04.03.2004 · Der starke Euro und die schwache Binnennachfrage haben im Januar das Neugeschäft der deutschen Industrie einknicken lassen. Manche fürchten, der zaghafte Aufschwung könnte seinen Zenit schon überschritten haben.
Der starke Euro und die schwache Binnennachfrage haben im Januar das Neugeschäft der deutschen Industrie einknicken lassen. Einige Experten befürchten bereits, daß der zaghafte Aufschwung den Zenit schon überschritten hat.
Der Auftragseingang habe zum Dezember saisonbereinigt um zwei Prozent abgenommen, teilte das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) am Donnerstag in Berlin mit. Dabei verbuchte die Industrie 2,8 Prozent weniger Nachfrage aus dem Ausland, was das BMWA auch auf den starken Euro zurückführte. Die Bestellungen aus dem Inland gingen um 1,2 Prozent zurück. Vor allem die fehlende Investitionsgüter-Nachfrage besorgte die Experten, da der Bedarf etwa an Maschinen und Anlagen als entscheidend für eine Erholung der deutschen Wirtschaft gilt.
"Das sind wirklich bittere Zahlen", sagte Andreas Scheuerle von der DekaBank. Nachdem der Auftragseingang zuvor sieben Monate in Folge angestiegen war, hatten Analysten ein erneutes Plus von 0,2 Prozent erwartet. „Wir reden schon jetzt nicht von einem Aufschwung, weil die Aufwärtsbewegung zu schwach und zu kurzlebig ist", sagte Scheuerle. Die Wachstumsraten würden im zweiten Halbjahr wieder geringer.
Den Angaben zufolge verbuchten Konsumgüterproduzenten 6,8 Prozent weniger Aufträge, wobei die Nachfrage aus dem In- und Ausland gleichermaßen schwach war. Vorleistungsgüterproduzenten blickten auf ein Order-Minus von 0,2 Prozent. Die Bestellungen für Investitionsgüter gingen um 2,2 Prozent zurück.
Im Zwei-Monats-Vergleich Dezember/Januar zu Oktober/November nahm das Auftragsvolumen insgesamt um 0,7 Prozent zu und lag 1,6 Prozent über dem Niveau vom Januar 2003.
Wieder auf den Euro-Kurs gezeigt
Eine besondere Verantwortung für den Rückgang der Orders aus dem Ausland schrieb das Ministerium dem starken Euro zu, der innerhalb eines Jahres um 20 Prozent zum Dollar an Wert gewonnen hatte: „Der Rückgang der Auslandsaufträge im Januar dürfte zum Teil auch auf den deutlichen Anstieg des Euro-Wechselkurses zurückzuführen sein.“ Jörg Krämer von der Fondsgesellschaft Invesco pflichtete dieser Erklärung bei. Der starke Euro dämpfe auch die Binnennachfrage, weil er die Margen der Unternehmen schmälere und damit ihre Nachfrage nach Investitionsgütern.
Elga Bartsch von der Investmentbank Morgan Stanley warnte aber vor einer einseitigen Erklärung. Möglicherweise habe auch eine Rolle gespielt, daß sich das Wachstum in China verlangsame, das im letzten Jahr für die Hälfte des deutschen Exportwachstums verantwortlich gewesen sei. Scheuerle sagte, über den Euro-Effekt lasse sich trefflich streiten. Es könne aber durchaus sein, daß sich erste Bremswirkungen nun zeigten.
Zweifel an der weiteren Konjunkturentwicklung schürte auch der Rückgang der Inlands-Bestellungen von Investitionsgütern. „Diese Art von Investitionen sind entscheidend für eine Erholung in Deutschland", sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. Der Aufschwung müsse seine Stärke von der Binnenwirtschaft bekommen. Bartsch sprach bereits vom Ende des starken Industrie-Aufschwungs vom letzten Quartal 2003.
Starker Aufschwung nicht in Sicht
Einen starken Aufschwung im Jahresverlauf erwartet keiner der Analysten mehr. Elisabeth Andreae von der Commerzbank sagte, der Funke der anziehenden Weltkonjunktur sei offenbar noch nicht übergesprungen. Scheuerle ergänzte, zwar könne er sich in den nächsten Monaten einen weiteren Anstieg der Aufträge vorstellen. „Prinzipiell muß man sich aber darauf gefaßt machen, daß wir ab Jahresmitte wieder schwächere Zahlen sehen werden.“ Bartsch hält es für möglich, daß sich das Wirtschaftswachstum noch etwas beschleunigt, Wachstumsraten oberhalb der Trendrate seien aber nicht über Nacht zu erwarten, zumal sich auch die jüngsten Konjunktur-Umfragen unter den Unternehmen eingetrübt hätten.
So war der Ifo-Geschäftsklima-Index im Februar wegen vorsichtigerer Zukunftseinschätzungen der Betriebe erstmals seit Frühjahr 2003 gefallen. Der Reuters-Einkaufsmanager-Index hatte dagegen weiter eine Verbesserung der Industrie-Geschäfte signalisiert, allerdings bei einer gleichzeitigen Verlangsamung des Auftragswachstums.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.396,14 | +1,41% |
| Dow Jones | 12.569,10 | +0,92% |
| EUR/USD | 1,2541 | 0,00% |
| Rohöl Brent Crude | 107,55 $ | +0,27% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
Anonym bewerben? Ist das gut?