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Tarifstreit : Luxusprobleme der Metaller

Ein Vorreiter in Sachen Flexibilisierung ist das Unternehmen Trumpf in Ditzingen. Bild: dpa

Drei Prozent mehr pro Jahr - und das als Zuschlag auf ein Durchschnittseinkommen von 64.000 Euro: Von solchen Zahlen können viele nicht einmal träumen. Ein Kommentar.

          Nächste Woche wird nun also gestreikt in der Metallbranche, quer durch die ganze Republik, in insgesamt 250 Betrieben, jeweils einen ganzen Tag von Mittwoch bis Freitag. Wofür noch einmal? Die Frage wird sich mancher stellen, der bisher nicht genau aufgepasst hat, denn: Von plakativen Forderungen war kaum etwas zu sehen.

          Das sieht sehr nach einem Luxusproblem aus. Die Gewerkschaft hat ein Angebot ausgeschlagen, das die Arbeitgeber auf 6,8 Prozent beziffern. Und selbst wenn man dieses Einkommensplus ordnungsgemäß auf die Laufzeit umrechnet, kommt man auf gut 3 Prozent pro Jahr. Und das als Zuschlag auf ein Durchschnittseinkommen, dass laut Südwestmetall-Chef Stefan Wolf 64.000 Euro beträgt. Von solchen Zahlen können viele nicht einmal träumen.

          Den Gewerkschaftern aber geht es um etwas ganz anderes: Sie wollen mehr selbstbestimmte Arbeitszeit. Sie wollen, dass die Beschäftigten sich Zeit nehmen können, um sich um ihre Kinder zu kümmern oder Angehörige zu pflegen.

          Der konkrete Wunsch nach solchen Möglichkeiten zeigt sich zwar bisher kaum, in der Realität zeigen die Mitarbeiter eher ein Interesse, mehr zu arbeiten und mehr zu verdienen. Aber wenn man sich auf die Fahnen geschrieben hat, eine gesellschaftliche Veränderung anzustoßen, dann ist jetzt sicher die beste Gelegenheit dafür - die Wirtschaft brummt, und die meisten Unternehmen erzielen ordentliche Gewinne und können deshalb mehr Geld zahlen.

          Jeder einzelne Streiktag wird den Unternehmen heftig weh tun und erhebliche Folgen auch in den nachgelagerten Betrieben haben. Insofern kann man jetzt schon sicher sein, dass es nicht lange dauert, bis die Verhandlungen weiter geführt werden. Sonst werden die Erwartungen der Beschäftigten immer noch höher.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

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