Home
http://www.faz.net/-gqe-13oww
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Samstag, 11. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar zum G-20-Gipfel Prinzip Haftung

26.09.2009 ·  Einer Illusion sollten sich weder die G20 noch deren Bürger hingeben: dass eine neue Finanzarchitektur einen vollständigen Schutz vor künftigen Krisen biete. Doch die nächste Krise trifft auf eine Weltwirtschaft, die durch die Reformen widerstandsfähiger geworden sein wird.

Von Claus Tigges, Pittsburgh
Artikel Lesermeinungen (3)

Das neue Regelwerk für das globale Finanzsystem nimmt Gestalt an. Nach den Beschlüssen der G20 von Pittsburgh ist klar: Die Akteure an den Finanzmärkten werden fortan nicht mehr so ungehindert walten können wie vor der Krise. Staatliche Aufseher werden ihnen auf die Finger schauen, sei es beim Handel mit komplizierten Finanzprodukten oder auch bei der Festlegung von lukrativen Bonuszahlungen.

Neue Vergütungsstrukturen in den Banken führen dazu, dass nicht länger kurzfristige Gewinne belohnt, Verluste aus riskanten Geschäften aber nicht bestraft werden. So besteht die Chance, symmetrische Anreize zu setzen und zu verhindern, dass übermäßige Risiken eingegangen werden. Das ist nicht nur populär, weil die Selbstbedienungsmentalität vieler Banker die Menschen zu Recht auf die Palme gebracht hat; es ist auch ökonomisch vernünftig. Es darf in diesem Zusammenhang freilich nicht nur um die Spitzenmanager der Zunft gehen, deren Millionenboni oft die Schlagzeilen beherrschen. Auch Kreditsachbearbeiter vor Ort dürfen durch den Ausblick auf eine hohe variable Vergütung nicht länger dazu verleitet werden, allzu riskante Darlehen zu vergeben.

Krisen können auf vielfältige Weise entstehen

Manch einer hätte es sicher gern gesehen, hätte sich der französische Staatspräsident Sarkozy mit seiner Forderung durchgesetzt, Managergehälter in der Finanzwelt auch in ihrer absoluten Höhe zu begrenzen. Doch ebenso wie Mindestlöhne ökonomischer Unfug sind, wäre es auch eine staatliche Preiskontrolle am oberen Ende der Einkommensskala. Sinnvoller erscheint hier der Weg, den die Amerikaner auf nationaler Ebene einschlagen, indem sie das Mitspracherecht der Aktionäre in Vergütungssachen stärken wollen. In der Vergangenheit wurde zu oft, das ist zumindest der Eindruck, zwischen dem "compensation committee" und dem Management gekungelt.

Freilich hat auch die G20 verstanden, dass die Stabilität des Finanzsystems nicht nur an den Bankerboni hängt. Nicht ohne Tücken ist dabei die Suche nach einem Mechanismus, wie systemrelevante Banken und andere bedeutende Marktakteure im Krisenfall zerschlagen und abgewickelt werden können, ohne das gesamte Finanzsystem ins Wanken zu bringen. Wichtig ist dabei, dass weder Aktionäre noch Gläubiger auf Kosten der Steuerzahler vor schmerzvollen Verlusten bewahrt werden dürfen. Denn sonst entsteht genau das, was verhindert werden soll und was im Jargon der Ökonomen als "moral hazard" bezeichnet wird: ein Anreiz zu unvorsichtigem und riskantem Verhalten in der Gewissheit, im Notfall auf die Hilfe des Staates setzen zu können. Hierauf wird zu achten sein, wenn mögliche Änderungen im Insolvenzrecht zur Entwicklung eines solchen Zerschlagungsmechanismus geprüft werden.

Einer Illusion sollten sich weder die G20 noch deren Bürger hingeben: dass eine neue Finanzarchitektur einen vollständigen Schutz vor künftigen Krisen biete. Es ist wichtig und richtig, aus der aktuellen Misere zu lernen und Vorkehrungen zu treffen, dass es sich so nicht wiederholen kann. Genau das aber ist der Punkt. Krisen können auf vielfältige Weise entstehen. Die Finanzkrisen, die Mitte und Ende der neunziger Jahre Lateinamerika, Asien und Osteuropa erschütterten, hatten einen ganz anderen Ursprung als jene Rezession, in die die Weltwirtschaft durch das Zerplatzen der Blase auf dem amerikanischen Häusermarkt gestürzt wurde. Immerhin besteht die Hoffnung, dass die nächste Krise auf eine Weltwirtschaft trifft, die durch die nun auf den Weg gebrachten Reformen widerstandsfähiger geworden sein wird.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Einknicken der Euro-Retter

Von Holger Steltzner

Das Leben auf Pump geht weiter: Der Süden druckt einfach das Geld, das er für Rechnungen braucht. Warum soll sich Griechenland ändern, wenn es doch immer wieder neue Kredite gibt? Mehr 24 106

10.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.692,96 −1,41%
 OK
10.02.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.692,96 −1,41%
FAZ-INDEX 1.495,13 −1,32%
TecDAX 769,89 −0,43%
MDAX 10.249,10 −1,04%
SDAX 4.985,13 −0,71%
REX 421,06 −0,02%
Eurostoxx 50 2.480,76 −1,65%
F.A.Z. EURO INDEX 80,01 −1,60%
Dow Jones 12.801,20 −0,69%
Nasdaq 100 2.547,32 −0,65%
S&P500 1.342,64 −0,69%
Nikkei225 8.947,17 −0,61%
EUR/USD 1,3195 −0,67%
Rohöl Brent Crude 117,61 $ −0,91%
Gold 1.711,50 $ −2,09%
Bund Future 138,62 € +1,01%