20.09.2009 · Minikraftwerke für den häuslichen Keller wollen Volkswagen und der Hamburger Ökostromanbieter Lichtblick herstellen - und ernten dafür viel Begeisterung. Aber: Einen nennenswerten Beitrag zur Energiewende bringt das „Zuhause-Kraftwerk“ noch nicht.
Von Werner SturbeckKlimaschutz-Allianzen von Autoproduzenten und Stromunternehmen haben Hochkonjunktur. Während dabei meist das Elektroauto die Klammer bildet, haben Lichtblick und Volkswagen nun eine andere Form der Kooperation gefunden. Der Hamburger Ökostromanbieter und der Wolfsburger Autokonzern wollen gemeinsam Wärme in die Wohnungen und Ökostrom in das Netz bringen. Lichtblick möchte sogenannte Zuhause-Kraftwerke mit VW-Erdgasmotoren installieren. Bei ausreichender Zahl sollen die Anlagen virtuell zu Großkraftwerken verbunden werden.
Wenn der Wind nicht weht, produziert Lichtblick Strom und macht damit Kern- oder Kohlekraftwerke überflüssig. Das verspricht zumindest die Werbebotschaft. Verlockender noch: „Kunden, die sich für das Zuhause-Kraftwerk entscheiden, beteiligen sich aktiv an der Energiewende.“ Wer mit solch ambitionierten Ansprüchen auftritt, provoziert eine gründliche Analyse seiner Versprechungen.
Viele Bürger hängen regelrecht an ihren Heizungen
Das rege Medieninteresse für die Allianz des größten deutschen Ökostromanbieters und des weltweit starken Autokonzerns sollte sich der ganzen Heizungsbranche zuwenden. Es gibt zwar diverse Förderprogramme für die Heizungsmodernisierung bis hin zur Umstellung auf Mikro-Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Aber viele Bürger hängen regelrecht an ihren veralteten, ineffizienten Öfen im Keller. So arbeitet jede fünfte der 17 Millionen Heizungen in Deutschland schon länger als 24 Jahre. Der schlechte Wirkungsgrad trägt zum hohen Anteil der Privathaushalte am Energieverbrauch und an der Umweltverschmutzung bei. Dagegen sind nur zwölf Prozent noch keine zehn Jahre alt und damit in etwa auf dem Stand der Technik.
In Gewerbebetrieben, größeren Wohnanlagen, Hotels oder Kliniken erzeugen schon viele kleine Blockheizkraftwerke Wärme und Strom. Hier gibt es lang- und dauerhaft laufende, erprobte Technik. Alle größeren Hersteller von Heizungsanlagen befassen sich auch mit Mikro- und Mini-Blockheizkraftwerken. Einige werden begleitet von großen Stromproduzenten, denen dabei auch die reizvolle Idee einer Vernetzung solcher Minikraftwerke vorschwebt. Jedoch hapert es - trotz der öffentlichen Förderprogramme - noch an der Rentabilität solcher noch teueren Kleinstanlagen.
Die Leistungsdaten sind schlicht überdimensioniert
Für Ein- oder Zweifamilienhäuser sind die Leistungsdaten des angekündigten VW-Motors schlicht überdimensioniert. Moderne Brennwertheizungen bieten einen höheren thermischen Wirkungsgrad als der VW-Gasmotor. Das zählt vor allem für Investoren, die mit einer neuen Heizung künftig auch ihr Budget schonen wollen. Das Lichtblick-Geschäftsmodell zielt wohl eher auf größere Mehrfamilienhäuser ab. Denn es bietet gegen eine Monatsgebühr ein „Rundum-sorglos-Programm“ in Sachen Service und Wartung. Lichtblick bleibt Eigentümer des Kellerkraftwerks und profitiert von den Subventionen, von der reduzierten Erdgasteuer über die Bezuschussung von KWK-Strom bis zur Einspeisevergütung. Zudem kann der Ökostromanbieter auf diesem Weg auch als Ökostrom anerkannte Elektrizität selbst produzieren. Beim Wärmegeschäft jedenfalls ist sein Risiko gering. Hier wird der Verbrauch nach einem Schlüssel abgerechnet, der sich marktüblich am Gaspreisindex des Statistischen Bundesamtes richtet.
Das ist ein Energieangebot eher an Vermieter, die die Kosten weiterwälzen, als für jemanden, der scharf kalkuliert, um sich vor langfristig steigenden Energiekosten zu wappnen. Zumal man sich bei diesem Geschäftsmodell nicht nur für die Art der Heizung entscheidet, sondern sich auch langfristig an einen einzigen Versorger, nämlich den Eigentümer der Heizung, bindet.
Das Zuhause-Kraftwerk muss sich erst seinen Platz erkämpfen
Die für den Gasverbrauch genannte Mindestmenge und die Leistungswerte des VW-Motors weisen auf einen Vollbetrieb der Anlage in gerade mal knapp 1400 der insgesamt 8760 Jahresstunden hin. Nur im Winter also und in den Übergangszeiten wird das Blockheizkraftwerk seinen Gesamtwirkungsgrad voll ausspielen können. Weil es dann ohnehin, getrieben vom Wärmebedarf, arbeitet, steht es nur bedingt als Reservekraftwerk für abflauenden Windstrom zur Verfügung. Bei sommerlichen Temperaturen, die die Windausbeute ebenfalls beeinträchtigen, ist auch der Wärmebedarf gering. Dann taugt das Zuhause-Kraftwerk noch schlechter zum Ausgleich fehlender Windenergie. Denn wenn der Speicher seine Arbeitstemperatur erreicht hat, kann auch kein Strom mehr produziert werden. Das muss nicht so bleiben. Schließlich gibt es schon Geräte, mit denen die Raumtemperatur im Winter erhöht und im Sommer gekühlt wird. Das sieht das Lichtblick-Geschäftsmodell freilich nicht vor.
Eine beschleunigte Modernisierung der Heizungen zur Verringerung des Energieverbrauchs und der Umweltbelastung ist überfällig. Das sich schnell weiterentwickelnde Angebot wird immer breiter: Brennwertkessel, Solarthermie, Wärmepumpen, bald auch die Mikro- und Mini-Blockheizkraftwerke und danach die Brennstoffzellenheizung. In diesem Wettbewerb muss sich das Zuhause-Kraftwerk erst seinen Platz erkämpfen. Für einen nennenswerten Beitrag zur Energiewende besitzt es freilich noch nicht die optimalen Leistungswerte.
Die ökologische Energiewende
Horst Trummler (Vandale6906)
- 20.09.2009, 17:07 Uhr
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