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Kommentar Die Entschuldigung

Ob Armstrong, Fitschen, Cromme oder Dreamliner - in den vergangenen Wochen haben an unterschiedlichen Schauplätzen der Welt wichtige Menschen um Verzeihung für ihre Fehler gebeten. Doch keine der Bitten wirkte entlastend.

In den vergangenen Wochen durfte man an unterschiedlichen Schauplätzen der Welt wichtigen Menschen dabei zusehen, wie sie mit Fehlern und Krisen umgehen und dabei als Beobachter lernen: Es gibt da eine ungeahnte Vielfalt.

Da wäre das Modell Armstrong. Der Radrennfahrer Lance Armstrong beichtet nicht nur sein notorisches Doping, er entschuldigt sich sogar vor einem Millionenpublikum. Sein Ziel wird deutlich. Er will die lebenslange Sperre abwenden.

Man glaubt ihm die Reue nicht.

Da wäre als Nächstes das Modell Fitschen: Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, hatte beim hessischen Ministerpräsidenten angerufen, um sich über eine Razzia der Staatsanwälte in der Deutschen Bank zu beschweren. Das wirkte so, als wollte sich die Deutsche Bank über das Recht stellen. Fitschen sagt später: „Sollte mein Anruf in der Öffentlichkeit zu einem falschen Eindruck geführt haben, möchte ich mich dafür ausdrücklich entschuldigen.“ Fitschen entschuldigt sich nicht für den Anruf, sondern für den Eindruck, den dieser erweckt haben könnte.

Konsequenz: Man glaubt ihm die Reue nicht.

Das dritte Modell, das Modell Japan, zeigte sich in der vergangenen Woche so: Eine Boeing 787 Dreamliner der Airline All Nippon muss notlanden und über Rutschen evakuiert werden. Drei Spitzenmanager der Luftfahrtgesellschaft senken synchron und demütig vor TV-Kameras den Kopf und sagen dazu: „Wir bitten die Betroffenen mit aller Ernsthaftigkeit um Entschuldigung für die Unbequemlichkeit und die Sorgen, die durch den Vorfall ausgelöst wurden.“

Die Entschuldigung kommt einem zumindest mit europäischen Augen hastig vor und ziemlich ritualisiert.

Aber immerhin: Man glaubt den Managern, dass ihnen die Notlandung peinlich gegenüber den Passagieren ist.

Und schließlich gibt es da das Modell Cromme. Unter dem Aufsichtsratsvorsitzenden der Thyssen-Krupp AG, Gerhard Cromme, ist der Konzern in eine existentielle Schieflage geraten. Was sagt er zu seiner eigenen Verantwortung auf der Hauptversammlung am Freitag? „Wenn Sie mich fragen, ob wir als Aufsichtsrat in der Vergangenheit etwas hätten besser machen können, dann will ich ehrlich sagen: ja. Wir haben zu lange vertraut. Wir hätten früher handeln können oder müssen.“ Das ist die einzige Passage, in der Cromme eine Spur von Nachdenklichkeit erkennen lässt, große Teile seiner Redezeit verwendet er darauf, zu begründen, wie der von ihm geführte Aufsichtsrat über die normalen Standards hinaus gebohrt, geforscht hat und bei erkennbaren Fehlentwicklungen rigoros eingeschritten ist.

Konsequenz: Crommes dürre Worte werden vom Publikum nicht geglaubt.

Vier Bitten um Entschuldigung - und alle wirken nicht entlastend. Warum?

Glaubwürdiger Reue muss ein ebenso glaubwürdiger Prozess der Läuterung vorausgehen. Der ist in diesen vier Fällen aber nicht zu spüren. Es stehen keine neuen, besseren Menschen vor uns, die durch Krisen gewandelt wurden. Sie sind die Alten geblieben, die um ihre beruflichen Perspektiven, sei es in der Krupp-Stiftung oder auf der Radrennbahn, kämpfen oder um die Reputation ihrer Führer. Sie hoffen, den öffentlichen Zorn durch die Entschuldigungsgesten zügeln zu können und haben damit paradoxerweise trotz des Glaubwürdigkeitsproblems sogar Erfolg. Wer demütig sein Haupt in der Öffentlichkeit senkt, löst bei den anderen eine Beißhemmung aus: Man mag sie nicht mehr in alter Schärfe attackieren.

So bekommen öffentliche Entschuldigungen etwas Wohlfeiles. Sie bewahren den Entschuldiger sogar davor, tatsächlich Verantwortung zu übernehmen.

Öffentliche Entschuldigungen sind beliebt. Denn sie lösen eine Beißhemmung aus.

Quelle: F.A.S.

 
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