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Klimagipfel in Bonn : 125 Millionen Dollar gegen die Folgen des Klimawandels

  • Aktualisiert am

Überschwemmungen haben im Oktober in Vietnam mehreren Dutzend Menschen das Leben gekostet. Bild: dpa

Menschen in armen Ländern bekommen die Folgen des Klimawandels besonders stark zu spüren. Helfen sollen: Versicherungen. Jetzt stellt Deutschland zusätzliches Geld bereit. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

          Die Bundesregierung hat am Dienstag bei der Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Bonn angekündigt, die Initiative InsuResilience für Klimaversicherungen in armen Ländern mit 125 Millionen Dollar (107 Millionen Euro) zusätzlich zu fördern. Der Name InsuResilience setzt sich aus den englischen Wörtern „Insurance“ für Versicherung und „resilience“ für Widerstandsfähigkeit, aber auch Ausfallsicherheit zusammen.

          Die beim G-7-Gipfel 2015 im bayerischen Elmau gestartete Initiative verfolgt das Ziel, in Afrika, Asien und Lateinamerika mehr arme Menschen gegen die Folgen von Wetterextremen wie Überschwemmungen und Dürren zu versichern. Bis 2020 soll die Zahl der Versicherten um 400 Millionen steigen. 2015 gab es in den betroffenen Gebieten 100 Millionen Versicherte.

          Warum wurde InsuResilience gegründet?

          Durch den Klimawandel nehmen auf der ganzen Welt die Auswirkungen von Wetterextremen zu. „Heute sind es doppelt so viele Naturkatastrophen wie noch 1980“, sagt die Ministerialdirektorin für Globale Zukunftaufgaben im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), Ingrid-Gabriela Hoven.

          Die Folgen bekommen die Bewohner armer Länder besonders stark zu spüren. Viele Menschen verlieren dort durch Ernteausfälle oder Viehsterben ihre gesamte Lebensgrundlage. Da die Schäden meist nicht versichert sind, leidet die Wirtschaft der betroffenen Länder deutlich länger unter den Naturkatastrophen als in Industriestaaten.

          Wie funktioniert InsuResilience?

          Die Initiative kooperiert mit besonders anfälligen Staaten wie den Fidschi-Inseln und anderen Entwicklungsländern. Außerdem sind Partnerorganisationen wie die Weltbank und die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) beteiligt. Fachliche Unterstützung und wichtige Daten bekommt die Initiative auch von Nichtregierungsorganisationen, Wissenschaftlern und Versicherungsunternehmen.

          Wie sieht die konkrete Umsetzung aus?

          InsuResilience fördert auf der ganzen Welt finanziell und mit Knowhow unterschiedliche Konzepte von Klimarisikoversicherungen – von indirekten Ansätzen, bei denen die Regierungen anfälliger Staaten Versicherungsnehmer sind, bis zu direkten Ansätzen, bei denen potentiell gefährdete Menschen einzeln Versicherungen abschließen.

          Auf Grundlage von Finanzierungszusagen von 550 Millionen Dollar (471,8 Millionen Euro) wurden laut BMZ schon vorhandene Angebote ausgebaut und neue entwickelt. Wie viele Menschen davon schon profitieren, kann das Ministerium nicht beziffern. Das BMZ steuerte bislang 190 Millionen Euro in den Fördertopf bei. Als einen der Vorteile von Klimaversicherungen im Vergleich zu Entwicklungshilfezahlungen nennt Hoven den Rechtsanspruch der Betroffenen: „Wenn der Schadensfall eintrifft, sind sie nicht Bittsteller an die internationale Gemeinschaft.“

          Entwicklungsorganisationen mahnen allerdings, dass die an sich begrüßenswerten Klimaversicherungen die Hauptverursacher des Klimawandels nicht aus ihrer Verantwortung entließen. Es gelte weiter die Forderung, „dass reiche Industriestaaten verpflichtend für die Klimaschäden der armen Länder aufkommen“, sagt Sabine Minninger von Brot für die Welt.

          Welche Vorteile über die Absicherung der Betroffenen hinaus gibt es?

          Bei einigen Klimaversicherungen werden Vorsorgepläne für den Umgang mit Wetterextremen verlangt. Auch wenn solche Pläne nicht Pflicht sind, führen die Versicherungen laut Hoven zu besseren Schutzvorkehrungen. „Versicherungen geben letztendlich dem Risiko einen Preis und damit schaffen sie einen Anreiz zur Risikovorsorge“, sagt die Ministeriumsvertreterin.

          Auszahlungen von Versicherungen können außerdem schneller fließen als Hilfsgelder der internationalen Gemeinschaft. Dadurch wird verhindert, dass Menschen aus der Not heraus ihr Vieh verkaufen oder ihr Saatgut verzehren und damit ihre Lebensgrundlage für die kommenden Jahre zerstören.

          Die Wirtschaft der betroffenen Länder kann sich auf diese Weise schneller von Naturkatastrophen erholen. Die Auszahlungen der Versicherung für den Wiederaufbau können der Wirtschaft sogar einen Schub geben. „Das Instrument als solches ist extrem sinnvoll“, sagt der Klima-Referent von Oxfam Deutschland, Jan Kowalzig. Da die Versicherungen aber nur bestimmte Folgen des Klimawandels abfedern können und nicht die Erderwärmung aufhalten, könnten die Versicherungen allerdings „nur ein Baustein einer gesamten Klimarisikoagenda“ sein.

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