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Kommentar Besonnen und standfest

08.07.2005 ·  Es mag zynisch klingen, aber die Anleger haben gelernt, mit Terror umzugehen, ja sie haben sich daran gewöhnt. Panik wollten die Terroristen auslösen, Standfestigkeit und Besonnenheit war die Antwort der Marktteilnehmer.

Von Folker Dries
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Es mag etwas zynisch klingen, aber die Anleger haben gelernt, mit Terror umzugehen, ja sie haben sich daran gewöhnt. Mit der Londoner City sollte ein zweites Mal nach dem 11. September 2001 ein Zentrum der Weltfinanzmärkte in seinem Nerv getroffen werden.

Aber die Briten, und nicht nur sie, behielten die Nerven. Sie wankten kurz, standen aber bald wieder auf festen Füßen. Selbst an der Londoner Börse wurde der Handel nicht unterbrochen. Panik wollten die Terroristen auslösen, Standfestigkeit und Besonnenheit war die Antwort der Marktteilnehmer.

Nur eine Wachstumsdelle nach „911“

An den Märkten hatte man die terroristischen Gefahren zuletzt völlig ausgeblendet. Letztendlich handeln langfristig denkende Investoren auch rational, wenn sie Terror in ihre Anlageentscheidungen nicht einbeziehen. Denn die jüngere Geschichte hat gezeigt, daß sich die konjunkturellen Gefahren, die vom Terrorismus ausgehen, in engen Grenzen halten.

Selbst die Anschläge vom 11. September 2001, die eine ganz andere Dimension als die Bombenserie von London hatten, bescherten der Weltwirtschaft nur eine kleine Wachstumsdelle. Was man seinerzeit erst im Nachhinein wußte: Amerika war schon einige Monate vor dem 9. September in eine Mini-Rezession gerutscht. Die Anschläge selbst hatten also allenfalls einen Trend kurzfristig fortgeschrieben. Zwei Monate nach „911“ setzte Amerikas Wirtschaft nach der offiziellen Statistik sogar wieder zu einem neuen Wachstumszyklus an, der bis heute anhält.

Ein rauherer Wind

Das Wachstum wäre seither vielleicht noch höher ausgefallen, wenn Amerika einen großen Teil seiner finanziellen Ressourcen nicht in die nationale und internationale Sicherheit umgelenkt hätte. Die Anschläge von London sind denn auch eine Erinnerung daran, daß Sicherheit und Freiheit nicht kostenlos zu haben sind. Sie kosten Wachstum. Und gerade Europa ist mit Wachstum nicht überreichlich bedacht. Selbst in Großbritannien ticken die Uhren schon seit einigen Monaten etwas langsamer. Es wird deshalb darauf ankommen, daß sich die Verbraucher jetzt nicht nachhaltig verunsichern lassen.

Doch wie immer man die Ereignisse in London dreht und wendet: An den Märkten weht jetzt wieder ein rauherer Wind. Für Anleger mit kurzfristigem Horizont mag es deshalb sinnvoll sein, sich etwas defensiver zu positionieren, also weniger Risiken einzugehen. Vor überstürzten Dispositionen sei freilich gewarnt: Die stärkste Reaktion auf die Londoner Anschläge war am Donnerstag im Rohölhandel zu beobachten. Der Ölpreis, der noch am frühen Morgen ein neues Rekordhoch erreicht hatte, brach in der Spitze um fast sieben Prozent ein. Am Ende des Tages war der Preisrückgang aber fast wieder vernachlässigbar. Das zeigt einmal mehr: Panik ist kein guter Ratgeber.

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