statistik, bei der Vorlage der Zahlen ein.

Erst am Ostersonntag hatte der Staatsrat mit deutlichen Schritten gegen die Überhitzung gedroht und vor einem „Auf und Nieder“ der Wirtschaft gewarnt. Zugleich wies Zheng noch einmal auf entstehende Engpässe in der Versorgung mit Rohstoffen, bei Energie und in der Infrastruktur hin, die zu Preissteigerungen führten.

Die Industrieproduktion lag im März gut 19 Prozent über dem Vorjahr, die Exporte 43 Prozent höher. Der Index für die Verbraucherpreise stieg im ersten Quartal um 2,8 Prozent, im Vorjahr lag die Inflationsrate bei 1,2 Prozent. Die steigende Inflation könnte schon bald in eine Deflation umschlagen, wenn die wachsende Überproduktion in immer mehr Branchen nicht gebremst werden kann.

Kreditvergabe wächst noch immer ungebremst

Mit einer Überhitzung der Wirtschaft wächst zugleich die Bedrohung der eh verletzlichen Banken: so wird erwartet, daß die Regierung eine nochmalige Erhöhung der Reserven für die Geschäftsbanken verordnen wird. Dreimal in den vergangenen sieben Monaten hatte die Zentralbank die Reserveanforderungen heraufgeschraubt. Erst am Sonntag hatte sie den Reservesatz auf 7,5 Prozent, für Banken deren Kapitaldeckung „unterhalb eines bestimmten Niveaus liegt“ auf 8 Prozent ab dem 25. April angehoben.

Pekings Bestrebungen, die Kreditvergabe zu verlangsamen, greifen aber auch deshalb nicht, weil die oft unter der Kontrolle von Lokalregierungen stehenden Banken dort vor allem dazu genutzt werden, über steigende Ausleihungen kurzfristig neue Arbeitsplätze etwa auf dem Bau zu schaffen. Analysten schätzen, die Kreditvergabe sei im ersten Quartal erneut um 20 Prozent gestiegen.

Chinesen wehren sich weiter gegen Aufwertung des Yuan

Eine steigende Inflation könnte China dazu bewegen, seine Währung Yuan aufzuwerten und damit dem Drängen vor allem Amerikas nachzukommen. Die Chinesen indes betonen gebetsmühlenartig, daß dies auf absehbare Zeit keine Option für sie sei - erst wollen sie ihr eigenes Haus, allen voran die Banken, in Ordnung bringen.

Da die Geldmenge in China mit einem Zuwachs von 19,1 Prozent im ersten Quartal deutlich über dem von der Zentralbank angestrebten Anstieg von 17 Prozent lag, rechnen mehr und mehr Analysten nun mit einem Anheben der Zinsen. Derzeit liegt der Zinssatz der Zentralbank für einjährige Ausleihungen bei 5,31 Prozent. Sein Anheben könnte zwar die Überinvestitionen bremsen, würde aber zugleich das dringend benötigte Wachstum in der Landwirtschaft beschädigen, fürchtet die Zentralregierung.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, che.
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