06.05.2010 · EZB-Präsident Trichet galt in den vergangenen Tagen als ein Mann, der sein Format verliert. Nach der EZB-Ratssitzung in Lissabon ist er zum Angriff übergegangen. Doch nach wie vor gilt: Trichet wird an seinen Taten, nicht seinen Worten gemessen.
Von Gerald BraunbergerJean-Claude Trichet hatte erkennbar genug davon, als ein Mann bezeichnet zu werden, der in der aktuellen Krise das Format verliert. Nach seinem konfusen Auftritt auf der Pressekonferenz vor zwei Wochen und der höchst umstrittenen Entscheidung der EZB, griechische Staatsanleihen auch auf Ramschniveau als Pfand zu akzeptieren, hatten sich kritische Äußerungen in den Medien über den Franzosen gehäuft. Lange habe die EZB in der Krise gut ausgesehen, nun aber verliere sie die Kontrolle, hieß es.
Auf der aktuellen Pressekonferenz in Lissabon beschloss Trichet, zum Gegenangriff überzugehen, indem er auf die Verantwortung der Regierungen für die gegenwärtige Lage hinwies. Mit anderen Worten: Die aktuelle Krise ist vor allem eine Staatsschuldenkrise und weniger eine Währungskrise, zumal die EZB die Inflationsrate historisch niedrig hält.
Damit hat Trichet zwar recht, aber die EZB wird auch in Zukunft an ihren Taten gemessen werden, zum Beispiel in der Frage des direkten Ankaufs von Staatsanleihen. Trichets Äußerung, der Rat habe darüber nicht gesprochen, schließt nicht aus, dass die EZB in wenigen Wochen den Ankauf doch zulässt, falls sich die Krise verschärft. Es bleibt spannend.
Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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