19.08.2012 · So offen wie nie reden Politiker über einen Zerfall des Euro. Der Dax feiert trotzdem Rekorde. Warum?
Von Christian SiedenbiedelRichtlinien für Lesermeinungen
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Spannend wird es am 13. September
für Börsenbeobachter sein, wenn am 12.
unser Bundesverfassungsgericht sein Urteil über die
Verfassungsmäßigkeit der modernen FINANZ-AKROBATIK
gefällt haben wird.
Ist man anspruchsvoll,
wenn man auf den Sieg der Vernunft hofft???
Heißt es nicht allerorten, das Sachwerte im Falle einer Währungskrise die besseren Anlagen sind?
Die Aktien sind eine "Flucht-Währung"!
Ein Unternehmen wie BMW oder Siemens zieht seinen Wert aus dem Erfolg seiner Geschäftstätigkeit (und Anlagevermögen) und der bleibt gleich, egal in welcher Währung die Aktie notiert wird. Die feste Dax ist nichts anderes als eine Flucht aus dem EURO (und zusätzlich vor der Inflation).
Unbestritten investieren die wenigsten Bundesbürger ihr Geld in Aktien. Deshalb jammern ja viele Börsianer, weil unsere Aktienkultur so unterentwickelt ist. Es ist kaum zu vermitteln, dass Aktien eine genauso langfristige Anlage sind wie z.B. Immobilien. Depots, die seit Jahren und Jahrzehnten unbewegt geblieben sind, haben die besten Ergebnisse. Vor einigen Jahren wollte mit ein Bankfachmann vermitteln, dass das Zeitalter des KGV vorbei sei. Wenige Monate später war sein eigenes Depot marginalisiert. Heute ist nach meiner Meinung die Börse ein reines Spielkasino. 1000 Punkte Kursgewinn sind in wenigen Tagen wieder verschwunden. Ich habe erlebt, wie der Dow Jones Ende der sechziger Jahre voriges Jahrhundert in weniger als 1 Woche 40% Wertverfall einfuhr. Er stand dann bei ca. 500. Wer die Langfristigkeit von Aktienengagements beachtete, hat heute ein riesiges Depot und sieht den kommenden Verwerfungen gelassen zu. Man sollte sich nicht von Börsenbriefen, Börsenhändlern und Bankangestel
Mit Anleihen verliert man in D ja definitiv.
Anfang der 20er Jahre, zu Zeiten der Hyperinflation, stiegen deutsche
Aktien massiv und nicht nur nominell. Sie verZEHNfachten(!) sich selbst
in US-Dollar gemessen!
Vielleicht kann mir einer erklären, ob der folgende Effekt eintreten kann?
Sollte der Euro scheitern, dann müssten doch alle Sachwerte und Anlagen in Deutschland gewaltige Wertsteigerungen erfahren, da deren Werte künftig in der "neuen Währung" berechnet werden würden. Die "neue Währung würde ja dann vermutlich gegenüberden meisten sonstigen Währungen stark aufwerten, oder?
Antworten (4) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 19.08.2012 16:01 Uhr@Alex Merck
Die Schweizer bekämpfen eine Spekulationsblase gegen ihre
Währung, nicht einen hohen Kurs.
Deutschlands Währung war immer stark und unserer Wirtschaft ging es
immer gut damit. 1. werden Importe dadurch billiger. 2. kauft niemand
deutsche Produkte des Preises wegen, sondern der Qualität wegen.
Bei einer Maschine die 20 Jahre zuverlässig läuft, ist es
egal, ob die Anschaffung 20% mehr oder weniger kostet.
Deutschland wäre nicht ruiniert
das gegenteil.
Da zuerst der Euro zusammenbrechen würde(zb den Faktor 10) u die
Mark explodieren würde (zB Faktor 10-macht zusammen
1:100)könnte Deutschland seine Schulden von 2.3 Bio Euro problemlos begleichen.
Dann wäre der Schuldenstand der BRD bei Null-das ist das Gegenteil
von ruiniert,inkl. einer Unabhängigkeit von EU u Euro.
