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Kommentar Auf Messers Schneide

05.08.2011 ·  Zur weltumspannenden Eintrübung passt eigentlich nicht, dass Deutschlands Wirtschaft scheinbar unverdrossen voranschreitet. Aus gegenwärtiger Sicht spricht wenig dafür, dass Deutschland auf Dauer die Insel der Seligen bleibt.

Von Michael Psotta
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Der Kurssturz der vergangenen Tage an den Aktienbörsen war gewaltig, und er war weltumspannend. Er hängt mit einer Reihe von Entwicklungen zusammen, die sich derzeit gefährlich auftürmen. So schwindet die Hoffnung, dass die Konjunktur in den Vereinigten Staaten im zweiten Halbjahr allmählich wieder Fahrt aufnimmt. Daran ändert auch die leichte Besserung am Arbeitsmarkt wenig. Die größte Volkswirtschaft der Welt leidet unter ihrer Schuldenkrise, die auch nach dem jüngsten politischen Kompromiss zwischen Demokraten und Republikanern nicht gelöst ist.

Zur weltumspannenden Eintrübung trägt jetzt auch die Lage in den Schwellenländern bei. Ihre Aufholjagd gegenüber den großen westlichen Volkswirtschaften scheint ins Stocken zu geraten. Offensichtlich hat sich China entschlossen, das Wachstum etwas zu bremsen, um Überhitzungen vorzubeugen. Brasilien spürt den schwächer werdenden Dollar, und für alle Schwellenländer gemeinsam gilt, dass ausbleibende Nachfrage aus Amerika ihren aufstrebenden Industrien schadet. Hinzu kommt der mit der Abschwächung verbundene Druck auf die Rohstoffpreise. Leider hat Europa in dieser Situation nicht die Kraft, die Weltwirtschaft zu stützen.

Die Schuldenkrise in der Währungsunion ist nicht nur ungelöst, sie spitzt sich auch noch zu. Das zeigt sich daran, dass schon nicht mehr über die Krisenländer Griechenland, Portugal und Irland gesprochen wird, aber umso mehr über Spanien und Italien. Wie stark die Bundesregierung Widerstand gegen den – längst angetretenen – Gang in die Transferunion leisten wird, ist ungewiss angesichts des zunehmenden Drucks aus Brüssel und Paris, die Schulden zu vergemeinschaften. Die eigentliche Schuldenkrise würde durch eine Transferunion ohnehin nicht gelöst. Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten EU-Länder unter Wachstumsschwäche leiden, wodurch die Haushaltssanierung erschwert wird.

Video: Europas Börsen brechen ein

Zu diesem betrüblichen Szenario passt eigentlich nicht, dass Deutschlands Wirtschaft scheinbar unverdrossen voranschreitet, wie die jüngsten Zwischenergebnisse zahlreicher Unternehmen eindrucksvoll belegen. Doch da sollte man sich keinerlei Illusionen hingeben: Die deutsche Industrie lebt wesentlich vom Export, ist also unmittelbar abhängig vom Erfolg der Handelspartner. Aus gegenwärtiger Sicht spricht wenig dafür, dass Deutschland auf Dauer die Insel der Seligen bleibt.

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Jahrgang 1957, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung.

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