Home
http://www.faz.net/-gqe-74wks
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
easyfolio

Kommentar Gute Namen, schlechte Taten

Google, Starbucks, Amazon: Immer wieder enttäuschen sie ihre Fans. Das hat System.

© dapd Vergrößern Starbucks will jetzt künftig mehr Steuern zahlen.

Es sind ja immer die guten Freunde, die einen am heftigsten enttäuschen. Die, von denen man Besseres erwartet hätte. Von denen man gedacht hätte: Die tun nichts Böses. Gerade werden die Deutschen wieder enttäuscht, und zwar heftig wie selten. Google, Amazon, Starbucks, H&M: Viele beliebte Marken sind zuletzt in die Kritik gekommen. Mit einem Benehmen, das die meisten Leute nicht zum guten Umgang zählen.

Beispiel Steuern: Google, Amazon und Starbucks

Beispiel Steuern: Google, Amazon und Starbucks haben ihre Steuerspartricks viel zu weit getrieben. Sie nutzten alle Lücken, die das Gesetz noch hergab. Google zum Beispiel zahlte in Großbritannien nur noch 6 Millionen Pfund Steuern bei 396 Millionen Pfund Umsatz. In Deutschland gehen die Konzerne ähnlich vor. In Großbritannien hat es der Ärger diese Woche bis ins Parlament geschafft.

Beispiel Arbeit: Kik, Primark, und H&M

Beispiel Arbeit: Kik, Primark, H&M - viele Modefirmen lassen ihre T-Shirts und Jeans in Bangladesch schneidern. Wie schlimm die Arbeitsbedingungen dort in vielen Fällen sind, ist den Deutschen gerade erst wieder bewusst geworden. Bei einem Brand in einer Fabrik sind mehr als 100 Menschen gestorben, offenbar auch, weil die Chefs der Fabrik die Türen abgeschlossen hatten.

Beispiel Datenschutz: Facebook

Beispiel Datenschutz: Facebook hat vor wenigen Tagen angekündigt, dass es seine Datenschutzbedingungen künftig ändert, wie es will, und seine Nutzer nicht mehr darüber abstimmen lässt. Das allerdings hat schon niemanden mehr interessiert. Von Facebook erwartet die Welt einfach nichts anderes.

Genau darum geht es bei diesen Unternehmen: um den Unterschied zwischen Erwartungen und Verhalten. Die Kunden erwarten von bestimmten Firmen mehr, als dass sie sich nur ans Gesetz halten. Denn die Marken sind ihnen ans Herz gewachsen. Sonst hätten die Unternehmen auch nicht so viel Gewinn gemacht. Denn so ist es in der Marktwirtschaft, speziell bei den bekannten Marken. Viel Geld und viel Macht bekommt nur, wer den Menschen etwas Gutes tut: ihnen schöne Bücher nach Hause liefert, einen Weg durchs chaotische Internet weist oder günstige und schicke Kleider verkauft. Deshalb trägt jeder große Erfolg auch schon die Saat der Enttäuschung in sich. Je glücklicher die Menschen über ein Unternehmen sind, umso gewinnträchtiger und mächtiger machen sie dieses auch. Und dann wird es schnell zum Feind.

Immer den nützlichsten Grundsatz wählen

Der Mechanismus ist oft der gleiche, selbst bei Google, das mit dem Motto „Tu nichts Böses“ einen besonders hehren Anspruch erhebt. Diese Falle hat der Ökonom Al Roth, der am Montag den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften bekommt, in einem Experiment gezeigt. Aller guter Wille hilft nicht. Denn oft gibt es mehrere Fairness-Regeln, nach denen man sich verhalten kann. Im Fall der Steuern: Soll das Unternehmen Gutes für die Länder tun, in denen es sitzt? Oder für die Aktionäre, mit deren Geld es arbeitet? Wo es unterschiedliche moralische Grundsätze gibt, wählen die meisten stets den Grundsatz, der ihnen am nützlichsten ist. Und während mancher Google noch für einen Freund hält, der nichts Böses tut, sagt Google: Als kommerzielles Unternehmen tun wir alles, um Steuern zu sparen.

Für solche Situationen, in denen man Freund und Gegner gleichzeitig ist, haben die Amerikaner sogar ein Wort erfunden: „Frienemy“, eine Kombination aus „Friend“ und „Enemy“, was man auf Deutsch mit „Freind“ übersetzen könnte. Der Chef der Werbeagentur WPP, Martin Sorrell, hat das Wort als Erster benutzt, um Google zu beschreiben. Viel früher schon hatten es Psychologen erfunden, um das Verhältnis zweier Menschen zu charakterisieren. Psychologen geben auch einen Rat dazu, wie man mit einem „Frienemy“ umgeht. Sie sagen: Am schwierigsten ist es, sich damit abzufinden, dass der gute Freund doch nicht so toll ist. In dieser Zeit wird man immer wieder enttäuscht. Am Ende hilft meist nichts anderes, als auf die Freundschaft zu verzichten.

Mehr zum Thema

So funktioniert es in der Praxis oft. Die Geschichte ist voll von Unternehmen, die die Menschen erst begeisterten, dann enttäuschten und schließlich als normaler Geschäftspartner gesehen werden. Bei Starbucks fängt das langsam an. Der Konzern hat zwar begriffen, dass die Menschen sauer sind, und will nun freiwillig mehr Steuern zahlen. Doch Schwierigkeiten hat er trotzdem: Seit Sommer fährt das Unternehmen seine Präsenz in Europa langsam zurück, weil die Cafés nicht mehr so gut ankommen wie früher.

Bei Microsoft ist die Entwicklung schon am Ende. Einst wurde das Unternehmen als der Erfinder von Windows gefeiert, bald hatte es damit fast ein Monopol. Dann kam das Internet auf, Microsoft lieferte den „Internet Explorer“ mit Windows aus - und wurde bald geächtet als ein Unternehmen, das sein Monopol missbraucht, um das Internet zu dominieren. Bald war Microsoft so unbeliebt, dass sogar Computeranfänger sich die Mühe machten, anstelle des Internet-Explorers den anderen Browser Firefox zu installieren. Inzwischen hat sich das Verhältnis normalisiert. Heute steht Microsoft als Alternative da für alle, die von Apple und Google enttäuscht sind. Microsoft macht auch ein schickes Handy-System und hat auch eine brauchbare Suche. Um die zu nutzen, muss man von dem Konzern nicht begeistert sein.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Fluch der bösen Tat

Von Carl Moses

Wieder droht Argentinien eine Schuldenkrise. Das ist nicht zuletzt dem rabiaten Umgang mit den Gläubigern nach der letzten Krise zuzuschreiben. Mehr 6


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Wirtschaft in Zahlen Der Taxi-Markt konzentriert sich

Uber schreckt die Taxis auf. Die etablierten Unternehmen verteidigen ihre Pfründe – in einem Markt, der sich immer weiter konzentriert. Mehr