Die Wertsteigerung wäre massiv da viele Weltweit ihr Geld in D Mark
umwandeln würden.
Gleichzeitig würde das massive Drucken der D Mark mit der Zeit die
währung inflationieren u international wieder konkurrenzfähig machen.
Mit diesem Geld kann man dann auch übrigens den anderen
Ländern helfen:aber an den Banken vorbei.
Denn solange die BRD die Schulden nur bei sich selbst aufnimmt u die
Banken als unnötige mittler ausschaltet kann ihr nichts passieren.
Auch das schwarze Bild des exportgeschäfts stimmt so nicht:denn der
Einkauf von Rohstoffen wäre dann extrem billig.
Unmöglich eine Aussage für "alle" Sachwerte zu treffen.
Der Wert/Preis von Sachwerten definiert sich über Angebot und Nachfrage, d. h. ein Sachwert wird zumeist entsprechend dem bewertet, was er abwirft. Also wenn eine Inflation kommen sollte, dann hat dies zuerst Auswirkungen auf die Preise von Import-/Exportgütern. Auswärtige Rohstoffe werden teurer, Arbeit im Verhältnis zu außereuropäischer billiger, Schulden verlieren an Wert. Exportierende Unternehmen werden preisgünstiger ihre Artikel auf dem Weltmarkt verkaufen können, aber der europäische Markt wird weniger nachfragen, Unternehmen die viel importieren müssen werden es schwerer haben. Der Wert der Aktiengesellschaften wird sich kurzfristig höchst verschieden entwickeln, nicht wenige Unternehmen werden Pleite gehen. So wird es mit allen Sachwerten sein. Spielen Sie es jeweilig durch.
Wenn die neue Währung stark aufwerten würde, wäre Deutschland ruiniert und manche
Sachwerte (nämlich Firmen mit hohem Exportanteil) würden konkurrenzunfähig, was wiederum die Nachfrage nach Gewerbeimmobilien massiv schwächen und damit auch deren Preise fallen lassen würde. Weitere massive Einbussen für alle exportierenden Firmen wären zu erwarten, da diese ihre alten Forderungen (zwischen Lieferung und Bezahlung vieler Exporte dauert es 3 bis 9 Monate) in Euro haben, die dann weniger wert sind. Warum bekämpft die Schweizer Nationalbank (entsprechend Bundesbank/EZB) wohl den Anstieg des Schweizer Franken? (Wäre nicht nötig, wenn die Schweizer wirklich vom Bankgeschäft leben würden - aber Tatsache ist, das der grösste Teil des Schweizer Reichtums aus Hightech- , Pharma- und Industriebranchen kommt, mit Firmen wie ABB, Kudelski, Roche etc.)
Keinesfalls Vertrauen in den Euro, sondern das Gegenteil !
Der DAX ist deswegen gestiegen, weil die Leute trotz bevorstehende Wirtschaftkrise ihr Geld lieber in Sachwerten anlegen, als ihre Erspanisse durch einen Eurocrash oder Inflation zu verlieren. Das viele Geld, welches die EZB verliehen hat, muss ja auch irgendwohin. Diese Entwicklung hat mit Zuversicht nichts zu tun.
Es ist doch eher so, dass die Inflation schon angekommen ist
Wieso wird bei der Diskussion um Inflation eigentlich ausschließlich der bekannte Warenkorb zugrunde gelegt? Steigende Immobilienpreise und steigende Aktienkurse sind ebenfalls Inflation. Jeder der heute eine Wohnung in einer Großstadt kaufen will, weiß dass er sich heute sehr viel weniger leisten kann als vor 3 Jahren. Es ist eher so, dass die Notenpresse schon längst angeworfen wurde und das billige Geld jetzt Immobilienpreise und Aktienkurse in die Höhe treibt....
Das sollte man etwas differenzierter sehen ..
auch wenn die Warnung in diesem Kommentar sehr richtig ist. Allerdings
kann man beobachten, das der DAX im Vergleich zu den anderen
europäischen Börsen seit einigen Wochen geringer steigt, also
"die Anleger" sehr wohl begreifen, das vor allem die im DAX
enthaltenen Grossfirmen gefährdeter sind als einige aus den Problemländern.
