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Kommentar : Balkan aus dem Takt

Serbien kassiert Geld, das dem Kosovo zusteht – und Kosovo drosselt seine Stromlieferungen. Der Streit zeigt, wie weit der Westbalkan von einer Wertegemeinschaft entfernt ist.

          Derzeit geht so manche Backofenuhr nach, die von der Frequenz in den Stromleitungen gesteuert wird. Das ist misslich, viel schlimmer aber ist der zugrundeliegende Streit zwischen Serbien und dem Kosovo. Im Kern geht es darum, wer den besseren Draht zur EU (und zu ihren Lobbygruppen) hat, es geht um Politik und um Geld.

          Obgleich sich Prishtina von Belgrad losgesagt hat, bilden beide Seiten noch immer einen Stromnetzverbund. Doch statt dessen Funktionsfähigkeit zu gewährleisten und Europa zu zeigen, dass man wenigstens hier kooperiert, bekämpft man sich: Serbien kassiert Geld, das dem Kosovo zusteht, Prishtina reagiert darauf, indem es seine Stromlieferungen drosselt und den Konflikt internationalisiert.

          Es ist gut, dass ein erfahrener internationaler Politiker wie Klaus Töpfer in die Region reist, um die Sache beizulegen. Doch der Stromstreit zeigt auch, wie weit entfernt der Westbalkan davon ist, ein einheitlicher Markt und eine Wertegemeinschaft zu sein. Gemäß der neuen Strategie der EU-Kommission könnte Serbien schon in sieben Jahren EU-Mitglied werden. Das ist nicht zu wünschen, solange in der Region die Uhren so ganz anders gehen als bei uns.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel- und Südosteuropa und Türkei mit Sitz in Wien.

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