Vierzig Jahre nach der Hochzeit des Feminismus ist der Streit der Geschlechter aktueller denn je. Jetzt mischen sich auch die Ökonomen ein – und liefern der Debatte neues Waffenarsenal.
Wer verdient an der Ehe? Wer profitiert mehr vom Bund fürs Leben, der laut Statistik doch eher selten ewig währt? Welcher der Partner in nicht gleichgeschlechtlichen Ehen fährt die höhere Glücksdividende ein – der Mann oder die Frau? Diesem nach 160.000 Jahren Menschheitsgeschichte immer noch ungelösten Rätsel widmen sich zunehmend auch die Ökonomen. Was sie an Erkenntnissen zusammengetragen haben, dürfte das schon längst vorhandene Bauchgefühl jener Gesellschaftsgruppe, die über die Hälfte der Bevölkerung stellt und trotzdem nach wie vor zu der benachteiligten zählt, kaum überraschen: Die Frauen sind die Verlierer der Ehe.
Medizinische Kosten geringer, Lebenserwartung höher
„Schatz, geh doch bitte zum Arzt“ ist eine Untersuchung überschrieben, anhand der am kommenden Donnerstag die Prominenz von Deutschlands Wirtschaftswissenschaftlern anlässlich der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik das Glück und Unglück der Heirat diskutieren. Die wohl vertraute Titelzeile enthält sich zwar noch jeder geschlechterspezifischen Wertung, lässt aber bereits eine Ahnung aufkommen, wer sich hier um wen sorgt.
Doch der Reihe nach. Mit ihrem wissenschaftlichen OP-Besteck zerlegen die Gesellschaftschirurgen die unbestreitbare Tatsache, dass Eheleute nachweislich gesünder sind als Unverheiratete. Ihre medizinischen Kosten sind geringer, ihre Lebenserwartung ist höher. Die Glücksforschung scheint die These von den Freuden der Ehe zu bestätigen: Befragungen ergeben regelmäßig, dass Verheiratete zufriedener sind als Singles.
Ehe als Männergenesungswerk
Kein Wunder, wird jetzt mancher sagen – ist doch anzunehmen, dass sich Ehemann und Ehefrau, infolge moralischer Alternativlosigkeit ohnehin auf lange Sicht einander ausgeliefert – umeinander kümmern und damit für ein höheres Wohlbefinden sorgen. Ökonomisch nüchtern ausgedrückt: Weil gesundheitliches Fehlverhalten zu höheren Gesundheitskosten, einer geringeren Produktivität und damit zu einem niedrigeren Haushaltseinkommen führt, haben beide Partner einen Anreiz, den jeweils andern dazu zu ermuntern, sich erbaulich zu ernähren und Sport zu treiben. Doch das ist nur die halbe Wahrheit!
Denn wie die Untersuchung zeigt, schicken zwar die Frauen ihre Männer durchaus zum Doktor. Anschließend kümmern sie sich um sich selbst – weil es sonst niemand tut. Die Sorge des Ehemanns für seine Frau hält sich in Grenzen, haben die Herren der Schöpfung doch genug mit sich selbst zu tun.
Der Gewinner der Ehe ist männlich – das bestätigt auch die Glücksforschung. Dass verheiratete Paare glücklicher sind als Singles, heißt noch lange nicht, dass Scheidung die Menschen unglücklich macht, sagt der amerikanische Glücksforscher Ed Diener – erst recht nicht die Frauen. Er nimmt an, dass Menschen nach sorgfältiger Abwägung den Entschluss zur Scheidung fällen: Wenn der Nutzen einer Trennung deren Kosten überwiegen. Das führt zur Frage: Wie glücklich sind Frauen und Männer vor der Scheidung und danach? Das Ergebnis: Männer haben ihren Tiefpunkt im ersten Jahr nach der Scheidung. Frauen in den beiden Jahren davor. Das könnte erklären, warum in 55 Prozent der Fälle die Ehefrau die Scheidung einreicht.
Die Institution der Ehe entpuppt sich als Männergenesungswerk – auch im 21. Jahrhundert sind die Frauen zwar nicht das schwache, aber das benachteiligte Geschlecht. In allen Bereichen: Warum sie beruflich immer noch von den Männern abgehängt werden, können Frauen und Männer nächsten Sonntag (12. September) nachlesen. Dann erklärt diese Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung in einem Sonderteil die „Frauenfalle“: Woran liegt es, dass Frauen so selten in Führungspositionen sind?
Heiraten lohnt sich nicht, nach der Scheidung!
Martin Hübner (Martin_Huebner)
- 04.09.2010, 20:08 Uhr
"Quem juckat?"
(JediYoda)
- 04.09.2010, 20:10 Uhr
Das Unglück der modernen Frau
Horst Trummler (Vandale6906)
- 04.09.2010, 22:38 Uhr
Männerfeindliche Familienpolitik in Deutschland!
Harald Muller (FAZguy)
- 05.09.2010, 00:34 Uhr
Gutmenschenartikel
Werner Franke (FrankeRG)
- 05.09.2010, 01:50 Uhr