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Kommentar Vatikanbank, Irish Bank und noch mehr Halunken

Moralisieren nützt nicht viel. Besser ist es, pfiffig zu regulieren. Deshalb gehören Banken, die kein Geschäftsmodell haben, schleunigst dichtgemacht. Das gilt auch für die Vatikanbank.

© dpa Vergrößern Wird die Vatikanbank bald dichtgemacht?

Was hat die (inzwischen liquidierte) Anglo-Irish Bank mit der (immer noch existierenden) Vatikanbank gemein? Erste Antwort: In beiden Banken arbeiten Halunken. Zweite Antwort: In beiden Banken arbeiten Katholiken und mit denen ist - frei nach Hegel - kein Staat zu machen und erst recht keine Bank. Dritte, sehr spekulative Antwort: Auch die Vatikanbank wird es nicht mehr lange geben. Und das ist auch gut so.

Rainer Hank Folgen:  

Fangen wir mit dem Vatikan an. Da wurde am vergangenen Freitag Nunzio Scarano, ein Prälat der vatikanischen Vermögensverwaltung Apsa (mit Liegenschaften in Londons teuersten Lagen), verhaftet, weil man ihm vorwirft, er habe einen Geheimagenten damit beauftragt, 20 Millionen Euro Schwarzgeld von der Schweiz nach Italien zu schmuggeln. Das Geld sollte, vorbei an Zoll und Fiskus, mit einem Privatflugzeug an einen befreundeten Reeder in Salerno transferiert werden.

Die Geschichte, die auch von Dan Brown nicht hätte besser ausgedacht werden können, bringt einmal mehr die vatikanischen Geldgeschäfte ins kriminelle Zwielicht: neben Apsa gibt es die Bank mit dem schönen Namen IOR „Istituto per le Opere di Religione“, im Volksmund Vatikanbank, wo seit langem der Verdacht besteht, unter dem Deckmantel barmherziger Schenkungen werde hier Geld in großem Stil weiß gewaschen. Prälat Scarana jedenfalls, ein ehemaliger Angestellter der Deutschen Bank, der spät seine Berufung zum Priesteramt entdeckte, passt bestens ins Bild: Sie nennen den geistlichen Herrn „Monsignore 500“, weil er immer mit Fünfhundert-Euro-Scheinen herumfuchtelt. Mitten im teuren Rom soll ihm eine Luxuswohnung mit feinster Kunst gehören; außerdem ist Monsignore Mehrheitseigner eines Bauunternehmens. So etwas hatte auch die Renaissance nicht alle Tage zu bieten.

Moralisieren nützt nicht viel

Deftiges und Zotiges unter Bankern haben auch die Iren zu bieten. Dort wurden dieser Tage von der Zeitung „The Irish Independent“ Mitschnitte interner Telefongespräche veröffentlicht, die im September 2008 unter Managern der Anglo-Irish Bank geführt wurden. Die Bank bescherte dem Staat im Zuge der Finanzkrise einen Verlust von fast 50 Milliarden Euro, weshalb Irland in Folge unter den Milliardenschirm von EU, EZB und IWF schlüpfte. Die Protokolle geben deutlich zu erkennen, wie perfide die Banker mit dem Geld der Steuerzahler kalkulierten. „Die Strategie ist, dass du sie rein ziehst und dazu bringst, einen großen Scheck auszustellen, dann müssen sie dabeibleiben, um ihr Geld zu schützen“, erklärt ein Manager aus der Führungsriege der Bank. Noch nie wurde so schamlos zugegeben, wie Banker ihre Insolvenz in der Krise als Liquiditätsengpass kaschiert haben und die Solidarität der Steuerzahler mit der Angst vor dem Dominoeffekt erpresst wurde.

Und die Moral von beiden Geschichten? Moralisieren erleichtert die Seele des zornigen Bürgers, nützt ansonsten aber nicht viel. Es ist in vielen Jahrhunderten den besten Moralisten nicht gelungen, die Schlechtigkeit der Menschen abzuschaffen, da nützt auch der dreiundzwanzigste „Kulturwandel“ nichts. Besser wäre es, die Banken so zu regulieren, dass auch Halunken dort wenig anrichten können. Vorschläge gibt es genügend. Die triftigsten empfehlen eine radikale Erhöhung des Eigenkapitals: Das dämpft die Risikofreude und schont im Ernstfall das Geld der Steuerzahler.

Banken aber, die kein Geschäftsmodell haben, soll man schleunigst dicht machen. Das gilt auch für die Vatikanbank (es sei denn die katholische Kirche deklariert Schwarzgeldgeschäfte als erwünschte Einnahmequelle in Zeiten schrumpfender Kirchensteuererträge). Der Heilige Stuhl braucht keine Bataillone. Er braucht auch keine Bank: Unicredit oder Deutsche Bank stehen gewiss bereit, wenn der Papst und seine Kardinäle ein Konto wollen und eröffnen hinter den Vatikanischen Gärten eine kleine Filiale. „Entweltlichung“ heißt der Auftrag des letzten Papstes an seinen Nachfolger.

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Quelle: F.A.S.

 
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