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Kommentar Weniger Staat für EADS

 ·  Täglich kursieren Gedankenspiele, wie sich bei einer Fusion der Rüstungskonzerne EADS und BAE Systems der Einfluss des französischen und auch des deutschen Staats steigern lässt. Das ist der falsche Weg. Die Staaten sollten sich zurückziehen.

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Die politische Debatte über das Für und Wider einer Fusion zwischen dem Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und dem britischen Rüstungshersteller BAE Systems nimmt inzwischen bizarre Züge an. Täglich kursieren Gedankenspiele, wie sich in dem neuen Verbund der Einfluss des französischen EADS-Anteilseigners weiter vergrößern lässt und - falls dies gelingen sollte - auch noch Deutschland als neuer Staatsaktionär dort mit einsteigen kann. Das aber ist der völlig falsche Weg. Tatsächlich sollten sich die Staaten zurückziehen.

Je heftiger zudem das Gerangel zwischen Berlin und Paris um mehr Einfluss ausfällt, um so mehr geraten die strategischen Vorteile der geplanten Fusion für die mehr als 220.000 Beschäftigten aus dem Blick. Der Pakt zwischen der auf Airbus konzentrierten EADS-Gruppe und dem reinrassigen Rüstungshersteller BAE ist betriebswirtschaftlich sinnvoll. Aus europäischer Sicht wird mit Nordamerika ein zukunftsträchtiger Markt erschlossen. Gleichzeitig schaffen die unterschiedlichen Zyklen für das zivile und militärische Geschäft einen internen Ausgleich.

Der Masterplan für ein neues, paneuropäisches Schwergewicht reifte zudem vor dem Hintergrund, dass in Europa die Rüstungsetats schrumpfen und sich im Gegenzug weitere Zukunftsmärkte für den zivilen und militärischen Sektor im Nahen Osten sowie in Asien auftun. Der Rivale Boeing, der mit Airbus und dem britischen Rüstungshersteller seit Jahren konkurriert, hat auf diesen Umbruch im Kerngeschäft längst reagiert: Der Umsatzanteil seiner Waffenverkäufe außerhalb der amerikanischen Heimat verdreifachte sich binnen drei Jahren auf 25 Prozent. Er soll in den nächsten drei Jahren auf rund 30 Prozent wachsen.

Eine Chance auf weniger Staat

Für die Zunahme an unkalkulierbaren Risiken im europäischen Rüstungsgeschäft hatten in jüngster Zeit ebenfalls die Politiker in Berlin oder Paris gesorgt. Die Folgen der Staatsschuldenkrise führten dabei nicht nur zur zum Rückzug bei künftigen Militärprojekten, sondern auch zu nachträglichen Abstrichen bei vertraglich besiegelten Beschaffungsvorhaben, die zu hohen Kosten für die Hersteller führen.

Der Aufbruch zu neuen Märkten außerhalb Europas birgt zwar die Gefahr, dass die Zahl an politisch fragwürdigen Exportgeschäften steigen und in prekären Fällen zur Chefsache der Politiker wird. Doch der Anspruch auf die Mitsprache eines staatlichen Aktionärs ist damit nicht zu rechtfertigen. Die Fusion mit BAE bietet die Chance auf weniger Staat im EADS-Konzern. Man sollte sie nutzen.

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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft.

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