Aber vor allem profitiert der DAX davon, das deutsche Anleger wenig
Ahnung von allem aussehalb D's haben und begreifen, das deutsche
Staatsanleihen zur Zeit indiskutabel sind: hohes Risiko (durch
€-Rettungspläne) und Zinsen unter Inflationsrate. Da sie nur
da investieren, wo sie glauben, sich auszukennen, kaufen sie DAX-Aktien.
Ich kenne einige Fälle, wo ich Mühe hatte, solche Leute auch
auf US- oder asiatische Aktien hinzuweisen, die bei weitem weniger
gefährdet sind und trotzdem fundamental nicht teurer als
vergleichbare DAX-Papiere.
Und was sollte der "weitsichtige Anleger" nun nach Meinung des
Autors machen? Und jetzt kommt mir bitte niemand mit Gold oder dergleichen...
Ich dachte immer, Aktien seien noch relativ gut gegen Inflationsrisiken
abgesichert, da ja mit dem Preisniveau auch die Unternehmensgewinne
steigen, auch wenn das reale Wachstum langfristig vielleicht negativ
durch die EZB- Maßnahmen beeinflusst wird.
Aber für mich gelten Aktien immer noch als "weitsichtige"
Anlageform wenn Inflation im Anmarsch ist oder etwa nicht? Was ist die
Alternative, mehr konsumieren?
"Die Börsianer glauben nicht an ein Auseinanderfallen des Euro".
Richtig analysiert, Herr Siedenbiedel ! Das Verhalten der Börse ist
irgendwie erfrischend. Sie moralisiert nicht, sie jammert nicht, klagt
nicht über die Ausbeutung der deutschen Steuerzahler etc., sie
setzt einfach Fakten: die Kurse gehen nach oben.
Ihre Feststellung zur "Entscheidungs-Souveränität"
der Börse sollten Sie jedoch nicht dadurch verwässern, dass
Sie kritisieren, die Börse vernachlässige das
Inflationsrisiko. Verlassen Sie sich darauf: die Börse hat
dafür Ihre guten Gründe. Ich zum Beispiel glaube
überhaupt nicht an eine Beschleunigung der Inflation. Sind Sie da
besser informiert ? oder sollten wir nicht doch lieber die Entscheidung
dem Markt bzw. der Börse überlassen ?
Ich glaube an gar nichts mehr ...
In diesem Orwellschen Schmierentheater würde ich nicht
ausschliessen, dass der Übergang der EZB zum Staatsfinanzierer und
europäischen Transfervehikel von Anfang an geplant war,
möglicherweise schon von Kohl und Weigel.
Das war schon immer bei Zentralbanken/staatlichen Münzen so ..
und gehört zum Wesen einer Zentralbank. Wenn Regierungen zu viel
Geld ausgeben, wird nicht nur das zum Wachstum der Waren und
erwünschten Dienstleistungen notwendige Geld gedruckt, sondern auch
das Geld für unerwünschte (staatliche Personalkosten, die von
der zahlenden Bevölkerung unbewusst wegen der Kosten nicht
akzeptiert werden etc.) staatliche Pseudodienstleistungen. Ob man das
mit "echtem" Geld oder durch Staatsanleihen macht, ist dabei
am Ende völlig irrelevant.
Auch der Streit zwischen Werthütern bei Notenbanken/Münzen und
Politikern ist mehrere Jahrhunderte alt. Im Fall der EZB und des Euro
nahm man sich beim Vertrag das Vorbild der USA mit der
No-Bailout-Regelung und Grenzen für die Neuverschuldung der
Mitgliedsstaaten - aber die hat man ganz schnell widerrechtlich
gebrochen, weil die Mehrheit der €-Länder es nicht will oder
kann (inkl. während einiger Jahre auch D vor der Wirkung von
Schröders Agenda)
Christian Siedenbiedel Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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