21.09.2008 · Am Freitag beschließt der Krisenstab der Förderbank KfW die Überweisung von 350 Millionen Euro an die taumelnde Investmentbank Lehman. Am Montag geht die Überweisung um 8.37 Uhr raus. Obwohl Lehman da bereits insolvent ist.
Von Holger AppelMan darf in diesen stürmischen Zeiten wohl annehmen, dass die Banker rund um die Uhr an Deck sind. Nur in der staatseigenen Förderbank KfW scheinen die Uhren noch anders zu gehen. Da trifft sich der Krisenstab am Freitag und entscheidet, dass die taumelnde, aber noch nicht umgefallene Investmentbank Lehman im Rahmen eines vertraglich vereinbarten Devisengeschäfts Dollar im Gegenwert von rund 350 Millionen Euro erhalten soll. Das nächste Treffen setzen die Herrschaften für Montag um 9.30 Uhr an und verabschieden sich ins Wochenende.
Am Montagmorgen ist Lehman insolvent, die Überweisung geht trotzdem um 8.37 Uhr raus. Ob der Gedanke „Vertrag ist Vertrag“ dahinterstand oder eine Fehleinschätzung der Lage, steht dahin. Den von der „Bild“-Zeitung vergebenen Titel „Deutschlands dümmste Bank“ haben sich die Staatsbanker damit verdient. Nun wird die KfW allerdings trotz allen Geschreis an den Geld- und Devisenmärkten tätig bleiben, selbst wenn sie fortan nur Fördergeschäft im engsten Sinne betreibt. Das gehört einfach dazu. Es gilt nun, dafür zu sorgen, dass sie das mit der gleichen Professionalität tut, die sie von den von ihr geförderten Mittelständlern verlangt.
Frank-Holger Appel Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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