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Klimaschutz Geringes Wirtschaftswachstum vermindert Treibhausgase

19.07.2004 ·  In Sachen Klimaschutz ist Großbritannien Europas Musterland. Dagegen haben die Deutschen ihr gestecktes Ziel noch nicht erreicht. Spanien entfernt sich sogar immer weiter von seiner EU-Verpflichtung.

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Die Emissionen der Treibhausgase, die für den Klimawandel verantwortlich gemacht werden, sind in der Europäischen Union nach zweijährigem Anstieg im Jahr 2002 erstmals wieder gesunken. Nach Berechnungen der Europäischen Umweltagentur (EEA) ging der Ausstoß der klimaschädlichen Gase wie Kohlendioxyd, Methan und Stickoxyd gegenüber dem Jahr 2001 um 0,5 Prozent auf 4123,3 Millionen Tonnen zurück.

Gegenüber dem Jahr 1990, das im sogenannten Kyoto-Protokoll zum Schutz des Klimas als Basisjahr herangezogen wird, sanken die Emissionen damit um 2,9 Prozent. Die Europäische Union hat sich im Kyoto-Protokoll verpflichtet, ihre Emissionen bis zum Zeitraum 2008/2012 um 8 Prozent zu senken. Die EU-Beitrittsländer werden dabei nicht mitgerechnet.

Warmes Wetter und geringes Wirtschaftswachstum

Als Grund für den Rückgang der Emissionen gibt die Umweltagentur das warme Wetter in den meisten EU-Ländern und das geringe Wirtschaftswachstum an. Beide Ereignisse haben zu einem sinkenden Verbrauch der fossilen Energieträger Kohle, Öl und Erdgas beigetragen. Die Verbrennung dieser Energieträger setzt Kohlendioxyd frei, das den größten Anteil an dem vom Menschen verursachten Treibhauseffekt hat.

Zudem habe die stetige Umstellung von der Kohle, bei deren Verbrennung besonders viel Kohlenstoff freigesetzt wird, auf den vergleichsweise sauberen Energieträger Erdgas zum Emissionsrückgang beigetragen, folgert die Umweltagentur. Dagegen sind die Kohlendioxyd-Emissionen aus der Stromerzeugung und dem Straßenverkehr in Europa gestiegen.

Großbritannien: Europas Musterland

Allerdings haben nicht alle Länder, die schon vor der EU-Erweiterung im Jahr 2004 zur Union gehörten, gleichmäßig zu diesem Fortschritt im Klimaschutz beigetragen. Wird ein linearer Rückgang der Emissionen zwischen dem Basisjahr 1990 und der Zielperiode 2008/2012 zugrunde gelegt, haben im Jahr 2002 nur Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Schweden das Etappenziel erreicht.

Europas Musterland in Sachen Klimaschutz ist Großbritannien. Die Briten haben ihr Klimaschutz-Ziel für 2008/2012 bereits übererfüllt. Deutschland hat seine Treibhausgas-Emissionen schon um 18,9 Prozent gegenüber 1990 gesenkt und damit das Etappenziel im Jahr 2002 deutlich übertroffen. Bis zur vereinbarten Reduktionsverpflichtung von 21 Prozent ist der Weg nicht mehr weit. Allerdings ist der Großteil der Senkung auf den Zusammenbruch der Industriestrukturen in den neuen Bundesländern zu Beginn der neunziger Jahre zurückzuführen. Weitere Emissionsreduktionen sind nicht mehr so leicht zu erreichen.

Die Umweltsünder

Dagegen entfernen sich einige Länder immer weiter von ihrem Ziel. "Die anderen 11 Länder steuern darauf zu, ihre Emissionsziele - zum Teil beträchtlich - zu verfehlen", schreibt die Umweltagentur. Vor allem Spanien und Portugal, denen aufgrund ihres Entwicklungsrückstandes in der EU sogar Ausweitungen ihrer Emissionen zugestanden wurden, sind inzwischen weit über das Ziel hinausgeschossen. "Für Spanien ist die Herausforderung, sein Emissionsziel zu erreichen, größer als für jeden anderen Mitgliedstaat", folgert die Umweltagentur. Auch Irland, Österreich und Italien haben sich schon weit vom Reduktionspfad entfernt.

Vom 1. Januar 2005 an soll der Handel mit Emissionsrechten neuen Schwung in den Klimaschutz in Europa bringen. Das Handelssystem soll den Klimaschutz in die Unternehmen lenken, die Emissionsreduktionen mit den geringsten Kosten erreichen können. Zusätzlich nutzen einige Mitgliedsländer wie die Niederlande die Option, Klimaschutz-Projekte in anderen Ländern zu finanzieren, um sich die dort erreichte Reduktion der Emissionen auf das eigene Ziel anrechnen zu lassen. Vor allem in Entwicklungsländern bestehen viele Möglichkeiten, Emissionen mit vergleichsweise geringen finanziellen Mitteln zu sparen.

Quelle: ht., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.07.2004, Nr. 166 / Seite 12
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