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Konjunktur Am Bau ziehen Wolken auf

25.10.2011 ·  Die Auftragslage reagiert sensibel auf die konjunkturellen Aussichten. Immerhin stützt die starke Wohnungsnachfrage das Geschäft im Inland.

Von Bernd Freytag
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So schnell wie die Erholung der deutschen Bauwirtschaft gekommen ist, so schnell könnte sie auch schon wieder vorbei sein. Derzeit mehrten sich die Signale, dass es in den nächsten Jahren wieder schwieriger werden könnte, sagte kürzlich Thomas Bauer, der neue Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie. Vor allem die Entwicklung im konjunktursensiblen Wirtschaftsbau sei schwierig zu kalkulieren.

Kein Wunder: Die Auftragslage am Bau ist erfahrungsgemäß eng mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung verknüpft. Auch wenn Deutschland im kommenden Jahr um eine Rezession herumkommen sollte, werden sich geringere Wachstumsraten früher oder später in der Bauwirtschaft bemerkbar machen. Eingetrübte Aussichten dämpfen die Investitionsbereitschaft der Industrieunternehmen ebenso wie die Bereitschaft privater Bauherren, Geld in Neu- oder Umbauten zu stecken. Hinzu kommt noch der Sparzwang der öffentlichen Hand, der durch einen Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen noch verschärft werden dürfte. Wohnbau, Gewerbebau und öffentlicher Bau repräsentieren jeweils grob ein Drittel der Umsätze im Bauhauptgewerbe. Die Unsicherheit wächst - und zwar in allen Bereichen.

Die Branche wirbt um die Maut für Personenwagen

Um wenigstens die staatlichen Investitionen in die Infrastruktur zu sichern, wirbt die Bauwirtschaft deshalb wieder verstärkt um „eigenständige, von der Haushaltslage unabhängige“ Finanzierungskreisläufe - vor allem um die Maut für Personenwagen. Im Ringen um eine Neufinanzierung des Straßenbaus ziehen CSU-Mitglied Bauer und CSU-Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer an einem Strang. Trotz öffentlicher Widerstände - der ADAC tut sich dabei besonders hervor - wächst auch die Zahl der Befürworter. Spätestens wenn die Schuldenbremse im Haushalt greift, dann, so hofft die Baubranche, könnte sich eine Mehrheit für die Maut finden lassen. In diesem Jahr dürfte es damit aber noch nicht klappen.

Ramsauer ringt derweil mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble um eine Verstetigung der Infrastrukturinvestitionen. Ziel ist es, den Etat für Investitionen des Bundes in Straßen, Schienen und Wasserwege nicht unter die Marke von 10 Milliarden Euro fallen zu lassen, sondern ungeachtet der Sparzwänge wieder aufzustocken. Im Haushaltsplan für 2012 stehen nach Angaben des Bauverbandes bis dato knapp 10 Milliarden Euro. Damit würde die Bauausgabenquote erstmals weniger als 2 Prozent des Bundeshaushalts ausmachen. Mit diesen Mitteln könne man den „Investitionsstau“ nicht lösen, sagt Bauer. „Wenn wir heute nicht investieren, werden die Straßen in 15 Jahren spürbar schlechter werden.“

Noch spüren die Betriebe eine robuste Nachfrage

Noch ist von Schuldenkrise und einem langsameren Wirtschaftswachstum in den Betrieben nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die Geschäfte laufen blendend. Vor allem die überraschend robuste Nachfrage nach Wohnungsneubauten hat der Branche seit Jahresanfang einen Aufschwung verschafft, den selbst Experten in dieser Größenordnung nicht erwartet hätten. Dafür gesorgt haben nicht zuletzt der Rückgang der Arbeitslosigkeit, die Aussicht auf höhere Einkommen, niedrige Zinsen und das wieder erwachte Interesse vieler Anleger am Wohneigentum. Zudem ist der noch im Frühjahr befürchtete Einbruch der kommunalen Bauausgaben nach dem Auslaufen der Konjunkturprogramme dank der unerwartet stark sprudelnden Gewerbesteuereinnahmen ausgeblieben. „Vor allem den kleineren und mittleren Bauunternehmen geht es derzeit richtig gut“, sagt Bauer.

