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Kommentar Teure mobile Datenwelt

14.02.2005 ·  An diesem Montag beginnt die Mobilfunkmesse in Cannes. Die Branche wächst weiter überdurchschnittlich, dennoch sind die Unternehmen aus gutem Grund auf der Suche nach neuen Umsatzquellen.

Von Johannes Winkelhage
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Die Mobilfunkbranche wächst weiter überdurchschnittlich. Dennoch sind die Unternehmen aus gutem Grund auf der Suche nach neuen Umsatzquellen. Die Preise für die mobile Sprachübertragung sinken kontinuierlich und werden sich denen im Festnetz über kurz oder lang angleichen. In Deutschland stehen neue Wettbewerber in den Startlöchern und werden wahrscheinlich in den nächsten Monaten mit eigenen Angeboten in den Mobilfunkmarkt eintreten. Sie kaufen dafür Netzkapazität von bisherigen Anbietern ein und vermarkten diese auf eigene Rechnung. Schon jetzt ist abzusehen, daß dies den Preiskampf anheizen wird.

Die mobile Sprachübertragung wird zum Allerweltsprodukt. Das bisher vom Verbraucher gezahlte Premium für Gespräche unterwegs und damit die Marge der Netzbetreiber schmelzen zusammen. Allerdings liegt in dieser Entwicklung auch eine Chance für die Mobilfunkbetreiber: Sie könnten dem Festnetz Konkurrenz machen und das Minutenvolumen in ihren Netzen deutlich erhöhen.

Mobile Datendienste sind bisher ein großer Flop

Wachstum versprechen sich die Anbieter aber vor allem von den mobilen Datendiensten, die entsprechend offensiv während der internationalen Mobilfunkmesse, die an diesem Montag in Cannes beginnt, präsentiert werden. Leider fragen sich bei diesem Schlagwort viele Verbraucher nicht zu Unrecht, was denn eigentlich damit gemeint sein soll. Im Kern geht es um den Zugriff auf das Internet, auf Information und Unterhaltung sowie persönliche Datenkommunikation wie E-Mail mit mobilen Geräten. Musik zum Herunterladen, aktuelle Nachrichten, die Wettervorhersage und Navigationsangebote mit Staupilot sind einige der Ideen, die den Branchenvertretern dabei vorschweben. Inzwischen gehören auch mobil vernetzte Spielwelten dazu. Ganz zu schweigen von der Videotelefonie, die sich zu einem Lieblingsbeispiel in den Werbespots für den Mobilfunk entwickelt hat.

Die Hoffnung auf deutlich mehr Umsatz durch die mobilen Datendienste ist allerdings nicht besonders neu. Leider. Schon vor der Versteigerung der UMTS-Lizenzen war sie präsent. Die Versteigerung ist jetzt aber fast fünf Jahre her, und die Mobilfunkanbieter müssen sich eingestehen, daß bisher nicht viel passiert ist. Um es klar zu sagen: Die mobilen Datendienste sind bisher ein großer Flop. Ihre Einführung wurde gründlich vermasselt.

Die Unternehmen haben viele Chancen verpaßt

Der normale Kunde nutzt die heute verfügbaren Angebote nur in homöopathischen Dosen und kann den mobilen Portalen der Netzbetreiber offenbar nicht viel abgewinnen. Einzige Ausnahme sind die Geschäftskunden, die der schnellen Datenübertragung positiver gegenüberstehen. Der für die Unternehmen wichtige Massenmarkt aber zeigt sich bockig. Außer dem Versand von 20 Milliarden Kurznachrichten (SMS) im Jahr allein in Deutschland und dem Herunterladen von Klingeltönen auf das Handy kommen die mobilen Dienste nicht recht in Schwung.

Nun mag man dieser Kritik entgegensetzen, daß UMTS erst im vergangenen Weihnachtsgeschäft eine größere Rolle gespielt hat und es Zeit braucht, bis der Nutzer sich an die Dienste gewöhnt. Vielfach wird von den Mobilfunkmanagern daher das Bild vom Marathon bemüht, um die bisher magere Nutzung der Dienste zu erklären. Das ist sicher ein Teil der Wahrheit. Allerdings nur ein kleiner. Die Unternehmen haben während der Einführung der Vorgängertechnologien von UMTS schon ein gutes Stück der Marathonstrecke zurückgelegt und viele Chancen verpaßt. Sie müssen langsam zusehen, daß ihnen nicht die Puste ausgeht, bevor das Ziel auch nur in Sichtweite gelangt ist.

Schreck beim Blick auf die Mobilfunkrechnung

Das Grundproblem läßt sich in zwei einfachen Dimensionen beschreiben. Zum einen ist die Nutzung der Dienste für den normalen Kunden heute zu teuer. Auf der anderen Seite - und das ist bitter - sind die Dienste offenbar nicht attraktiv genug, um eine medienverwöhnte Massenkundschaft zu begeistern. Was bei Ingenieuren in den Entwicklungslabors Begeisterung auslöst, funktioniert noch lange nicht auf dem Schulhof. Nicht von ungefähr berichten die Unternehmen immer wieder stolz von den Neuanmeldungen in ihren mobilen Portalen - die die Kunden nichts kosten. Bei Fragen nach dem Abruf der darin angebotenen Dienste und Inhalte schweigen sie sich aber weitgehend aus.

Die Konsequenz daraus kann auf der einen Seite nur sein, die Preise für die Nutzung der Dienste deutlich zu senken. Erst wenn der Kunde, der seine E-Mails mit dem Handy abgerufen hat, beim Blick auf seine Mobilfunkrechnung keinen Schreck mehr bekommt, gibt es Hoffnung auf eine stärkere Nutzung. Auch aus den Mobilfunkunternehmen selber ist zu hören, daß intern ein heftiger Streit über die derzeitigen Datentarife tobt. Die bisher dominante Fraktion setzt auf Premiumpreise, um die Investitionen schnell wieder zu erwirtschaften, das andere Lager ahnt, daß der Zugang zum Massenmarkt ohne eine für den Privatkunden akzeptable Tarifstruktur versperrt bleiben wird. Eine Preissenkung allein aber wird noch keinen Nachfragesturm auslösen. Sie räumt nur ein wichtiges Hindernis aus dem Weg.

Zusammenspiel von Preisen und Inhalten

Im zweiten Schritt müssen die Mobilfunkbetreiber die Inhalte attraktiver gestalten. Die Bandbreite der Angebote muß deutlich ausgeweitet werden. An diesem Punkt aber ist inzwischen Bewegung im Markt erkennbar. Den meisten Netzbetreibern dämmert, daß sie die Inhalte nicht im Alleingang erstellen und verwalten können. Sie verbünden sich mit Inhalteanbietern, partizipieren nur zu einem kleinen Teil an den Einnahmen durch diese Inhalte und konzentrieren sich bei ihren Umsatzerwartungen vor allem auf die Entgelte für den Transport der Daten - ein Konzept, das der japanische Dienst I-Mode und dessen deutscher Anbieter E-Plus schon länger verfolgen; in Japan auf Grund der anderen Preisstruktur deutlich erfolgreicher als in Deutschland.

Erst im Zusammenspiel von niedrigeren Preisen und attraktiveren Inhalten haben die mobilen Datendienste die Chance, die in sie gesetzten Umsatzerwartungen zu erfüllen. Dann klappt es auch mit dem Wachstum.

Quelle: F.A.Z., 14.02.2005, Nr. 37 / Seite 11
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