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Kommentar Noble Entscheidung

12.10.2009 ·  Mit diesen Nobelpreisträgern hatte kaum jemand gerechnet. Alle Welt redet von der Finanzkrise - und mancher hat erwartet, dass in diesem Jahr Ökonomen ausgezeichnet werden, die etwas zu den Ursachen des Desasters sagen. Doch es kam anders.

Von Philip Plickert
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Mit diesen Nobelpreisträgern hat kaum jemand gerechnet. Alle Welt redet von der Finanzkrise, und mancher dachte, die Schwedische Akademie würde nun einen Ökonomen ehren, der zu den Ursachen dieses Desasters etwas Erhellendes zu sagen hat. Der als Kandidat gehandelte Verhaltensökonom Robert Shiller ging aber leer aus. Offenbar schätzen die Stockholmer die Krise einfach noch als zu heiß ein, als dass jetzt schon eine wissenschaftliche Bilanz gezogen werden könnte.

Die Entscheidung für Elinor Os-trom, die erste Frau unter den Preisträgern, sowie für Oliver Williamson überrascht zunächst; es ist auf den ersten Blick nicht leicht, einen gemeinsamen Nenner für die Arbeit der beiden zu finden. Auf den zweiten Blick hat diese Preisverleihung aber großen Charme. Das Thema der beiden ist hochaktuell: Wie organisieren sich Menschen, wenn der Markt (scheinbar) keine Lösung findet. Die Frage stellt sich bei vielen Umweltproblemen, wenn es keine klaren Eigentumsrechte an Ressourcen gibt.

Ostrom hat in faszinierenden historischen Studien gezeigt, wie Gesellschaften spontane Ordnungen schaffen: Sie einigen sich auf Regeln, die eine übermäßige Nutzung und Schädigung einer Weide oder eines Sees verhindern. Die Lösung kommt „von unten“, ein zentraler Beschluss „von oben“ ist nicht nötig - und manchmal auch nicht möglich, weil der Regierung das Wissen über die Umstände, Kosten und Möglichkeiten zur Problemlösung fehlt.

Während Elinor Ostrom die soziale Einsichtsfähigkeit der Menschen betont, zeichnet Oliver Williamson ein eher skeptisches Bild. In seiner Welt agieren die Menschen strikt egoistisch. Wo sich Lücken in Verträgen auftun, nutzen Auftragnehmer sie zur Mehrung des eigenen Vorteils. Manche Einzeltransaktion scheitert im Markt, weil die Verhandlungs- und Kontrollkosten zu hoch sind. Also bilden sich Unternehmen, in denen hier-archisch entschieden wird. Auch diese stoßen aber an Grenzen, können nicht immer weiter fusionieren, werden ineffizient und unregierbar. Konzerne können aus dem Ruder laufen - wie sich auch in der Bankenkrise gezeigt hat. Wie die Disziplin des Marktes dort wiederhergestellt wird, ist eine künftig entscheidende Frage.

Das Verbindende beider Preisträger ist ihr Interesse für Institutionen und für Regeln. Dieses Feld hatten viele Ökonomen in den vergangenen Jahren vernachlässigt. Dass sich vernünftige Regeln oft, aber nicht immer im sozialen Austausch ergeben, zeigen die Arbeiten der beiden Ökonomen ausgezeichnet.

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