http://www.faz.net/-gqe-93m46

Kommentar zu Staatseinnahmen : Im Steuerparadies?

Die Steuereinnahmen des Staates steigen und steigen. Was denken wohl die Zahler darüber, dass die Jamaika-Sondierer ihren Wunsch nach Entlastung als bloßen Spiegelstrich auf einer langen Liste führen?

          Am Geld muss eine Jamaika-Koalition nicht scheitern. Die neue Steuerschätzung legt selbst für den Bund noch einmal einen Schnaps auf die schon üppigen Prognosen vom Mai. Nimmt man alle staatlichen Ebenen, steigen die Steuereinnahmen bis zum Horizont 2022 voraussichtlich um satte vier Prozent jährlich. Der Ausdruck „Steuerparadies“ gewinnt damit neue Bedeutung, jedenfalls für Finanzminister, die sich Realitätssinn bewahrt haben. Paradiesischer wird es in den Staatskassen hierzulande vermutlich nicht mehr werden, zumal sinkende Arbeitslosigkeit und Niedrigzinsen die Ausgaben weiter drücken.

          Ganz anders werden viele Steuerzahler die Schätzung aufnehmen. Das Wort „Steuerparadies“ kommt ihnen nicht in den Sinn, wenn sie die Abzüge auf dem Gehaltszettel sehen. Was sie wohl darüber denken, dass die Jamaika-Sondierer ihren berechtigten Wunsch nach spürbarer Nettoentlastung als bloßen Spiegelstrich auf einer Liste mit mehr als 100 anderen Punkten führen? Das zeugt jedenfalls weder von Respekt für Bürgerfleiß noch von einem tieferen Verständnis für die soziale Marktwirtschaft, die davon lebt, dass sich private Anstrengung lohnt.

          Heike Göbel

          Verantwortliche Redakteurin für Wirtschaftspolitik, zuständig für „Die Ordnung der Wirtschaft“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Trump-Gegnerin : Warrens Gentest-Show

          Elizabeth Warren wollte sich gegen Donald Trump verteidigen – und ging ihm in die Falle. Mit dem Versuch nachzuweisen, dass sie von Ureinwohnern abstammt, setzte sich die Senatorin zwischen alle Stühle.
          Unser Sprinter-Autor: Felix Hooß

          FAZ.NET-Sprinter : Bloß keine grellen Zwischentöne

          Nach dem Debakel in Bayern zeigen sich Union und SPD merkwürdig still – zu groß ist die Angst, die Gunst der hessischen Wähler zu verspielen. Welcher Konzern dagegen Bahnbrechendes plant, steht im FAZ.NET-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.