Home
http://www.faz.net/-gqe-10oqt
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Kommentar Komplott der Krisenmanager

05.10.2008 ·  Sarkozy gefällt sich in der Rolle des Krisenmanagers. Wenigstens ein 300-Milliarden-Euro-Fonds müsse schon zusammenkommen, um die gebeutelte Finanzindustrie aus der Krise zu pauken. In der Krise den Helden zu spielen, ist für Politiker derzeit eine große Versuchung.

Von Rainer Hank
Artikel Lesermeinungen (2)

Nicolas Sarkozy gefällt sich in der Rolle des Krisenmanagers. Im Wettstreit der Politiker, den Kapitalismus in seine Schranken zu weisen, tut sich eine Chance für den französischen Präsidenten auf: Was den Amerikanern recht ist, soll den Europäern teuer sein, findet er. Wenigstens ein 300-Milliarden-Euro-Fonds müsse schon zusammenkommen, um die gebeutelte Finanzindustrie aus der Krise zu pauken.

Die Versuchung, in der Krise den Helden zu spielen, ist für Politiker derzeit ziemlich groß. Man kann ihnen das noch nicht einmal verübeln. Schließlich werden sie von der versammelten globalen Hochfinanz geradezu angebettelt, ihnen jetzt doch rasch und mit viel Geld aus der Patsche zu helfen. Von diesem Pakt profitieren beide Seiten. Politiker, die immer schon das Kommando über die Märkte beansprucht haben, bekommen dieses jetzt flehend angetragen. So können sie den Beweis dessen erbringen, was immer schon ihrer Überzeugung entsprach: Man darf den Kapitalismus nicht alleinlassen, sonst richtet er nur Unheil an. Und die Banker, die noch nie Lust verspürten, für ihr Risiko zu haften, sind jetzt fein aus dem Schneider. Auch sie sind Profiteure ihrer eigenen selbsterfüllenden Prophezeiungen: In der Not und wenn die Bank nur laut genug weint, wird schon die Allgemeinheit haften. Die Strafe fällt glimpflich aus.

Absicherung der Hypo Real Estate wackelt

Niemand braucht sich deshalb über das Geschachere zur Rettung der Hypo Real Estate zu wundern. Die privaten Banken drangen gewiss nicht aus Mitleid auf die rasche Rettung des Dax-Konzerns; denn über das Verschwinden eines Wettbewerbers hat sich noch selten ein Unternehmen aufgeregt. Den Banken ging es vielmehr um die nicht unbegründete Angst, selbst mit in den Abgrund gerissen zu werden. Aber kosten lassen wollen sie sich diese Absicherung offenbar so wenig Geld wie möglich. Bis zur Stunde steht es deshalb offenbar auf der Kippe, ob die Absicherung der Hypo Real Estate wirklich gelungen ist.

Der Streit der Fachleute dreht sich jetzt darum, welches Design staatlicher Intervention besser dazu geeignet ist, wieder Vertrauen in die Märkte zu bringen, damit die Versorgung der Unternehmen mit Geld gesichert ist. Während die eine Schule mit einem teuren Fonds den Banken die faulen Kredite abkaufen will (siehe Bush und Sarkozy), plädieren die anderen dafür, nur im Einzelfall den gefährdeten Finanzakteuren neues Kapital zu geben und sie damit zugleich teilweise oder ganz zu verstaatlichen.

Warum soll der deutsche Steuerzahler für die irischen Banken aufkommen?

Beide Modelle geben den Banken die Chance, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Ein flächendeckendes Fondsmodell wie in Amerika ist aber schon allein deshalb in Europa nicht möglich, weil die EU aus guten Gründen eine gemeinsame Fiskalpolitik immer verweigert hat. Tatsächlich ist nicht einzusehen, warum der deutsche Steuerzahler jetzt auch noch für die notleidenden Kredite irischer Banken aufkommen soll, jener Banken, die zuvor die Steuervorteile des Standorts dankbar genossen haben.

Mag sein, dass die Kosten einer globalen Bankenpleite höher sind als die Kosten für die Steuerzahler der Welt, die die Institute jetzt rauspauken. Aber auf automatische Rettung sollte sich niemand verlassen können. Sonst agieren die Banken in Zukunft noch riskanter.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1953, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Jüngste Beiträge

Böses Spiel

Von Holger Steltzner

Mit größter Selbstverständlichkeit und in unerträglichem Ausmaß zahlt die Elite Griechenlands keine Steuern und flüchtet mit Milliarden ins Ausland - und jede griechische Regierung lässt sie gewähren. In den Geberländern wächst die Wut der Steuerzahler. Mehr 40 149

29.05.2012 15:43 Uhr
  Vortag
Dax 6.401,76 +1,24%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.395,07 +1,33%
Dow Jones 12.552,80 +0,79%
EUR/USD 1,2534 −0,06%
Rohöl Brent Crude 107,55 $ +0,27%
Gold 1.574,60 $ +0,32%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.