10.03.2010 · Die Rüstungsindustrie ist weit davon entfernt, ein normales Geschäft zu sein. Das zeigt auch die Vergabe des Auftrags von 179 Tankflugzeugen. Nun aber den Amerikanern zu unterstellen, bei ihnen sei im Umgang mit Regierungsaufträgen alles besonders schlimm, ist scheinheilig.
Von Carsten KnopProtektionismus, die Behinderung des freien Handels, ist schlecht. Das wissen Amerikaner ebenso wie Europäer. Deshalb sind beide Handelspartner seit Jahren bestrebt, entsprechende Hemmnisse Schritt für Schritt abzubauen. Mal gibt es schnellere, mal langsamere Fortschritte, aber die Richtung stimmt: In Amerika fährt man gerne deutsche Autos, hier nutzt man amerikanische Computerprogramme. Und nur manchmal wird über den Marktzugang für in Chlor gebadete Hühner gestritten. Das muss man wissen, wenn man über die Art und Weise der Vergabe eines Auftrags für neue Tankflugzeuge der amerikanischen Luftwaffe diskutiert.
Natürlich haben europäische Politiker ebenso recht wie die Manager des europäischen Flugzeugkonzerns EADS und seines amerikanischen Partners Northrop Grumman, wenn sie den Politikern in Washington vorwerfen, die Ausschreibung sei nicht fair. Viele Länder haben dem EADS/Northrop-Tankflugzeug den Vorzug vor dem Boeing-Produkt gegeben; es ist das bessere Produkt. Aber der Boeing-Tanker ist auch nicht so schlecht, dass sein Kauf für die Amerikaner eine militärische Schwächung bedeutete. Er mag sogar den einen oder anderen Vorzug haben. Boeing hebt die Modernität der Cockpiteinrichtung und die Möglichkeit hervor, die Betankung rein manuell zu überwachen, was in Gefechtssituationen ein Vorteil sei.
Wie auch immer: Der EADS-Tanker fasst mehr Treibstoff, mehr Fracht und mehr Passagiere. Eine ähnlich Feststellung trifft allerdings auch auf das amerikanische Transportflugzeug C17-A und die russische Antonow An-70 zu, die man statt des aufwendig entwickelten Militärtransporters A 400M für die Armeen Europas hätte anschaffen können, oder auf das Triebwerk, das für die A 400M ursprünglich von Pratt & Whitney kommen sollte, dann aber doch in Europa entwickelt werden musste.
Die Rüstungsindustrie ist also weit davon entfernt, ein normales Geschäft zu sein, das sich mit Autos vergleichen ließe. Das sollte sich ändern. Die heutige Praxis kostet den Steuerzahler Geld und sorgt dafür, dass Armeen selten das beste Produkt für ihr Budget bekommen – übrigens bis hin zum Klopapier. Nun aber den Amerikanern zu unterstellen, bei ihnen sei im Umgang mit Regierungsaufträgen alles besonders schlimm, ist scheinheilig und nicht mehr als ein politisches Ritual.
Carsten Knop Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.
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