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Kommentar : Es geht auch ohne Staatskredit

Monarch ist die fünftgrößte britische Fluggesellschaft. Bild: AP

Die Fluggesellschaft Monarch ist pleite. Aber anders als bei Air Berlin bleiben ihre Flugzeuge ab sofort am Boden. Denn die britische Regierung verweigert einen Kredit – recht so.

          Die Fluggesellschaft Monarch ist pleite, es ist schon die dritte in diesem Jahr, nach Alitalia und Air Berlin. Die aggressive Preispolitik von Billigfluglinien wie Easyjet und Ryanair ist offenbar auch an der fünftgrößten britischen Airline nicht spurlos vorüber gegangen. Sämtliche Flüge sind abgesagt, 110.000 Passagiere sitzen im Ausland fest.

          Und was macht die britische Regierung? Sie spricht zwar von einer „sehr beunruhigenden Situation“ für die betroffenen Urlauber, und Verkehrsminister Chris Grayling nimmt sogar die Worte „größte Rückholaktion in Friedenszeiten“ in den Mund. Die Briten aus Frankreich, Griechenland, Israel und der Türkei zurückzuholen, habe oberste Priorität.

          Deutschland gab Air Berlin einen Staatskredit

          Und trotzdem: Staatshilfe für Monarch stellt die britische Regierung vorerst nicht in Aussicht – im Gegenteil: Die Bitte nach einem Überbrückungskredit hat das britische Kabinett abgelehnt.

          In Deutschland hat das anders funktioniert. Als Air Berlin insolvent wurde, gab die Bundesregierung 150 Millionen Euro Kredit, jetzt heben die Flugzeuge immer noch jeden Tag ab. Die Monarch-Flugzeuge bleiben ab sofort am Boden. Wie zu hören ist, schickt Qatar Airways schon A320-Maschinen, um bei der Rückführung zu helfen. Innerhalb von zwei Wochen sollen alle Passagiere wieder zu Hause sein.

          Monarch ist zu klein, um in Großbritannien einen „nationalen Champion“ zu schmieden. In Großbritannien steht vorerst keine Wahl an, und Hochsaison für Flüge zum Ballermann ist gerade auch nicht. Unter solchen Bedingungen geht es offenbar auch ohne Geld vom Staat. So sollte es sein in einer Marktwirtschaft, in der Unternehmen von gutem Management profitieren und für schlechtes Management die Konsequenzen tragen.

          Hanna Decker

          Redakteurin in der Wirtschaft.

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