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Konjunktur Chinas Wachstumsstärke überrascht

25.01.2005 ·  Trotz gegenteiliger Bemühungen der chinesischen Regierung wächst die Wirtschaft im Reich der Mitte so stark wie lange nicht. Die Inflationsrate steigert den Druck auf Chinas Notenbank, die Zinsen zu erhöhen.

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Chinas Wirtschaft ist im vierten Quartal des vergangenen Jahres unerwartet kräftig gewachsen. Wie die nationale Statistikbehörde am Dienstag mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 9,5 Prozent.

Volkswirte hatten ein Wachstum von 8,6 Prozent erwartet, nachdem das Wachstum im dritten Quartal 9,1 Prozent betragen hatte. Im vollen Jahr 2004 belief sich das Wachstum ebenfalls auf 9,5 Prozent.

Stärkstes Wachstum seit sieben Jahren

Die ausländischen Direktinvestitionen in China erhöhten sich im Dezember auf Jahressicht um 21,3 Prozent, Volkswirte hatten ein Plus von 22,8 Prozent erwartet. Die Industrieproduktion, gemessen an der industriellen Wertschöpfung, lag um 14,4 Prozent über Vorjahresniveau, Volkswirte hatten einen Zuwachs um 14,5 Prozent erwartet. Der Einzelhandel setzte im Dezember 14,5 Prozent mehr um als im Vorjahr, die Prognose hatte auf plus 13,5 Prozent gelautet.

Das Wachstum 2004 ist das stärkste seit sieben Jahren. Das Bruttoinlandsprodukt erhöhte sich durch steigende Investitionen und eine starke Inlandsnachfrage in absoluten Zahlen auf 13,7 Billionen Yuan (590 Milliarden Euro). Im Jahr 2003 wuchs die chinesische Wirtschaft noch um 9,3 Prozent. Die Regierung hatte für das Jahr 2004 ein Ziel von sieben Prozent gesteckt.

Wirtschaftsentwicklung weiter überhitzt

Gleichzeitig schritt die Inflation alarmierend schnell voran und erreichte mit 5,3 Prozent im Juli und August ihren vorläufigen Höhepunkt. Im Jahresschnitt 2004 lag die Inflationsrate bei 3,9 Prozent und damit um 2,7 Prozentpunkte über dem Wert des Vorjahres. Vor allem die Lebensmittelpreise (plus 9,9 Prozent) und Erdöl (plus 11,4 Prozent) heizten die Geldentwertung an.

Die Daten scheinen zu belegen, daß die Konjunktur in China offenbar nicht vor einer Abkühlung steht. Im Gegenteil: Die Anstrengungen der Regierung, Investitionen und Schuldenaufnahme zu dämpfen, waren offenbar weniger effektiv als von vielen Experten angenommen.

„Chinas Wirtschaft ist auch weiterhin überhitzt“, sagt Jonathan Anderson, Chef der Volkswirtschaftlichen Abteilung Asien-Pazifik der UBS. „Investitionen, Kredite, die Industrieproduktion bewegen sich noch immer auf hohem Niveau, und zu Beginn des Jahres 2005 werden die Verantwortlichen weiter daran interessiert sein, das Wachstum zu zügeln“, sagt Anderson.

Druck auf Zentralbank, die Zinsen zu erhöhen, wächst

Ähnlich lassen sich die Worte von Li Deshui, Direktor der Statistikbehörde Chinas deuten, der auf der Pressekonferenz anläßlich der Bekanntgabe der Wachstumszahlen die Einschätzung vertrat: „China hätte ohne die wirksamen makroökonomischen Maßnahmen der Regierungein ein erheblich stärkeres Wachstum erlebt.“ In diesem Jahr erwarte China ein „leicht geringere“ Zunahme des Wirtschaftswachstums.

Die Wachstumsdaten dürften den Druck auf die chinesische Zentralbank verstärken, die Zinsen weiter zu erhöhen, so die Einschätzung von Analysten. Im Oktober hatte China die Zinsen erstmals seit neun Jahren wieder angehoben und zwar um 0,27 Basispunkte.

Quelle: @rwi mit Material von Dow Jones - VWD, AFP, Bloomberg
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