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Kommentar : Der Börsenkrach ist kein Grund zur Panik

Angela Merkel vor der Presse Bild: EPA

Die Rekordkurse brauchen eine Pause. Also sollte man nicht der Hysterie verfallen – Aktien zu verkaufen ist ein Fehler.

          Wenn selbst die Bundeskanzlerin sich zum Börsengeschehen äußert, dann sind es besondere Zeiten. Angela Merkel zieht aus dem stärksten Kursrutsch in der Geschichte des seit 1884 berechneten Aktienindex Dow Jones den Schluss, dass „wir in unsicheren Zeiten leben“. Deswegen wolle sie mit einer verlässlichen Regierung die Voraussetzungen für Stabilität und Wohlstand auch in der Zukunft schaffen.

          Ist der Kursrutsch an den Aktienbörsen aber nicht vielmehr ein Zeichen dafür, in welch hysterischen Zeiten wir leben? Was war passiert? Am Freitagnachmittag zeigte der Monatsbericht des amerikanischen Arbeitsministeriums für den Januar einen Lohnanstieg von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist der Auslöser. Mehr nicht. Mehr als 2000 Punkte hat der Dow Jones am Freitag und vor allem am Montag an der Wall Street verloren und den Dax gleich um 700 Punkte mit nach unten genommen.

          Der Lohnanstieg in Amerika war stärker als erwartet. Die Börsianer steigerten sich daraufhin in Niedergangsphantasien hinein: Höhere Löhne führen zu höherer Inflation, höhere Inflation macht die Notenbanken nervös, nervöse Notenbanker erhöhen die Zinsen, höhere Zinsen schnüren der Wirtschaft die Luft ab – und schon ist der schöne Aufschwung vorbei und die Rezession da.

          Besonnenheit lohnt sich

          Deswegen aber gleich panikartig Aktien zu verkaufen ist ein Fehler. Die Geschichte zeigt, dass Lohnsteigerungen und Inflation in einem Wirtschaftsaufschwung eher positiv für die Börsen sind. Denn auch die Gewinne der Unternehmen steigen dann. Selbst steigende Zinsen würgen in einem solchen Umfeld zumindest einen Aktienaufschwung nicht ab.

          Richtig ist, dass die lange Aktienhausse mit ihren vielen Rekordkursen durchaus einer Pause bedarf. Dass sie so plötzlich und heftig kommt, ist auch dem wachsenden Einfluss automatisierter Handelsmodelle zu verdanken, die beim Unterschreiten bestimmter Kursschwellen automatisch Verkaufsaufträge in den Markt geben und so den Abschwung nochmals verstärken.

          Besonnene Gemüter haben die daraus resultierenden Überreaktionen zu Aktienkäufen genutzt. Am positiven Wirtschaftsausblick hat sich nämlich weder in Amerika noch in Deutschland etwas geändert. Es ist eher ein Kursrutsch aus Sorge wegen der Folgen einer zu guten wirtschaftlichen Entwicklung. Frau Merkel kann also beruhigt sein und sich auf ihre Koalition konzentrieren.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

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