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Kommentar Nichts für schwache Nerven

17.08.2007 ·  Die Berg- und Talfahrt der Aktienkurse ist nichts für schwache Gemüter. Die Leitzinssenkung der Fed mag die Märkte kurzfristig in Hochstimmung versetzen. In Wirklichkeit ist sie ein erschreckendes Krisensymptom, meint Gerald Braunberger.

Von Gerald Braunberger
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Das Geschehen an den Finanzmärkten ist gegenwärtig nichts für schwache Nerven. Am Donnerstagabend fallen die Aktienkurse an der Wall Street, am Freitagmorgen kommt es in Asien zu einem Kurseinbruch. Am Freitagnachmittag wendet sich das Blatt: Auf die überraschende Nachricht einer Leitzinssenkung der amerikanischen Notenbank (Fed) erholen sich die Aktienkurse schlagartig.

Und wie geht es weiter? Es ist nicht möglich, den Fortgang der Ereignisse vorherzusagen. Die Nervosität an den internationalen Finanzmärkten hat ein Ausmaß erreicht, das selbst erfahrene Beobachter in den Notenbanken in Staunen versetzt. Daher sollten Kapitalanleger in den kommenden Wochen einkalkulieren, dass die Kurse in beide Richtungen heftig ausschlagen können.

Finanzmärkten droht ohne Notenbanken der Kollaps

Denn das Ende der Krise ist noch nicht gekommen. Die Leitzinssenkung der Fed mag die Aktienmärkte kurzfristig in Hochstimmung versetzen. In Wirklichkeit ist sie ein erschreckendes Krisensymptom. Unter den Geschäftsbanken herrscht ein Misstrauen, wie man es seit vielen Jahren nicht mehr beobachtet hat. Banken, die über einen Überschuss an Geld verfügen, weigern sich, ihre Überschüsse an andere Banken zu verleihen, die gerade einen Bedarf an Geld haben.

Andere Banken, die in der Vergangenheit den Handel mit Wertpapieren kurzer Laufzeit organisiert haben, weigern sich, solche Papiere zu marktnahen Kursen anzukaufen. In dieser Situation bleibt den Notenbanken nichts anderes übrig, als den Geschäftsbanken zusätzliches Geld zu niedrigen Zinsen anzubieten. Ansonsten drohte an den internationalen Finanzmärkten ein Kollaps.

Weitere schlechte Nachrichten könnten bald kommen

Die Notenbanken sind jedoch keine Alleskönner. Sie produzieren billiges Geld, aber sie sind nicht in der Lage, angeschlagene Banken oder Hedge-Fonds zu sanieren. Daher könnten in den nächsten Wochen Nachrichten über weitere Krisen von Banken und Fonds die Finanzmärkte erreichen.

Je länger die Verwerfungen an den Finanzmärkten dauern, desto dringlicher stellt sich die Frage nach den Folgen für das Wirtschaftswachstum und die Arbeitsplätze. Noch gibt es keinen Grund, an der Dauerhaftigkeit der guten Konjunktur in Deutschland zu zweifeln. Die Risiken befinden sich in Amerika: Sollte allerdings das Wachstum dort einbrechen, würde wohl auch Deutschland erfasst.

Quelle: F.A.Z., 18.08.2007, Nr. 191 / Seite 1
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Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

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