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Kommentar Saure Milch-Bauern

02.06.2008 ·  Es gibt zu viel Milch, deshalb ist die Milch billig. Wenn die Bauern entschieden haben, dass sie keine mehr abliefern wollen, ist das ihr gutes Recht. Doch wenn es heiß bleibt, droht der nächste Aufreger: Mineralwasser wird knapp.

Von Lukas Weber
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In Zeiten der Not war für alle dieses selbstverständlich: Essen schmeißt man nicht weg. Heute gilt das nicht minder. Deshalb ist es gut, wenn Eltern ihre Kinder lehren, das Pausenbrot nicht im Müll zu entsorgen. Den Viehhaltern jetzt mangelnde Ehrfurcht vor dem Lebensmittel vorzuwerfen, weil sie ihr Produkt verfüttern, auf die Felder ausbringen oder in den Ausguss kippen, statt es an die Molkereien auszuliefern, ist freilich nicht richtig. In den ersten beiden Fällen findet die Milch eine Verwendung, die in der Landwirtschaft üblich ist, im dritten geht sie den natürlichen Weg dessen, das im Überfluss vorhanden ist.

Es gibt zu viel Milch, trotz aller Versuche, die Menge durch Quoten zu begrenzen. Deshalb ist die Milch billig (und das Öl ist teuer). Wenn die Bauern nun für sich entschieden haben, dass sie keine Milch mehr abliefern wollen, weil die große Menge die Preise verdorben hat, ist das ihr gutes Recht; sie gehört ihnen ja. Das gilt sogar dann, wenn sie am Milchsee selbst schuld sind, weil sie in Zeiten hoher Preise die Produktion ausgeweitet haben. Das ist angewandte Marktwirtschaft, dagegen kann man wenig haben. Wenn sie, wie in einigen Gegenden geschehen, die Regale der Discounter leer kaufen, damit die Verbraucher keine Milch mehr zu sehen bekommen, und sie anschließend an die Tafel der Bedürftigen abgeben, ist dagegen auch nichts einzuwenden. Bei allem Verständnis für die Bauern gehören aber Blockaden der Molkereien mit schwerem Gerät und Druck auf lieferwillige Kollegen nicht zum marktwirtschaftlichen Instrumentarium.

Der nächste Aufreger: das Mineralwasser wird knapp

Wie der Streit ausgeht, ist offen; er erinnert darin an die Tarifauseinandersetzung bei der Bahn. Entscheidend wird sein, wie lange die Milchbauern die Umsatzverluste aushalten, ohne dass die Gemeinschaft der Boykotteure bröselt, und wie lange es Molkereien und Handel auf der anderen Seite gelingt, Milch aus anderen Quellen zu beziehen oder aus anderen Verwendungen – Milchpulver und Käse – umzulenken. Am Ende könnten etwas höhere Preise stehen, die an die Verbraucher weitergereicht werden. Das wird die keine schlaflosen Nächte kosten, weil Milch auch dann noch billiger als Wasser sein wird. Wenn es jetzt ein paar Tage heiß bleibt, droht schon der nächste Aufreger: In den Regalen steht zwar ausreichend Milch, aber das Mineralwasser wird knapp.

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