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Kommentar : Ein Prosit auf das Labor

Die deutsche Forschungspolitik ist in den vergangenen zehn Jahren erheblich besser geworden. Auch Deutschlands Manager können von ihr etwas lernen.

          Es ist dieser Moment, etwas zu sehen, was noch niemals zuvor ein Mensch erblickt hat. Das gelingt heutzutage nicht mehr auf Forschungsreisen wie zu Zeiten Alexander von Humboldts. Dafür muss man ins Labor. So hat es Wolfgang Ketterle, Physiker und deutscher Nobelpreisträger, schon vor einiger Zeit formuliert. Für ihn ist - natürlich - die Physik das Fach schlechthin, wenn es gilt, den Dingen wahrhaft auf den Grund zu gehen. Etwas Faszinierenderes kann er sich nicht vorstellen.

          Deshalb ist Ketterle Grundlagenforscher geworden. Nun forscht Ketterle zwar nicht mehr in Deutschland. Aber auf die deutsche Grundlagenforschung lässt er nichts kommen. Forschung, Infrastruktur, Laborausstattung - das alles befinde sich in Deutschland auf höchstem Niveau. Dies führe auch dazu, dass viel mehr Wissenschaftler, die einmal zur Weiterbildung ins Ausland gegangen seien, nach einer gewissen Zeit wieder zurück nach Deutschland kämen als gemeinhin gedacht.

          Andere Wissenschaftler pflichten ihm bei. Und das liegt auch daran, dass die deutsche Forschungspolitik in den vergangenen zehn Jahren erheblich besser geworden ist. Bausteine dieser Politik sind die Exzellenzinitiative, der Pakt für Forschung und Innovationen sowie der Spitzencluster-Wettbewerb. Allein im Rahmen der Exzellenzinitiative fließen von 2006 bis 2017 von Bund und Ländern 4,6 Milliarden Euro in Zukunftskonzepte von Hochschulen oder große interdisziplinäre Forschungsprojekte. Die Summe ist dabei gar nicht entscheidend, wohl aber ihre Hebelwirkung mit Blick auf Strategie und Struktur der deutschen Universitäten.

          Doch ist unklar, wie es weitergeht. Im Januar wird eine internationale Kommission die Initiative und ihre Erfolge bewerten. Dann muss die Politik entscheiden, wie es vom Jahr 2018 an weitergehen soll. Wer sich in der Wissenschaft umhört und von dem Prinzip überzeugt ist, dass sich Leistung lohnen sollte, wird geneigt sein, eine Fortsetzung des Programms zu empfehlen. Auch die deutschen Unternehmen haben längst begriffen, dass sie die Innovationen aus der Grundlagenforschung für Produkte nutzen können, die ihnen später Umsatz und Gewinn bringen. Das ist das eine. Die Manager können dabei aber auch lernen, dass ohne Geduld einerseits und Hartnäckigkeit andererseits gar nichts geht. Und dass man ganz gewiss keine große Bühne voller Eitelkeiten braucht, um Erfolge zu feiern. Manchmal reicht dafür ein gut ausgestattetes Labor.

          Carsten Knop

          verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung und Unternehmen.

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          Quelle: F.A.Z.

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