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Veröffentlicht: 16.09.2011, 14:44 Uhr

Kommentar zu Landesbanken Und sie bewegen sich doch

BBW, Nord LB, Helaba: Die Bündelung der Landesbanken kommt voran. In Frankfurt entsteht ein Spitzeninstitut, das auf alle Sparkassen anziehend wirken wird.

von
© Irl, Maria Hier entsteht ein Spitzeninstitut: Rechts die Zentrale der Hessischen Landesbank

Die Neuordnung der Landesbanken steht vor einem entscheidenden Schritt. Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) will bis Ende Oktober entscheiden, ob sie einen kleinen Teil der West LB übernimmt. Die Sparkassen in Nordrhein-Westfalen würden sich im Gegenzug an der Helaba beteiligen. Damit entstünde eine Landesbank am Finanzplatz Frankfurt, die mit fast 40 Prozent aller deutschen Sparkassen zusammen arbeitet.

Hanno Mußler Folgen:

In den vergangenen Jahrzehnten sind viele Fusionen von Landesbanken angekündigt worden. Die Zusammenschlüsse scheiterten aber meistens. In der Finanzkrise war der von kommunalen Sparkassen und Bundesländern getragene Landesbankensektor neben Immobilienbanken die größte Schwachstelle im deutschen Bankensystem. Auch ohne Fusionen waren viele Landesbanken so groß geworden, dass sie in Zeiten knapper Liquidität und hohen Abschreibungsbedarfs kaum mehr lebensfähig waren.

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Als erste Landesbank geriet im Herbst 2007 die Sachsen LB in Schieflage. Sie wurde von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) übernommen, ebenso wie später die Landesbank Rheinland-Pfalz. Die LBBW trägt schwer an diesen Sanierungsfällen. Weil sie zu den Banken gehört, die ohne Hilfen ihrer Träger wohl nicht überlebt hätte, muss die LBBW auf Verlangen der EU-Kommission schrumpfen. Deshalb ist die LBBW nicht fusionsbereit. Sie muss zusehen, wenn die bisher in ihrem Schatten stehende Helaba mit der Übernahme eines Teils der West LB an ihr vorbei zieht – nicht gemessen an Größe, aber an Bedeutung für die Sparkassen.

Die Bayern LB spielt für die Sparkassengruppe keine Rolle mehr. Denn die in der Finanzkrise nötige Kapitalerhöhung um 10 Milliarden Euro hat allein der Freistaat Bayern gestemmt. Der Anteil der bayerischen Sparkassen an der Bayern LB verwässerte daraufhin von 50 auf unbedeutende 5 Prozent. Seit Frühjahr 2009 ist die Bayern LB in zähen Verhandlungen mit der EU-Kommission. Das Schicksal der HSH Nordbank, die ein Drittel ihrer Mitarbeiter abbauen muss, ist für München ein Menetekel. HSH Nordbank und Bayern LB gehören zu den Landesbanken, die es ohne Einlagen von Sparkassen und Privatkunden schwer haben werden. Ihnen fehlt ein tragfähiges Geschäftsmodell.

Bleibt die Nord LB. Auch sie ist wie die Helaba ohne Hilfen ihrer Träger durch die Finanzkrise gekommen. Aber nun braucht die Nord LB wegen schärferer aufsichtsrechtlicher Eigenkapitalregeln eine Kapitalerhöhung, die allein von Niedersachsen aufgebracht wird. Damit halten die Bundesländer Niedersachsen und Sachsen-Anhalt künftig die Mehrheit. Die norddeutschen Sparkassen, denen die Hälfte gehörte, geraten als Eigner der Nord LB in die Minderheit. Auch bei der Helaba werden die hessischen und thüringischen Sparkassen etwas von ihrem 85-Prozent-Anteil verlieren. Denn das Land Hessen will stille Einlagen in stärker haftendes Eigenkapital umwandeln. Im Gegenzug wird Hessen wohl mehr Stimmrechte bekommen. Falls aber die nordrhein-westfälischen Sparkassen einen Teil der West LB als Kapitalerhöhung in die Helaba einbringen, wird sich Hessens Quote von 10 Prozent nicht stark erhöhen und die Sparkassen insgesamt die Mehrheit behalten.

Noch gibt es acht Landesbanken. Lange gab es keine Bewegung hin zur Bündelung, obwohl fehlende Geschäftsmodelle offensichtlich waren. Aber die Finanzkrise und die schärferen Eigenkapitalregeln führen nun zu deutlichen Veränderungen. Treibende Kraft dahinter ist die EU-Kommission. Sie setzt eine überfällige Verkleinerung der Landesbanken durch, die Ministerpräsidenten wegen wegfallender Arbeitsplätze jahrelang scheuten.

Schillerndstes Beispiel ist die West LB. Die einst größte Landesbank musste erst schrumpfen. Als sie dennoch wieder in Not geriet und weiterer staatlicher Hilfe bedurfte, setzte Brüssel den Verkauf durch. Weil die West LB für Käufer noch immer ein zu großer Brocken ist, wird sie nun zerlegt. Die Helaba ist dabei, sich den risikoärmsten Happen einzuverleiben. Der größte und riskanteste landet beim Land Nordrhein-Westfalen.

Mit dem überfälligen Ende der alten West LB könnte auch die manchmal angesichts der vielen gescheiterten Versuche unendlich erscheinende Geschichte von der Bündelung von Landesbanken einem Ende deutlich näher kommen. Für die Sparkassen zumindest wäre ein Zusammenschluss von Helaba und West LB eine gute Lösung. Die Helaba bekommt traditionell gute Noten für die Zusammenarbeit mit den Sparkassen. Sie wird vorsichtig und risikoarm geführt. Ihre Bilanzsumme und damit ihre Risiken kletterten mit der Teilübernahme der West LB zwar um 25 Prozent. Aber dies ist viel weniger, als es bei früheren Vollfusionsvorhaben der Fall gewesen wäre. Außerdem würden sich die hessisch-thüringischen Sparkassen die Risiken künftig mit den Sparkassen in Nordrhein-Westfalen teilen.

Kurzum: LBBW und Nord LB bleiben Konkurrenten. Doch falls die Helaba jetzt den Schritt nach Nordrhein-Westfalen macht, führt an ihr kein Weg mehr vorbei, wenn es zu weiteren Fusionen unter Landesbanken kommt. In Frankfurt entsteht ein Spitzeninstitut, das auf alle deutschen Sparkassen anziehend wirken wird.

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