28.01.2010 · Der Microsoft-Gründer entdeckt Twitter, überwindet seine Aversion gegen Facebook und startet eine eigene Internetseite - zum Wohle der „Bill & Melinda Gates“- Stiftung.
Von Roland LindnerAls reichster Mensch der Welt kann man es sich schon einmal erlauben, Schwächen zuzugeben, was moderne Instrumente der Kommunikation betrifft. Bei Bill Gates, dem Mitgründer des weltgrößten Softwarekonzerns Microsoft und einem Pionier der Technologiebranche, ist freilich jegliches Eingeständnis von Unbedarftheit bemerkenswert. Gates hat in der vergangenen Woche damit angefangen, den Mikroblogdienst Twitter zu nutzen, und in einem seiner ersten Einträge bekannte er: „Ich muss noch viel über Twitter lernen.“ In einem Fernsehinterview sagte Gates dann, er wolle künftig verstärkt Twitter für Botschaften nutzen, die er bislang als E-Mail verschickt hat. Gates hat in kürzester Zeit mehrere hunderttausend „Follower“ in der Twitter-Gemeinde gewonnen, die sich seine Einträge auf ihre Seite senden lassen. Er selbst folgt bislang nur 42 Twitterern und hat sich dabei eine bunte Mischung ausgesucht: Die offiziellen Twitter-Seiten des Weißen Hauses und der „New York Times“ sind ebenso darunter wie Teenie-Star Ashley Tisdale und der Schauspieler Ashton Kutcher.
Der Einstieg bei Twitter ist nur ein Teil einer großen Kommunikationsoffensive von Bill Gates: Er hat die Internetseite „The Gates Notes“ gestartet, auf der er seine Gedanken über das Weltgeschehen verbreitet, und er hat gerade einen ausführlichen Brief über die Aktivitäten der von ihm und seiner Frau gegründeten wohltätigen Stiftung „Bill & Melinda Gates Foundation“ veröffentlicht. Nebenbei hat er auch seine Mitgliedschaft in der Online-Gemeinde Facebook reaktiviert. Seit Bill Gates sich vor gut eineinhalb Jahren bei Microsoft zurückgezogen hat, war er in der Öffentlichkeit nicht mehr so präsent wie im Moment.
Der 54 Jahre alte Gates ist bei Microsoft noch immer als Verwaltungsratsvorsitzender (Chairman) eingebunden, ist aber nicht mehr im Tagesgeschäft aktiv. Stattdessen konzentriert er sich auf die „Bill & Melinda Gates Foundation“, die er zur größten Privatstiftung der Welt gemacht hat. Die Stiftung hatte zuletzt ein Vermögen von mehr als 34 Milliarden Dollar, sie setzt sich für die Bekämpfung von Krankheiten wie Malaria, Tuberkulose und Aids in Entwicklungsländern und die Ausbildung von unterprivilegierten Kindern in Amerika ein.
„Ich liebe meinen neuen Job“
In seinem Stiftungsbrief, den er jedes Jahr herausgeben will, sagt Gates nun: „Ich liebe meinen neuen Job, und ich schätze mich glücklich, meine Zeit auf diese Probleme fokussieren zu können.“ Gates erzählt begeistert von seinen Reisen in Länder wie Indien und Kenia. Er erklärt die Philosophie seiner Stiftung, der es nicht darum gehe, einfach Geld zu verteilen. Der Schlüssel zum Lösen von Problemen liege vielmehr in Innovationen. Gates sieht es als zentrale Aufgabe der Stiftung, in Innovationen zu investieren, die sonst nicht gefördert würden. Er nennt Impfstoffe gegen Malaria und dürreresistentes Saatgut als Beispiele für Projekte, die von der Stiftung unterstützt werden. Gates appelliert auch an die Regierungen reicher Länder wie beispielsweise Italien, mehr Geld in Forschung und Entwicklung zu investieren.
Als Ergänzung zum Stiftungsbrief hat Gates seine Internetseite gestartet. Auf www.thegatesnotes.com schreibt er über Themen, die mit der Stiftung zu tun haben. Dabei schreibt er unter dem Titel „Was mir durch den Kopf geht“ auch über seine Gedanken zu aktuellen Ereignissen wie dem Erdbeben in Haiti oder Ansichten, wie die Welt besser auf Pandemien wie die Schweinegrippe reagieren kann.
Obwohl Bill Gates sich nun mit Begeisterung in die Twitterwelt stürzt, hat er doch mit sozialen Netzwerken nicht nur gute Erfahrungen gemacht. So hat er sich bei Facebook frustriert zurückgezogen, obwohl Microsoft hier zu den Investoren gehört. Gates beklagte, dass zu viele Nutzer zu seinen Facebook-Freunden werden wollten. Dabei sei es ihm zu mühsam geworden, herauszufiltern, welche von ihnen er tatsächlich kannte und welche nicht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.396,14 | +1,41% |
| Dow Jones | 12.569,10 | +0,92% |
| EUR/USD | 1,2541 | 0,00% |
| Rohöl Brent Crude | 107,55 $ | +0,27% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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