http://www.faz.net/-gqe-7onde

Kommentar : Kein Skandal in Griechenland

Ist Griechenlands Defizit-Statistik frisiert? Das sagt AfD-Chef Bernd Lucke. Aber der angebliche Skandal ist gar keiner.

          Griechenland und frisierte Defizitstatistiken, das passt ja irgendwie immer zusammen. So sieht es offenbar der Europawahlkämpfer Bernd Lucke. Der AfD-Bundessprecher wirft der Troika aus IWF, EU-Kommission und EZB vor, Athen für 2013 fälschlicherweise einen Primärüberschuss (einen positiven Haushaltssaldo nach Zinsen) zu attestieren.

          In der Tat hat die Troika nicht nur die Zinsen, sondern auch einiges andere aus dem Staatsdefizit herausgerechnet. Der Skandal, den Lucke zu erkennen glaubt, ist aber keiner. Den Rest der Differenz machen Einmaleffekte aus, die alle auf das internationale Hilfsprogramm und seine Auflagen zurückgehen, vor allem die Bankenrekapitalisierung.

          Wenn der Primärsaldo überhaupt Aussagekraft haben soll, muss er um solche Einmaleffekte bereinigt sein. Nur dann gibt er an, ob ein Land seine laufenden Ausgaben aus laufenden Einnahmen bestreiten kann.

          Luckes impliziter Vorwurf, die Troika habe erst jüngst ihre Definition angepasst, ist daher schlicht falsch. Diese ist schon zum Start des Programms so festgelegt worden. Der Kern der griechischen Malaise liegt ohnehin nicht in Definitionsfragen, sondern darin, wie die Staatsschuld je wieder tragfähig werden soll.

          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Hunde und Halter : Der Untertan auf vier Beinen

          Selbst für einen Hund, der zwei Menschen zerfleischt, kennt die Solidarität in Deutschland keine Grenzen. Warum brauchen die Deutschen den Hund zum Menschsein?

          Tod trotz Ökosiegel : Warum Delfine beim Fischfang sterben müssen

          Das blau-weiße MSC-Siegel gilt als Auszeichnung für nachhaltig gefangenen Fisch. Doch die Organisation gerät immer stärker in die Kritik – vor allem seit sie den Thunfischfang vor Mexiko erlaubt hat, bei dem auch Delfine sterben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.