16.11.2011 · Die Schwäche des chinesischen Finanzsystems ist zwar nicht neu. Aber es wird immer deutlicher, dass sich der Segen der Krisenbekämpfung, von dem die ganze Welt profitiert hat, als Fluch herausstellen könnte.
Von Christian GeinitzKippt jetzt auch China? Die Befunde des IWF über die Schwäche des Finanzsystems sind zwar nicht neu. In dieser Eindringlichkeit hat sie aber bisher keine internationale Institution vorgelegt. Es wird immer deutlicher, dass sich der Segen der Krisenbekämpfung, von dem die ganze Welt profitiert hat, als Fluch herausstellen könnte. Die lockere Geldpolitik und die exorbitante Darlehensvergabe zur Anregung der Konjunktur haben nicht nur die Inflation in die Höhe getrieben, sondern bringen auch die Finanzinstitute in Gefahr: Ihre Kredite und Vermögenswerte stehen auf dem Spiel, insbesondere die Engagements im spekulativ aufgeblähten Immobilienmarkt.
Besonders brenzlig wird die Lage dadurch, dass die Instabilität die Wachstumsaussichten belastet. Ohne schnelle Reform des Finanzsektors scheint die überfällige Umstellung der Wirtschaft auf die Binnennachfrage und neue Wachstumsindustrien gefährdet. Doch man sollte die Kirche im Dorf lassen. Weil der Staat das Finanzsystem dominiert, dürfte es weich fallen. Gleich ob die Kommunen insolvent werden oder die Staatsbanken: Die Zentralregierung paukt sie raus. Im Gegensatz zu Amerika oder der EU kann sich China das leisten. Noch.
Christian Geinitz Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Peking.
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