Die Tristesse im Wohnungsbau, die eingesetzt hatte nach dem Wegfall der Eigenheimzulage, ist endgültig vorbei. Die Zahl der Neubaugenehmigungen ist zwar noch immer weit von den Höhen des Wiedervereinigungsaufschwungs entfernt. Dennoch geht es im laufenden Jahr spürbar bergauf. Die Zahl der Neubauten soll von 143.000 auf 170.000 steigen. Der Verband hat deshalb Anfang Oktober seine Umsatzprognose für das laufende Jahr erhöht und rechnet nun mit einem Anstieg der Umsätze im Bauhauptgewerbe um nominal 7 Prozent.

Der Abbau von Überkapazitäten ist ausgeblieben

Die Zahl der Beschäftigten im Bauhauptgewerbe soll um 2,5 Prozent auf 734.000 ebenfalls spürbar steigen. Von den Hochzeiten nach der deutschen Einheit, als noch rund doppelt so viele Menschen direkt auf dem Bau beschäftigt waren, ist die Branche inzwischen zwar weit entfernt. Einschließlich aller Baunebengewerke und den zahlreichen Ausbaugewerken beschäftigt die Bauwirtschaft aber noch immer rund 2,2 Millionen Menschen und ist damit nach wie vor einer der wichtigsten Arbeitgeber in Deutschland. Der befürchtete Aufbau von Überkapazitäten im Jahr der Konjunkturpakete ist jedenfalls ausgeblieben. Branchenvertreter Bauer geht sogar davon aus, dass auf lange Sicht wieder mehr Baukapazitäten in Deutschland gebraucht werden.

Während die Auftragseingänge im öffentlichen Bau schon rückläufig sind, wächst die Nachfrage nach Wohnungen und Gewerbebauten noch immer rasant. Allein im Wohnungsbau sind die Auftragseingänge im Jahresvergleich um fast ein Viertel gestiegen, im Wirtschaftsbau beträgt der Zuwachs noch immer 12 Prozent. Die wirtschaftliche Verfassung des verarbeitenden Gewerbes erscheint robust, die Auslastung der Kapazitäten liegt nach wie vor über dem langfristigen Mittel. Die Rahmenbedingungen für Erweiterungsinvestitionen sind also nach wie vor günstig. „Die robusten Auftragseingänge lassen uns hoffen, dass die Produktion bis zum Jahresende zumindest im Wohnungs- und Wirtschaftsbau gesichert ist“, sagte Bauer vor ein paar Tagen in Berlin.

Allerdings mehren sich die Zeichen, dass das Ende des Aufschwungs naht. Der vom Münchner Ifo-Institut berechnete Geschäftsklimaindex für die Bauwirtschaft ist im September erstmals seit längerer Zeit leicht gesunken. Die Unternehmen hätten zwar ihre Geschäftslage unverändert positiv bewertet. Die Erwartung der weiteren konjunkturellen Entwicklung auf dem Bau hätte sich aber „deutlich eingetrübt.“

Neben den konjunkturellen Unsicherheiten fürchtet die Branche in diesen Tagen besonders, dass sich der Widerstand gegen Großprojekte in weiten Teilen der Bevölkerung festigt. Eine vom Bauverband und dem Bundesverband der Deutschen Industrie in Auftrag gegebene Studie kommt zu dem Ergebnis, dass 68 Prozent der Bevölkerung selbst Verständnis für Proteste gegen Bauprojekte haben, die schon die ordentlichen Genehmigungsverfahren durchlaufen haben. Kaum weniger Menschen vertreten die Auffassung, dass Entscheidungen über Infrastrukturprojekte, die von der Mehrheit der Bürger abgelehnt werden, auch im Nachhinein korrigiert werden sollten.

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Jahrgang 1967, Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

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