Eine Tranche von zehn Milliarden Dollar will die brasilianische Notenbank aus einer Fazilität von insgesamt 15,5 Milliarden Dollar des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Anspruch zu nehmen. Somit scheint zumindest vorübergehend die Sorge internationaler Investoren um die zukünftige Zahlungsfähigkeit des Landes beruhigt zu sein.
Der Real zeigte sich daraufhin am Donnerstag mit 2,734 für einen US-Dollar deutlich erholt. Am Mittwoch hatte die brasilianische Landeswährung noch bei einem Achteinhalb-Monatstief von 2,795 BRL für einen US-Dollar notiert.
Bereits vor dem vorläufigen Tiefpunkt der Entwicklung am Mittwoch hatte der Real wegen Befürchtungen dieser Art in der vergangenen Woche selbst gegen einen schwächelnden US-Dollar rund fünf Prozent verloren. Auch bei brasilianischen Aktien und Anleihen waren deutliche Verluste verzeichnet worden. Auslöser für die Ausverkäufe auf breiter Front war eine neue Bilanzierungsrichtlinie der brasilianischen Notenbank, die die Anleihen-Fonds des Landes zu einer weitgehenden Offenlegung ihrer Anlagen verpflichtet.
Zur Beschwichtigung der aufgebrachten Investoren wandte sich der brasilianische Notenbankpräsident Arminio Fraga daraufhin im Rahmen einer Telefonkonferenz an 800 ausgewählte Anleger. Seine zentrale Botschaft: Die jüngste Unsicherheit in den Märkten resultiere in erster Linie aus Befürchtungen über den Ausgang der im Oktober bevorstehenden Präsidentschaftswahlen und dem Schreckgespenst eines möglichen Sieges des derzeit in den Umfrage führenden Kandidaten der linken Arbeiterpartei Luiz Inacio Lula da Silva.
Krise nach hoher Nettoverschuldung
Als Beleg für die These des Notenbankpräsidenten könnte dabei gelten, dass der kurzfristigen Erholung der brasilianischen Märkte am Montag ein Rückgang der Umfragewerte des kurz “Lula“ genannten da Silva um zwei Prozentpunkte vorausgegangen war. Weniger Aufmerksamkeit schenkte der brasilianische Notenbankpräsident während seiner Telefonkonferenz hingegen der wahrscheinlichen Ursache der Krise, nämlich der Verschuldung seines Landes. Ende April lag die Nettoverschuldung der Öffentlichen Hand in Brasilien bei 55 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Und dies, obwohl Präsident Cardoso sich zu Beginn seiner zweiten Amtszeit im Jahr 1999 dazu verpflichtet hatte, die Verbindlichkeiten Brasiliens im laufenden Jahr auf 46,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu reduzieren. Darüber hinaus haben sich die Perspektiven zumindest für die kurzfristigen Verbindlichkeiten Brasiliens in der vergangenen Woche weiter verschlechtert, als die Notenbank angesichts der durch die “Lulaphobie“ ausgelösten Panikverkäufe zu einer Umschuldung von langfristigen Verbindlichkeiten in kurzfristige Darlehen gezwungen sah, um die Investoren zu beruhigen.