Die Reichen haben es in der Kirche nicht leicht. Eher geht bekanntlich ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in den Himmel kommt. Nimmt man das Bibelwort ernst (die Exegeten haben immer wieder versucht, den strikten Wortsinn zu unterlaufen), müsste der Himmel voller Armer sein, während die Reichen schauen können, wo sie bleiben.
Dass die Armen die bessere und größere Lobby in der Kirche haben, zeigt sich auch dem Flaneur auf dem Katholikentag in Mannheim: „Kennt ihr die Armen eurer Stadt?“, „Armut macht krank“ - so oder ähnlich sind eine Vielzahl von Veranstaltungen betitelt. Die Reichen (besser: der Reichtumsdiskurs) werden - schafft es das Thema überhaupt auf ein Podium - allenfalls dann kirchenfähig, wenn sie über „soziale Verantwortung“ reden. Eine theologische Rechtfertigung des „Profitinteresses“ dagegen stünde, sollte sich einer daranmachen, sogleich hartnäckig unter Häresieverdacht. Spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es eine lange antikapitalistische Tradition in der katholischen Kirche (bei den Protestanten nicht minder); zahllose Enzykliken der Päpste seit Leo XIII. bezeugen den hartnäckigen Argwohn gegen Markt und Unternehmertum. Im Zweifel haben sich die Christen lieber mit dem Sozialismus als mit dem Liberalismus verbündet.
Profitinteresse ist die entscheidende Triebfeder
Dabei haben Profitinteresse und „Option für die Armen“ mehr miteinander zu tun, als die Christen wahrhaben wollen. Der Wohlstand der Nationen - unser heutiger gesellschaftlicher Reichtum - beruht auf der kreativen Kraft unternehmerischer Menschen, die bereit waren, für ihre Ideen Risiken einzugehen und ihr Geld (oder das Geld ihrer Gläubiger) für diese Ziele einzusetzen. Hätte es diese Leute nicht gegeben, hätten wir heute weder elektrisches Licht noch Facebook, weder künstliche Hüftgelenke noch Medikamente, die erfolgreich den Krebs bekämpfen. Man sollte den Unternehmern (oder den Aktionären ihrer Firmen) das Profitinteresse nicht leichtfertig madig machen, ist es doch die entscheidende Triebfeder, die den Wohlstand erst zuwege bringt.
Wer das unternehmerische Motiv als Gier moralisch disqualifiziert, muss moralisch damit fertigwerden, dass er dann auch die „Option für die Armen“ verrät oder nur als Lippenbekenntnis bei sich trägt. Es sind die Erfolge der grünen Landwirtschaftsrevolution, die den Hunger der Welt lindern. Es sind die Erfolge der ach so gescholtenen Pharmaindustrie (und das Geld der Reichen), die die Malaria (fast) ausgerottet haben. Nichts befreit so sehr aus der Armut wie wirtschaftliches Wachstum. Das haben die Redenschreiber des Freiburger Erzbischofs Robert Zollitsch nicht bedacht, als sie ihm in seine Katholikentagspredigt schrieben: „Mit dem immer neuen Ruf nach mehr Wachstum brechen wir die weltweite Ungerechtigkeit nicht auf.“ Doch, Exzellenz! Wachstum und Marktwirtschaft haben in China und Indien Millionen Menschen aus der Armut befreit; die „Theologie der Befreiung“ in Südamerika dagegen ist kläglich gescheitert.
Vielleicht macht sich also doch irgendwann einer daran, eine „Theologie des Profits“ zu entwerfen. Viel Material dazu bietet die christliche Tradition nicht. In der wenig angesehenen christlichen Renaissance wurde da und dort der theologische Versuch gemacht, dem erfolgreichen Kaufmann (ein Abenteurer!) das schlechte Gewissen zu nehmen. In der spanischen Spätscholastik der Schule von Salamanca reifte später der Gedanke, dass geben nur könne, wer schon etwas habe, dass somit die „Option für die Armen“ einen Begriff des Privateigentums (und seinen Schutz) voraussetzt. Viel wäre schon gewonnen, wenn die unternehmerische Kreativität, getrieben von Gründergeist, Risikofreude und Profitgier, endlich ihr Recht erhielte als Beitrag zur - für Evolution offenen - Schöpfung.
Keine gute Predigt Herr Hank
Rainer Gehrig (raitheol)
- 22.05.2012, 00:33 Uhr
Sinn
Heike Schneider (KassandraWahrheit)
- 20.05.2012, 21:35 Uhr
Kompetenz
Volker Kulessa (solelite)
- 20.05.2012, 18:27 Uhr
Zollitsch ist NICHT "Die Christen"
Volker Kulessa (solelite)
- 20.05.2012, 17:12 Uhr
Warum ist es in Deutschland so schön?
Ralf Kowollik (InterNETkobold)
- 20.05.2012, 13:21 Uhr