16.06.2008 · Der deutschen Wirtschaft geht nach langem Aufschwung allmählich die Luft aus. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sowie die beiden Forschungsinstitute IW Köln und HWWI erwarten, dass sich das Wachstum im kommenden Jahr deutlich eintrübt.
Der deutschen Wirtschaft geht nach jahrelangem Aufschwung allmählich die Luft aus. Das Wachstum werde sich 2009 etwa halbieren, erwarten der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sowie die beiden Institute IW Köln und HWWI.
Das Wachstum wird nach Einschätzung des DIHK angesichts des starken Euro, steigender Preise sowie der weltweiten Finanzkrise 2009 nur noch zwischen 1,0 und 1,4 Prozent betragen. Dank des unerwartet starken ersten Quartals wurde die Prognose für das laufende Jahr zugleich von 2,0 auf 2,3 Prozent angehoben. Von Januar bis März hatte die Wirtschaft auch dank Sondereffekten wie dem milden Winter das stärkste Quartalswachstum seit rund 15 Jahren erzielt. „Der Aufschwung zeigt sich bislang erfreulich widerstandsfähig“, sagte Wansleben zur Umfrage seines Verbandes unter gut 20.000 Firmen. Diese bewerteten ihre Geschäftslage zum vierten Mal in Folge ungünstiger. Ihre Erwartungen trübten sich so stark ein wie seit vier Jahren nicht mehr.
„Bislang recht robust“
Auch das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) sieht schwächere Zeiten nahen. Zwar werde das Wachstum in diesem Jahr mit 2,5 Prozent genauso kräftig wachsen wie 2007, doch reiche es 2009 nur noch zu 1,3 Prozent. Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) erwartet dann sogar nur noch 1,1 Prozent nach 2,2 Prozent im laufenden Jahr. „Die deutsche Wirtschaft zeigte sich bislang recht robust gegenüber den dämpfenden Einflüssen seitens der internationalen Finanzkrise, der Eurostärke und der Energieverteuerung“, hieß es beim HWWI. Auf Dauer werde dies aber Bremsspuren hinterlassen.
Der DIHK-Umfrage zufolge wollen die Unternehmen weiter Mitarbeiter einstellen. Die Zahl der Erwerbstätigen steige in diesem Jahr um eine halbe Million. Gefahren gingen von der Politik aus, etwa durch Mindestlöhne oder steigende Sozialbeiträge.
Auch die Pläne der SPD für einen früheren Renteneinstieg lehnte DIHK-Hauptgeschäftsführer Wansleben ab. Beim DIHK wächst die Sorge davor, dass der Standort Deutschland durch steigende Lohnzusatzkosten oder übermäßige Lohnerhöhungen an Attraktivität verliert. Viele Firmen seien gewappnet, ins Ausland zu gehen. Der Spielraum für eine weitere Absenkung des Beitragssatzes zur Arbeitslosenversicherung auf unter drei Prozent sollte daher genutzt werden. Auch Steuersenkungen seien finanzierbar, sagte Wansleben.
Export schwächt sich ab
Der Export - lange Zeit wichtigste Konjunkturstütze - wird dem DIHK zufolge auch als Folge des starken Euro an Dynamik einbüßen. Die Finanzkrise habe zwar nicht zur gefürchteten Kreditklemme geführt. Doch wirke sie sich auf wichtige Exportmärkte wie Großbritannien, Spanien, Italien und Asien. dämpfend aus. Der private Konsum könne diese Lücke nicht schließen. „Die gestiegene Inflation verhindert hier größere Sprünge“, sagte IW-Konjunkturchef Michael Grömling.
In der Umfrage beurteilten im Frühsommer 38 (Jahresbeginn 42) Prozent der Firmen ihre Lage als gut, 48 (46) Prozent als befriedigend und 14 (zwölf) Prozent als schlecht. Gefragt nach den Erwartungen sprachen 23 (26) Prozent von einem besseren Geschäft, 60 (58) Prozent erwarten ein gleichbleibendes und 17 (16) Prozent ein schlechteres Geschäft.