08.08.2007 · Nicht nur in Asien, auch in Amerika und Europa greift der Protektionnismus um sich. Die Versuchung ist bedenklich.
Von Gerald BraunbergerIndien ist nicht das erste asiatische Land, das durch Beschränkungen des internationalen Kapitalverkehrs die Aufwertung seiner Währung bremsen will. Südkorea und Thailand haben es vorgemacht, und der Kapitalverkehr mit China ist seit jeher beschränkt.
Bisher haben diese Länder darunter nicht gelitten, und die Erinnerung an die Asien-Krise vor zehn Jahren mag sie mit einigem Recht zur Vorsicht mahnen. Damals war auch erst viel Geld aus dem Westen in asiatische Länder geflossen; als der Westen seine Gelder dann rasch abzog, waren Währungsturbulenzen und eine Konjunkturschwäche die Folge in Asien.
Versuchung auch in Amerika und Europa
Und dennoch stimmt die Meldung über Kapitalverkehrskontrollen bedenklich, denn sie passt leider nur zu gut in eine Zeit, in der protektionistische Neigungen in der ganzen Welt wieder zunehmen. Die Amerikaner sind froh, wenn ausländische Kapitalgeber ihr Haushaltsdefizit finanzieren, wenn Ausländer aber Ölgesellschaften oder Häfen kaufen wollen, heben sie abwehrend die Hand.
In Europa sieht es nicht besser aus. Die an sich sinnvolle Debatte über Unternehmensbeteiligungen ausländischer Staatsfonds hat eine Eigendynamik gewonnen und protektionistische Neigungen offenbart, die überwunden schienen. Vorsicht ist geboten: Als die erste Globalisierung vor rund einhundert Jahren scheiterte, war es mit Wachstum und Wohlstand erst einmal vorbei.
Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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